Kohärenztheorie
Die Kohärenztheorie (lat. cohaerentia: die Verkettung, der Zusammenhang, das Zusammenhängen) bezeichnet
- A) eine idealistische neopositivistische Wahrheitstheorie, die behauptet, die Wahrheit sei nicht die wahre, richtige Widerspiegelung der Wirklichkeit im Denken, sondern die formale Koordiniertheit von Aussagen in einem System (Wahrheit).
- B) als Methode: die Kohärenztheorie der Wahrheit vergleicht nur Aussagen untereinander. Sie nimmt daher nicht auf etwas Bezug, das außerhalb des Denkens liegt.
Ein Satz ist wahr, wenn er sich widerspruchsfrei in das Netz der bestehenden wahren Aussagen einordnen läßt. Formaler:
- Ein Satz p ist wahr genau dann, wenn p ein Element einer kohärenten Aussagenmenge A ist.
- Eine Aussagenmenge A ist kohärent, wenn jedes Element der Menge konsistent mit jeder Teilmenge ist und jedes Element p aus allen anderen (als Prämissen genommen) ableitbar ist.
- Die Aussagen von A stehen in einer inferentiellen Abhängigkeit zueinander; es gibt keine inferentiell unabhängige Aussage in A.
Das ergibt die Schwäche der Kohärenztheorie: ihr fehlt jeglicher Realitätsbezug. Es kann durchaus mehrere verschiedene, kohärente Systeme von Aussagen geben.
Ein Satz S2 kann in einem System wahr, im anderen falsch sein. Ein weiterer Einwand gegen die Kohärenztheorie ist, daß Kohärenz die Gesetze der Logik voraussetzt (widerspruchsfrei, ableitbar).
Die Wahrheit ist wiederum für die Logik bereits grundlegend, wird also schon vorausgesetzt. Das ist nicht das Ergebnis, das von einer Wahrheitstheorie gefordert wird.
Andere Wahrheitstheorien sind z.B. die Korrespondenztheorie, und die Konvergenztheorie.
