Kleverländisch
Übliche Bezeichnung für eine niederfränkische Mundartgruppe in Nordrhein-Westfalen und einigen kleineren angrenzenden Gebieten der Niederlande. In der Germanistik auch als "nordrhein-maasfränkisch" oder "nordrhein-maasländisch" bezeichnet. Das Niederfränkische ist Grundlage der heutigen offiziellen niederländischen Schriftsprache.
Die Uerdinger Linie (ich/ik-Grenze) trennt das Kleverländische vom Limburgisch-Bergischen. Die ou/al-Isoglosse trennt das Kleverländische von den niederländischen Mundarten wie dem Brabantischen. Die Einheitsplurallinie schließlich trennt das Kleverländische vom Niedersächsischen.
Zum Kleverländischen zählen:
- Das am unteren Niederrhein gesprochene Klevisch-Weselische und die Mundarten des westlichen (Rheinischen) Ruhrgebiets (Mülheim an der Ruhr, Duisburg, Oberhausen, Essen-Werden)
- Die Dialekte des Ostbergischen
- Die in der Region Noord-Limburg (NL) gesprochene Mundart.
- Die Mundart von Venlo (NL).
- Die Mundart von Cuijk (NL).
- Die Mundart der Region "Liemers" (Lijmers)(NL).
Bild:KLEVE1.png
Die in Deutschland gesprochenen kleverländischen Dialekte werden zusammen mit dem Limburgisch-bergischen zuweilen auch als "niederrheinische" oder "niederrheinisch-bergische" Sprache bezeichnet.
Das Kleverländische und das Limburgisch-Bergische insgesamt (d.h. in Deutschland, den Niederlanden und Belgien) werden häufig als "Rhein-maasfränkisch" oder "Rhein-maasländisch" bezeichnet.
Sprachbeispiele
- "Ek heb noch efkes afgewaachd, ob dat, wach`e min seggen wold."
- "Ich habe noch kurz abgewartet, was Du mir sagen wolltest."
- "En den Wenter stüwe di drööge Bläär dörr de locht eröm" (Wenker Satz 1)
- "Im Winter fliegen die trockenen Blätter in der Luft herum."
- "Et sall soon üttschaije te shnejje, dann werd et wäär wer bäter." (Wenker Satz 2)
- "Es hört gleich auf zu schneien, dann wird das Wetter wieder besser."
- "Hej es vörr vier of säss wääke gestörwe." (Wenker Satz 5)
- "Er ist vor vier oder sechs Wochen gestorben."
- "Het füür was te hätt, die kuuke sinn ja an de onderkant heel schwaort angeschröt." (Wenker Satz 6)
- "Das Feuer war zu heiß, die Kuchen sind ja unten ganz schwarz gebrannt."
- "Hej dütt die eikes ömmer sonder salt än pääper ääte." (Wenker Satz 7)
- "Er ißt die Eier immer ohne Salz und Pfeffer."
- "Gej mott hoart krässe, sönst verstätt hej ons nij." (Wenker Satz 22)
- "Man muß laut schreien, sonst versteht er uns nicht."
- "Wej sin müjj än häwwe dorst." (Wenker Satz 23)
- "Wir sind müde und haben Durst."
- "Achter ons hüs stonn dar drijj mojje Äappelböom met rooje äppelkes." (Wenker Satz 26).
- "Hinter unserem Hause stehen drei schöne Apfelbäume /drei Apfelbäumchen mit roten Äpfeln/Äpfelchen."
- "Köjj nij noch ievkes opp ons waachte? Dann gönn wej met ow met." (Wenker Satz 27)
- "Könnt ihr nicht noch einen Augenblick /ein Augenblickchen auf uns warten? Dann gehen wir mit (euch)."
- "Wat sette dar vörr möskes boawe opp et müürken?" (Wenker Satz 36)
- "Was sitzen da für Vögelchen oben auf dem Mäuerchen?"
Der Duisburger Johanniter Johann Wassenberch hat im 15. und 16 . Jahrhundert regelmäßig Aufzeichungen über lokale und weltweite Ereignisse geführt, die heute Aufschluss über die damalige Sprache am Niederrhein gibt:
- 's doenredachs dair nae woerden die twe gericht ende op raeder gesatt. Eyn gemeyn sproeke: 'Dair nae werck, dair nae loen.' Die ander vyf ontleipen ende entquamen dat doch nyet goit en was.
- (oe = u, ai = aa, ae = aa)
- „Am Donnerstag danach wurden die zwei gerichtet und auf Räder gesetzt. Ein bekannter Spruch: 'So wie das Werk, so der Lohn.' Die anderen fünf flohen und entkamen, was nicht gut war.“
Weblinks
Kategorie:Dialekt
