Klingelton
Ein Klingelton ist ein Signalton, der von einer Klingel erzeugt wird, bzw. beim Mobiltelefon die für die Erzeugung des Tones erforderliche digitalisierte Audiodatei, die bei einem ankommenden Anruf abgespielt wird. Als Vorlage dienen häufig populäre Melodien, aber auch lustige Sprüche und (obszöne) Geräusche sind sehr beliebt.
Aus der ursprünglichen Idee, zur Unterscheidung verschiedener Telefone und Anrufer die Melodien einstellbar zu machen, hat sich ein eigener Wirtschaftszweig zur Vermarktung von Klingeltönen entwickelt, dessen Umsätze einen beträchtlichen Teil der Musikindustrie ausmachen. Marktführer in Deutschland und in Europa ist die Firma Jamba!.
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Datenformate
Midi
Gewöhnlich wird als Quelle für einen Klingelton bei Mobiltelefonen ein Midi-File (.mid) verwendet. Es enthält kodiert eine Abfolge von Codes für Länge und Höhe und Charakteristik von Einzeltönen (Noten) eines Instruments oder mehrerer Instrumente.
Herstellereigene Formate
Viele Mobiltelefone, insbesondere ältere, die keine polyphonen Klingeltöne abspielen können, verwenden eigene Formate. Hierzu gehören u. a.
- Nokring (Nokia Ring Tone Transfer Language (RTTL)): Dieses Format hat sich zu einem Quasi-Standard für den Austausch von Klingeltönen entwickelt.
- eMelody und iMelody (Ericsson)
Diese Formate sind für die Darstellung von Klingeltönen zugeschnitten und unterstützen daher genau die dazu notwendigen Features (beispielsweise teilweise keine Polyphonie). Der Vorteil liegt darin, dass diese Formate in einer kompakten ASCII-Darstellung bestehen, so dass sich Klingeltöne in diesen Formaten als SMS versenden lassen.
MP3
Eine neuere Möglichkeit, die noch nicht von allen Mobiltelefonen unterstützt wird, ist die Verwendung des MP3-Formates. Dieses Verfahren wird oft auch als Real Music bezeichnet. Im Gegensatz zu Midi-Files werden hier keine Einzeltöne, sondern komplette Klangspektren abgebildet. So sind zum Beispiel eine Vielfalt von Tönen, aber auch Sprache beziehungsweise Geräusche möglich. MP3-Dateien sind wesentlich größer als Midi-Files und erfordern entsprechend leistungsfähige Geräte.
Video
Bei neuen Handys ist es auch möglich kurze Videos als Klingelton abzuspielen.
Datenübertragung
Das Aufspielen von Klingeltönen kann auf verschiedene Arten erfolgen.
- Eintippen der Melodie
- SMS
- MMS
- WAP
- GPRS
- Infrarotverbindung von einem Mobiltelefon zum anderen
- Infrarotverbindung vom PC zum Mobiltelefon
- Bluetoothverbindung vom PC zum Mobiltelefon
- WLAN-Verbindung vom PC zum Mobiltelefon
- Kabelverbindung vom PC zum Mobiltelefon
Bezahlung
Zahlreiche Firmen bieten Klingeltöne zum Download an. In der Regel wird der Kaufpreis direkt auf der Handyrechnung abgebucht bzw. dem Prepaidkonto der Kunden belastet. Eine kostenlose Alternative ist der Datentausch auf File-Sharing-Netzen wie Kazaa oder eMule. Dabei muss man aber das neue Urheberrecht beachten und darf nur solche Klingeltöne tauschen, bei denen es zulässig ist, zum Beispiel Eigenkompositionen, an denen man selber das Urheberrecht besitzt. Ferner gibt es Software, die vorhandene Musikstücke oder Eigenkompositionen in die Klingeltonformate Midi, SP-Midi u. ä. umwandelt. Auch hierbei muss man das Urheberrecht beachten.
Gesellschaftliche Auswirkungen
Der Kauf eines Klingeltons kostet in der Regel 1,99 Euro. Die Abrechnung erfolgt oft durch Premium-SMS oder Anruf bei 0190-Nummern. Preisangaben von 1,86 Euro pro Minute gelten nur für Anrufe aus dem Festnetz, vom Mobiltelefon wird es je nach Tarif noch teurer. Durch massive Werbekampagnen und die ständige Einkaufmöglichkeit ist es für viele Jugendliche zur Gewohnheit geworden, häufig neue Melodien zu kaufen und zu verwenden. Viele Angebote sind zudem missverständlich, so dass der Kunde beim vermeintlichen Kauf eines Klingeltons ungewollt ein Abonnement abschließt. Einige Anbieter erlauben die Auswahl von Klingeltönen nur über ein kostenpflichtiges Anwählprogramm (Dialer), das hohe Verbindungskosten verursachen kann. Dies trägt bei vielen Nutzern zur Überschuldung bei.
2004 wurden in Deutschland Klingeltöne in Wert von 183 Millionen Euro gekauft.
Im März 2005 stellte die Direktorenkonferenz der deutschen Landesmedienanstalten fest, dass die Werbung bei den vier deutschen Musikfernsehsendern zum weit überwiegenden Teil aus Spots für Klingeltöne bestand. Teilweise entfielen über neunzig Prozent der erlaubten Werbezeit darauf.
Kategorie:Mobilfunk
Kategorie:Musikindustrie
