Kolportage
Der Ausdruck Kolportage (von frz.: porter à col auf den Schultern tragen) bezeichnet auch den Vertrieb von Büchern in Einzellieferungen durch Hausierer ("Kolporteure").
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Geschichte
Im frühen 19. Jahrhundert minimierten die Verleger von besonders dicken Werken (auch des Brockhaus und von Meyers Konversationslexikon) ihr Risiko, indem sie diese in Lieferungen von 2 Bögen - also 32 Seiten - teilten und auf diese Weise von Hausierern vertreiben ließen. So mussten sie immer nur kleine Mengen produzieren und die nicht sehr wohlhabenden Kunden konnten die Lieferungen bezahlen. Hatte man auf diese Weise alle Lieferungen eines Bandes erhalten, ließ man sie beim Buchbinder binden.
Die Kolportage war im 19. Jahrhundert auch ein bedeutsames Instrument christlicher Mission. Bibeln, religiöse Traktate, gedruckte Predigtsammlungen ( so etwa solche von Charles Haddon Spurgeon) und andere christliche Literatur wurden von Kolporteuren bis in die entlegendsten Gegenden gebracht. Bei solchen Reisen hielten die Kolporteure auch Hausgottesdienste und Bibelstunden ab. Dabei waren sie nicht selten das Opfer staatlicher und staatskirchlicher Repression. Geld- und Gefängnisstrafen waren die Regel. Einige Kolporteure bezahlten ihre Arbeit als christliche Literaturvertreiber auch mit dem Leben. Viele freikirchliche Gemeinden verdanken ihre Entstehung der Kolportage. Zu den bekanntesten Verlagen, die im freikirchlichen Bereich mit Kolporteuren arbeiteten, gehörte der heute noch existierende Oncken-Verlag.
Weitere Entwicklungen
Nach und nach wurde auf diese Art aber nur noch Trivialliteratur vertrieben und die seriösen Verlage zogen sich aus dem Kolportagegeschäft zurück. Seither gilt Kolportage als Literatur, die auf niedrigem Niveau produziert wurde, sodass der Ausdruck "Kolportageroman" zum Begriff für schlechte Trivialliteratur wurde.
Heute bezeichnet der Begriff Kolportage in Anlehnung daran abwertend das Verbreiten von Gerüchten und Gesellschaftsklatsch, von dem die Boulevardzeitungen und die Regenbogenpresse traditionell nicht zuletzt leben. Gesellschaftsreporter gibt es schließlich nicht nur in erfolgreichen TV-Formaten wie seinerzeit Kir Royal, sondern gerade in den deutschen Metropolen.
Siehe auch:
Literatur
Weblinks
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