Kompatibilismus und Inkompatibilismus

Kompatibilismus, auch "weicher Determinismus" genannt, ist eine Theorie, nach der freier Wille und Determinismus kompatibel sind. Einer ihrer bekanntesten Vertreter ist David Hume. Nach Hume sollte "freier Wille" nicht als eine absolute Fähigkeit verstanden werden, unter exakt gleichen inneren und äußeren Bedingungen eine andere Entscheidung getroffen haben zu können. Vielmehr ist er eine hypothetische Fähigkeit, eine andere Entscheidung getroffen haben zu können, wenn man psychologisch anders disponiert gewesen wäre durch andere Überzeugungen oder Wünsche. Hume behauptet auch, dass freie Handlungen nicht ohne Ursache zustande kommen (oder auf geheimnisvolle Weise durch sich selbst verursacht würden, wie Immanuel Kant es dargestellt hätte), sondern verursacht werden durch unsere Entscheidungen, die bestimmt werden durch unsere Überzeugungen und Wünsche und durch unseren Charakter. In Humes Determinismus gibt es zwar einen Entscheidungsprozess, aber dieser Entscheidungsprozess wird bestimmt durch eine Kausalkette von Ereignissen. Zum Beispiel könnte ein Mensch sich entscheiden, Wikipedia zu unterstützen, aber diese Entscheidung ist "determiniert" durch Bedingungen, die bereits gegeben waren, als die Entscheidung getroffen wurde.

Die entgegengesetzte Sicht, dass freier Wille und Determinismus inkompatibel seien, wird manchmal "Inkompatibilismus" genannt. Die "pessimistische" Version, manchmal "harter Determinismus" genannt, besagt, dass weder Determinismus noch Indeterminismus einen freien Willen zulässt; Hume meinte, der freie Wille vertrage sich nicht mit Indeterminismus. Eine inkompatibilistische Position besagt, dass "freier Wille" sich auf echte (absolute, ultimative) alternative Möglichkeiten von Überzeugungen, Wünschen oder Handlungen beziehe, und dass solche Möglichkeiten in kompatibilistischen Definitionen nicht vorkämen. Ohne solche Möglichkeiten sei die Auffassung, dass freier Wille Verantwortlichkeit mit sich bringe, als falsch anzusehen. Ein Gegenargument des Kompatibilismus ist jedoch, dass solche absoluten alternativen Möglichkeiten ihre Ursache nur im Zufall haben könnten, was die Verantwortlichkeit verringern würde.

Es gibt Auffassungen, die nicht so leicht zu kategorisieren sind. Im Libertarismus wird die Position vertreten, dass unsere Erfahrung des freien Willens eine nicht-deterministische Welt voraussetze. Einige Vertreter dieser Auffassung halten sie für kompatibel mit Determinismus in der "physikalischen" Welt, aber glauben, für "geistige" Ereignisse gelte etwas anderes.

Eine prägnantere Beschreibung ist in der "Stanford Encyclopedia of Philosophy" zu finden, siehe Link unten.

Die Auffassung des Determinismus besagt, dass alles, was geschieht, bestimmt ist durch vorangehende Bedingungen in Verbindung mit den Naturgesetzen. Inkompatibilismus ist die philosophische Auffassung, dass wir dann, wenn der Determinismus der Wahrheit entspricht, keinen freien Willen haben. Die Ablehnung des Inkompatibilismus ist der Kompatibilismus: Ein Kompatibilist ist jemand, der glaubt, dass die Wahrheit des Determinismus einen freien Willen nicht ausschließt.

William James, der amerikanische Philosoph und Mitbegründer des philosophischen Pragmatismus, prägte den Begriff "weicher Determinist" in einem einflussreichen Essay mit dem Titel The Dilemma of Determinism. Er vertrat die Meinung, dass die Bedeutung der Frage des Determinismus nicht in der persönlichen Verantwortlichkeit liege, sondern in der Hoffnung. Er glaubte, dass kompromissloser Determinismus entweder zu blankem Pessimismus führe oder zu einem degenerierten Subjektivismus im moralischen Urteilen. Der Ausweg aus diesem Dilemma sei, zuzulassen, dass der Zufall eine Rolle spiele. Er bestehe nicht auf der Bezeichnung "freier Wille" als Synonym für die Rolle, die der Zufall bei menschlichen Handlungen spiele, einfach weil er lieber über Sachfragen debattiere als über Bezeichnungen.

Texte

Weblinks

See also: Kompatibilismus und Inkompatibilismus, Daniel Dennett, David Hume, Determinismus, Freier Wille, Immanuel Kant, Libertarismus, Pessimismus, Pragmatismus, Subjektivismus