Kohäsion

Als Kohäsion ( auch Zusammenhangskraft - abgeleitet von dem lateinischen Wort cohaerere = zusammenhängen ) bezeichnet man

  1. in der Physik und Chemie die Zusammenhangskräfte zwischen den Atomen bzw. Molekülen eines Stoffes (zum Beispiel innerhalb von Flüssigkeiten oder Festkörpern) und innerhalb der Moleküle; siehe Kohäsion (Chemie). Die Kohäsion wird durch folgende Wechselwirkungen beschrieben:
  2. bei Klebstoffen die Kräfte, die den Zusammenhalt des Klebstoffs bewirken; diese Kohäsionskräfte sind zum einen für die Zähigkeit und das Fließverhalten (Rheologie) des unausgehärteten Klebstoffs bei der Verarbeitung und zum anderen für die Festigkeit des ausgehärteten Klebstoffs bei seiner Beanspruchung verantwortlich. Die Kohäsionskräfte in einem Klebstoff werden durch Kennwerte wie E-Modul, Reißdehnung, Temperaturfestigkeit oder Shore-Härte beschrieben, siehe Kohäsion (Klebstoff);
  3. in der Bodenmechanik die zusammenhaltenden Kräfte in bindigen Böden; siehe Kohäsion (Bodenmechanik)
  4. in der Politik der Europäischen Union bezeichnet Kohäsion das erstrebenswerte Zusammenhalten der Staaten und Völker, das durch Solidarität gestärkt werden soll.
  5. in einem Hypertext die "Oberflächenspannung" eines Textes, der durch grammatikalische Formen auf Satzebene sowie durch Referenzketten zwischen Worten entsteht; siehe Kohäsion (Hypertext).
  6. Sprachliche Verknüpftheit eines Textes durch grammatische und lexikalische Mittel. Beziehung zwischen einzelnen Sätzen; siehe Kohäsion (Linguistik).
  7. in der Informatik (Objektorientierte Programmierung) beschreibt Kohäsion wie gut eine Programmeinheit eine logische Aufgabe oder Einheit abbildet. In einem System mit hoher Kohäsion ist jede Programmeinheit (eine Methode, eine Klasse oder ein Modul) verantwortlich für genau eine wohldefinierte Aufgabe oder Einheit.
    Hohe Kohäsion - Eine Klasse mit hoher Kohäsion repräsentiert genau eine wohldefinierte Einheit, eine Methode mit hoher Kohäsion ist verantwortlich für genau eine wohldefinierte Aufgabe. Code-Duplizierung (ein Quelltextabschnitt erscheint mehr als einmal in einer Anwendung) ist ein Indiz für schlechten Entwurf. Sie sollte vermieden werden.
    Meist wird Code-Duplizierung durch schlechte (schwache) Kohäsion verursacht.
  8. in der Psychologie kommt der Begriff aus dem Bereich der Sozialpsychologie und dort aus dem Bereich der Gruppenprozesse. Er beschreibt das Phänomen des Zusammenhalts von Gruppen. Die Bedingungen, unter denen sich ein Individuum veranlasst sieht, längere Zeit Mitglied in einer Gruppe zu sein oder zu bleiben, nennt man Kohäsionsfaktoren. Solche können z.B. geplante oder aktuelle Aktivitäten und Ziele der Gruppe und die Befriedigung der individuellen Bedürfnisse durch diese Aktivitäten, die Attraktivität einer Gruppe oder auch interpersonale Attraktivität, gegenseitige Vorlieben zwischen einzelnen Gruppenmitgliedern oder auch einfach Gruppenstolz sein. Insbesondere die Attraktivität einer Gruppenaufgabe wird für den Kohäsions-Leistungs-Zusammenhang verantwortlich gemacht.

Siehe auch: Adhäsion, Kapillarität, Konsistenz, Kohärenz

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See also: Kohäsion, Adhäsion, Atom, Attraktivität, Bruchdehnung, Chemie, E-Modul, Europäischen Union, Festkörper