Potsdamer Konferenz
[[Bild:stalin potsdam.jpg|thumb|right|Politische und militärische Vertreter der Siegermächte diskutieren an einem runden Tisch – Stalin (in weißer Uniform), rechts neben ihm Außenminister Molotow]] Die Potsdamer Konferenz, deren offizielle Bezeichnung eigentlich „Berliner Konferenz“ war, fand vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 im Potsdamer Cecilienhof statt. Ursprüngliche Planungen sahen Berlin als Tagungsort vor, aber wegen der dortigen schweren Kriegsschäden wurden die Sitzungen in das unversehrte Schloss auf Potsdamer Boden verlegt. Die Vertretungen nahmen ihre zeitweiligen Unterkünfte unweit des Schlosses in einigen Neubabelsberger Villen am Griebnitzsee.
Es ist oft die Rede vom "Potsdamer Abkommen", ein solches Abkommen hat es jedoch nie gegeben. Über die Konferenz wurde von den Alliierten lediglich eine "Mitteilung" herausgegeben, die als Ergänzungsblatt Nr. 1 im Amtsblatt des Kontrollrates in Deutschland veröffentlicht und später allgemein fälschlich als "Potsdamer Abkommen" bezeichnet wurde.
Teilnehmer waren die Siegermächte des 2. Weltkriegs. Sie berieten darüber, wie Deutschland, dessen Streitkräfte am 08. Mai 1945 bedingungslos kapitulierten, zu verwalten sei. Es ist noch hinzuzufügen, dass Deutschland (also das Deutsche Reich), bis heute nicht kapituliert hat, sondern ledeglich die deutsche Wehrmacht! Die Teilnehmer waren:
- USA, vertreten durch Präsident Harry S. Truman
- Sowjetunion, vertreten durch Josef Stalin und
- Großbritannien, vertreten zunächst durch Winston Churchill, nach seiner Wahlniederlage ab 29. Juli durch seinen Nachfolger Clement Attlee.
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Ergebnisse und Beschlüsse
Die wichtigsten Ergebnisse dieser Konferenz waren die Teilung Deutschlands und Österreichs in vier Besatzungszonen, auf die man sich zuvor in der Konferenz von Jalta geeinigt hatte, sowie die Teilung Berlins und Wiens in je vier Zonen und die Stellung der Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie unter die vorläufige Verwaltung Polens. Die Grenze zwischen Polen und Deutschland sollte einem Friedensvertrag mit Deutschland vorbehalten bleiben.
Für gesamtdeutsche Fragen sollte ein aus vier Militärgouverneuren zusammengesetzter Rat, der "Alliierte Kontrollrat" zuständig sein. Bei der territorialen Gestaltung der Besatzungszonen hielt man sich an Vorschläge des "European Advisory Counsil" (EAC), allerdings versprach man Frankreich eine eigene Zone in Deutschland, die aus Teilen der britischen und der amerikanischen Zone gebildet wurde.
Überaus folgenreich war der Beschluss auf der Potsdamer Konferenz, Deutschland als Reparationsgebiet zu teilen, d.h. jeder Besatzungsmacht frei zu stellen, in ihrer jeweiligen Zone ihre eigenen Interessen an Reparationszahlungen durchzusetzen. Diese Entscheidung wurde getroffen, weil die Westmächte, die eine moderate Reparationspolitik verfolgten, sich mit Stalin, der eine sehr harte Linie vertrat, in Reparationsfragen nicht einigen konnten.
Als der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt zu Beginn des ersten Gipfeltreffens der "Großen Drei" während des Zweiten Weltkrieges am 28. November 1943 in Teheran den britischen Premierminister Winston Churchill um "einige allgemeine Worte über die Wichtigkeit dieser Zusammenkunft" bat, entgegnete Churchill ohne Zögern - von seiner eigenen Geschichtsmächtigkeit überzeugt und um treffende Worte nie verlegen -, dies sei "die gewaltigste Konzentration von Weltmächten, die es je in der Geschichte der Menschheit gegeben" habe [1]. Eineinhalb Jahre später, im Juli 1945, als sich die Regierungschefs der USA, Großbritanniens und der Sowjetunion nach ihrem Treffen in Teheran und einer weiteren Begegnung in Jalta im Februar 1945 zum dritten Mal versammelten - diesmal vor den Toren Berlins, im Herzen des besiegten Deutschland -, war von der "Konzentration" nicht mehr viel übrig. Das Bündnis zwischen der Sowjetunion und den Westmächten, das seit dem deutschen Überfall auf die UdSSR im Juni 1941 bestanden hatte, war brüchig geworden [2]. Der Kalte Krieg warf seine Schatten voraus.
Die Kompromissformel wurde schließlich aufgesetzt, um die Konferenz, die bis dahin keine wesentlichen Ergebnisse erbracht hatte, nicht völlig scheitern zu lassen.
Auswirkungen
In der Folge (auch aufgrund der französischen Obstruktion im Alliierten Kontrollrat) zerbrach die deutsche Wirtschaftseinheit, bald darauf, im Zuge des beginnenden Kalten Krieges, die politische. ..
thumb|250px|Die Rettung der alliierten Kooperationsfähigkeit - um den Preis der wirtschaftlichen Teilung Deutschlands Die Berliner Konferenz, die vom 17. Juli bis 2. August 1945 im Großen Saal des Schlosses Cecilienhof zu Potsdam stattfand und deswegen allgemein als "Potsdamer Konferenz" bezeichnet wird, bedeutete somit einen Wendepunkt in den Ost-West-Beziehungen [3]. Der neue amerikanische Präsident Harry S. Truman, der den im April 1945 verstorbenen Roosevelt abgelöst hatte, der sowjetische Diktator Josef Stalin und der britische Premierminister Winston Churchill, der während der Konferenz abgewählt und durch Clement Attlee ersetzt wurde, bewegten sich in Potsdam mit ihren Außenministern und anderen Mitarbeitern geradezu zwischen zwei Zeitaltern: Die UdSSR hatte durch das Vordringen ihrer Armee in Osteuropa Tatsachen geschaffen, die für lange Zeit nicht mehr revidierbar waren; Großbritannien sah sich zunehmend in die Rolle eines Juniorpartners der USA gedrängt; und die USA wichen unter Truman von der sowjetfreundlichen Politik Roosevelts so erheblich ab, daß die oft gegensätzlichen Interessen der UdSSR und der Westmächte in Potsdam weit stärker aufeinanderprallten als dies in Teheran oder Jalta jemals der Fall gewesen war.
Nichts unterstreicht diesen politischen Umbruch mehr als die während der Potsdamer Konferenz von Präsident Truman getroffene Entscheidung, Atombomben über zwei japanischen Großstädten abzuwerfen. Durch den Einsatz dieser neuartigen Waffe, die erst im Juli 1945 erfolgreich getestet worden war, hoffte Truman nicht nur, das Leben einer großen Zahl amerikanischer Soldaten zu retten, die bei einer Invasion der japanischen Hauptinseln voraussichtlich umgekommen wären, sondern er suchte damit auch die UdSSR von einer Besatzung Japans fernzuhalten, um den wachsenden sowjetischen Einfluß wenigstens im Fernen Osten zu begrenzen, nachdem er in Osteuropa bereits zu einer unumstößlichen Tatsache geworden war. Die Absicht Trumans, mit der er nach Potsdam gekommen war, die Sowjetunion für eine Beteiligung am Krieg gegen Japan zu gewinnen, wurde dadurch in ihr Gegenteil verkehrt: Die UdSSR wurde - schon in Potsdam - nicht länger als Verbündeter, sondern als Rivale begriffen [4].
Die Potsdamer Konferenz steht damit nicht nur für den Beginn des Atomzeitalters, sondern auch für den Anfang der amerikanisch-sowjetischen Bipolarität. Daneben verblassen auf den ersten Blick die zahlreichen anderen Themen, über die in Potsdam ebenfalls beraten wurde und die gleichwohl für die Entwicklung der Nachkriegsordnung von erheblicher Bedeutung waren:
- die Errichtung eines Rates der Außenminister mit einem gemeinsamen Sekretariat in London,
- die Verabschiedung von Grundsätzen zur Behandlung Deutschlands,
- die Reparationsfrage, die "Westverschiebung" Polens mit der Neufestlegung der polnischen Westgrenze entlang der Oder-Neiße-Linie sowie
- die Vorbereitung von Friedensverträgen mit Italien, Bulgarien, Finnland, Ungarn und Rumänien.
In all diesen Bereichen - ebenso wie hinsichtlich des Abzuges der alliierten Truppen aus dem Iran und der Revision der 1936 in Montreux geschlossenen Konvention über die Meerengen - wurden die Weichen allerdings nicht erst in Potsdam gestellt. Vielmehr bauten die in Potsdam geführten Verhandlungen auf den in Teheran und Jalta erzielten Ergebnissen auf, wobei vor allem die Entwicklungen seit der Konferenz von Jalta im Februar 1945 für das Verständnis der Potsdamer Konferenz unverzichtbar sind.
Siehe auch
- Konferenz von Teheran (28. November-1. Dezember 1943 in Teheran)
- Konferenz von Jalta (4. Februar-11. Februar 1945 in Jalta auf der Krim)
- Chronik der deutschen Teilung
- Kalter Krieg
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Potsdamer Konferenz
Kategorie:Deutsche Geschichte
Literatur
- Aus Politik und Zeitgeschichte - Beilage zur Wochenzeitung "Das Parlament" (28/95)
- [1] Zit. nach: Alexander Fischer (Hrsg.), Teheran, Jalta, Potsdam. Die sowjetischen Protokolle von den Kriegskonferenzen der "Großen Drei", Köln 1968, S. 22.
- [2] Siehe hierzu jetzt Valentin Falin, Zweite Front. Die Interessenkonflikte in der Anti-Hitler-Koalition, München 1995. Vgl. ferner Viktor Issraelian, Die Antihitlerkoalition. Die diplomatische Zusammenarbeit zwischen der UdSSR, den USA und England während des Zweiten Weltkrieges 1941-1945, Moskau 1975.
- [3] Die Literatur zur Potsdamer Konferenz ist nach wie vor überschaubar. Unter den Darstellungen sind vor allem zu nennen:
- Herbert Feis, Between War and Peace. The Potsdam Conference, Princeton, NJ, 1960;
- Ernst Deuerlein, Deklamation oder Ersatzfrieden? Die Konferenz von Potsdam 1945, Stuttgart u.a. 1970;
- Alfons Klafkowski, The Potsdam Agreement, Warschau 1963;
- Charles L. Mee, Meeting at Potsdam, London 1975;
- Wolfgang Benz, Potsdam 1945. Besatzungsherrschaft und Neuaufbau im Vier-Zonen-Deutschland, München 1986;
- V. N. Beleckij, Potsdam 1945. Istorija i sovremenost', Moskau 1987;
- Michael Antoni, Das Potsdamer Abkommen - Trauma oder Chance? Geltung, Inhalt und staatsrechtliche Bedeutung, Berlin 1985;
- Fritz Faust, Das Potsdamer Abkommen und seine völkerrechtliche Bedeutung, Frankfurt am Main 1969.
- Als spezielle Quellensammlungen zur Potsdamer Konferenz stehen zur Verfügung: **Ernst Deuerlein (Hrsg.), Potsdam 1945. Quellen zur Konferenz der "Großen Drei", München 1963;
- Das Potsdamer Abkommen. Dokumentensammlung, Berlin 1980; Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der UdSSR (Hrsg.), Die Potsdamer Konferenz 1945, Berlin und Köln 1986.
- Vgl. Gar Alperovitz, Atomic Diplomacy. Hiroshima and Potsdam, New York 1965, passim. Neuerdings auch Peter Auer, Von Dahlem nach Hiroshima. Die Geschichte der Atombombe, Berlin 1995, S. 243ff.
