Kokerei

In einer Kokerei wird aus Kohle Koks erzeugt. Dies geschieht durch das Erhitzen der Kohle in einer Koksbatterie unter Luftabschluss.

Es gibt zwei Arten von Koksbatterien (so werden die Anlagen genannt, in denen die Kohle zu Koks umgewandelt wird):

thumb|180px|Ofenbatterie, Seite des Ausstoßwagens

Diese unterscheiden sich durch den Aufbau der Kokskammern. In einer Kleinraum-Batterie wird die Kohle in vielen einzelnen kleinen Kammern erhitzt, wogegen es in einer Großraum-Batterie nur eine große Kammer gibt.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal der Prozessführung ist die Art des Kokslöschens. Aus den Kammern muss nämlich der glühende Koks ausgestoßen und dann rasch auf Umgebungstemperatur gebracht werden, da er sonst verbrennen würde.

Diese Abkühlung kann auf folgende Arten geschehen:

thumb|180px|Gasverschlüsse auf einer Ofenbatterie

Kokserzeugung am Beispiel einer Kokerei in Linz/Österreich:

Das Werk ist ein so genanntes integriertes Hüttenwerk. Am Standort werden alle wesentlichen Rohstoffe für die Eisenherstellung selbst erzeugt, darunter auch der Koks. In insgesamt 4 Hochöfen wird das Roheisen gewonnen, dieses wird anschließend in den Konvertern des Stahlwerkes zu Rohstahl umgewandelt. Aus dem Rohstahl werden Brammen gegossen, die dann zu Blechen gewalzt werden. Die Kokerei ist damit ein zentraler Teil des integrierten Hüttenwerkes.

Die Kohle wird per Schiff oder Bahn zu den offenen Lagerplätzen gebracht. Aus den Lagern wird sie nach der Abscheidung von Metallstücken, Holzstücken und anderen Fremdstoffen über Förderbänder zu den Sortenbunkern transportiert. In den Sortenbunkern wird die Kohle getrennt nach verschiedenen Qualitätsmerkmalen bevorratet.

Durch Zusammenmischen der verschiedene Kohlesorten werden Mischungen eingestellt, die sodann in der Hammermühle zerkleinert werden.

thumb|180px|Beschickungswagen einer Ofenbatterie

Durch das Mischen und Zerkleinern wird eine möglichst hohe und gleichmäßige Kohlequalität erreicht. Nach dem Mahlvorgang wird die Kohle noch gesiebt und mit Förderbändern in den Kohleturm der Koksbatterie befördert.

Aus dem Kohleturm wird der Füllwagen mit dem fertigen Kohlegemisch beladen zum Weitertransport und Befüllung der Kokskammern.

In den Kammern wird die Kohle auf ca. 1.000 °C erhitzt, so dass nach ca. 8 Stunden Koks entsteht. Dieser glühende Koks wird mit Druckmaschinen aus den Kammern ausgestoßen und über eine Koksüberleitmaschine in Waggons gefüllt. Eine Lokomotive befördert den glühenden Koks in einen Löschturm, in dem dieser mit Wasser gelöscht wird.

thumb|120px|Löschturm

Nach diesem Vorgang wird der Koks zu Lagerplätzen gebracht, von wo er anschließend zu den Verbrauchen weiter transportiert wird. Die größten Verbraucher in einem Stahlwerk sind in der Regel die Hochöfen.

Die bei der Herstellung anfallenden Beiprodukte werden in der sogenannten Nebengewinnung weiterverarbeitet.

Inhaltsverzeichnis

Kokerei aktuell (2005)

Der Weltmarktpreis für Koks ist äußerst starken Schwankungen unterworfen. Von 2002 bis 2004 stieg der Weltmarktpreis für chinesischen Koks im Zuge der weltweiten Stahl-Hausse von etwa 80 USD auf etwa 350 USD, eine Versechsfachung des Preises, dreimal soviel wie die Steigerung / Verdoppelung des Stahl-Preises im gleichen Zeitraum.

Parallel bauten die Chinesen im Ruhrgebiet die modernste Kokerei Europas ab, das Dortmunder Werk Kokerei Kaiserstuhl. Dem Werk hatte der gesicherte Absatz gefehlt, nachdem der Thyssenkrupp-Konzern seine Aktivitäten der Roheisen-Erzeugung in Dortmund einstellte, Koks international einkaufte, unter anderem viel in der Volksrepublik China, und die Roheisen- und Stahlerzeugung an die Rheinschiene nach Duisburg konzentrierte. Der Verkauf der Einrichtungen des Werks Kaiserstuhl, das nur etwa acht Jahre produzierte und um 1990 herum das größte Investitionsprojekt der europäischen Industrie war, kann nach momentaner Einschätzung als Fehler bezeichnet werden.

Die einzig im Raum Ruhrgebiet verbliebene Kokerei, das Bottroper Werk Kokerei Prosper, arbeitet seit drei Jahren an der Kapazitätsgrenze.

Industriepolitik

Der hohe Kokspreis läßt es nun wieder wirtschaftlich erscheinen in Deutschland Kohle zu fördern und neue Schächte abzuteufen. So existieren Pläne für ein neues, subventionsfrei zu erstellendes Bergwerk nördlich Hamm. Skeptiker sehen in einer Investition im derzeitigen Wirtschaftszyklus jedoch bereits volkswirtschaftliche Folgekosten durch die nächste Absatzkrise.

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Weblinks

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