Klerikalfaschismus
Unter Klerikalfaschismus versteht man eine Verbindung von christlichen Kirchen und faschistischer Ideologie. Gemeint ist damit vor allem der Antisemitismus sowie die politische Zusammenarbeit kirchlicher Behörden und Amtsträger ("Klerus") und christlich-bürgerlicher Parteien mit faschistischen Regimen.
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Klerikalfaschistische Regimes
Als solche gelten:
- der Austrofaschismus in Österreich
- der Francismus in Spanien
- der Estado Novo in Portugal
- die Ustaša-Regierung in Kroatien, die sich "Unabhängiger Staat Kroatien" nannte, in Wahrheit aber eine Marionettenregierung Deutschlands und Italiens war
- Ungarn unter Miklós Horthy
- Rumänien unter General Ion Antonescu (Eiserne Garde);
- ebenso der Hlinka-Faschismus in der Slowakei nach 1938.
Antisemitismus
Den Antisemitismus, den diese Regime propagierten, vertraten die Kirchen und christlich-konservativen Parteien ihrer Länder teilweise schon viel früher. Die Faschisten versuchten damit Teile des Bürgertums für sich zu gewinnen und - etwa im Falle Österreichs - einer möglichen nationalsozialistischen Besetzung durch Anpassung zuvorzukommen. Dabei übernahmen sie auch Regierungsmethoden wie die autoritäre Staatsgliederung, Wirtschaftslenkung und Internierung von politischen Gegnern in Lagern.
Begriffsgeschichte
In Deutschland verwendete die KPD den Begriff polemisch gegen die Zusammenarbeit des katholischen Zentrums mit den rechtsextremen Parteien in der Weimarer Republik.
In einem weiteren Sinn kann der Begriff auch die strukturelle Analogie zwischen kirchlichem Handeln und Denken mit dem Faschismus bezeichnen. So kann eine kritische Sicht des Katholizismus oder christlichen Fundamentalismus etwa feststellen, dass auch dort ein "Führerprinzip", eine totalitäre Weltanschauung, ja sogar die systematische Verfolgung und Ermordung Andersgläubiger praktiziert wurde oder wird. Auch half der Vatikan vielen ehemaligen Nationalsozialisten nach 1945 zur Flucht vor Strafverfolgung ins Ausland: Solche historischen Tatsachen fassen Kritiker auch als Hinweis auf die geistige Nähe und praktische Solidarität zwischen Christen und Faschisten auf.
Dabei droht eine konkrete Definition von Faschismus allerdings relativiert zu werden. Das gilt auch - ungeachtet äußerer Parallelen - für die ahistorische Übertragung des Begriffs auf islamistische Regime wie den heutigen Iran.
Literatur
- Klaus-Jörg Siegfried: "Klerikalfaschismus". Sozialwissenschaftliche Studien (Herausgeber Peter Lang), Frankfurt am Main, November 1982, ISBN 3921121957
- Hermann L Gremliza (Herausgeber): "Artiges Volk, entartete Dichter: 'In Österreich hat immer das System des Klerikalfaschismus geherrscht, eine geisterhafte Geisteshaltung, für die die ... noch zu modern gewesen sind' (Elfriede Jelinek)". Konkret-Verlag, ISBN 3930786311
