Konfigurationsmanagement

Konfigurationsmanagement (KM) ist „…eine Managementdisziplin, die organisatorische und verhaltensmäßige Regeln auf den Produktlebenslauf einer Konfigurationseinheit von seiner Entwicklung über Herstellung und Betreuung anwendet.“ (vgl. DIN, S. 7) . Konfigurationseinheit meint in diesem Zusammenhang eine beliebige Kombination aus Hardware, Software oder Dienstleistung. KM ist somit nicht per se an einen bestimmten Anwendungskontext gebunden. Die Anwendung und Durchführung von Konfigurationsmanagement resultiert in einem Konfigurationsmanagamentprozess (KMP). Dieser bedarf der Organisation und Planung (KMO). Neben diesem konzeptionellen Teilgebiet des KM sind weitere vier Teilgebiete respektive Teilprozesse des KM zu unterscheiden. Im Einzelnen Konfigurationsidentifizierung (KI), Konfigurationsbuchführung (KB), Konfigurationsüberwachung (KÜ) und Konfigurationsaudit (KA). Die integrierte Umsetzung aller Teilgebiete ist essentiell für ein erfolgreiches Konfigurationsmanagement.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Wesentlicher Auslöser zur Etablierung bzw. Entwicklung des KM war eine stetig steigende Produktkomplexität. Als Reaktion auf daraus resultierende Probleme (z.B. wahrgenommene Unbeherrschbarkeit) wurde KM in den 1950er Jahren in der Luft- und Raumfahrtindustrie als Lösungsansatz entwickelt. Instrument der Umsetzung waren zu diesem Zeitpunkt Karten, die den Status einer Konfiguration kennzeichneten. Ähnliche Komplexitätsprobleme zeigten sich in Folge auch in anderen Produktfeldern. Entsprechend wurden die Methoden und Instrumente des KM für verschiedene Anwendungsbereiche verfeinert und spezialisiert. KM Umsetzungen sind heute Teil vieler weitreichenderer Management-Disziplinen bspw. des Produktdatenmanagements oder im Bereich der Informatik des Softwarekonfigurationsmanagement.

Ziele

Ziel des KM ist es, den Grad der Erfüllung physischer und funktionaler Anforderungen an eine Konfigurationseinheit zu dokumentieren und diesbezüglich volle Transparenz herzustellen. Die soll zu dem dazu führen, dass jeder an einer Konfigurationseinheit Interessierte die richtige und zutreffende Dokumentation verwendet.

Konzeptionelle Teilgebiete

KMO-Konfigurationsmanagementorganisation und –planung

Im Rahmen der KMO erfolgt das Treffen organisatorischer und technischer Festlegungen zu KI, KB, KÜ und KA. Dies kann sowohl projekt- als auch produktspezifisch erfolgen. Wesentliche Entscheidungen betreffen die Auswahl der einzusetzenden Werkzeuge, die Zuweisung von zu erfüllenden Aufgaben an Aufgabenträger, sowie deren Informationsrechte und –pflichten und die Festlegung von Prozessdefinitionen. Zudem fällt die Auditierung des Gesamtsystems zur Überprüfung der Einhaltung und Wirksamkeit der getroffenen Entscheidungen der KMO zu.

KI – Konfigurationsidentifizierung

KI ist die Voraussetzung für die Durchführung von KB, KA, und KÜ. Sie umfasst, die Auswahl von Konfigurationseinheiten, deren Formierung zu einer Produktstruktur, Dokumentation sowie Nummernbildung zum Zweck der eindeutigen Identifikation. Wesentliche Fragestellungen beziehen sich auf die Granularität einer Konfigurationseinheit, die Festlegung von Bezugskonfigurationen (Baseline), die Auswahl einer Nummernsystematik.

KÜ- Konfigurationsüberwachung

KÜ adressiert Probleme, die sich aus der Veränderung einer Konfiguration ergeben. Zentrale Aktivität stellt daher das Änderungsmanagement (engl. change management) dar. Ziel dessen ist es, alle Änderungen an Konfigurationseinheiten sowie deren zugeordneten Dokumenten zu identifizieren, beschreiben, klassifizieren, bewerten, genehmigen und einzuführen. Die mit entsprechenden Kompetenzen und Befugnissen ausgestattete Instanz wird als Konfigurationsausschuss (engl. Change Control Board (CCB)) bezeichnet. Sinnvolle Konfigurationsüberwachung setzt einen festgeschriebenen, formalen Prozess für die Behandlung von Änderungen voraus. Übliche Prozessschritte sind die Beantragung, Bewertung, Entscheidung, Beauftragung, Review der umgesetzten Änderungen und Freigabe. Alle Schritte werden möglichst standardisiert dokumentiert. In diesem Zusammenhang relevante Dokumente sind Änderungsantrag, Sitzungsprotokoll des CCB und Änderungsauftrag. Referenzobjekt für das Änderungsmanagement ist eine Bezugskonfiguration. Zu einem bestimmten Zeitpunkt stellt diese zusammen mit allen bis dahin freigegebenen Änderungen die gültige Konfiguration dar

KB – Konfigurationsbuchführung

Der Prozess der Konfigurationsbuchführung hat die rückverfolgbare Dokumentation der Konfigurationen und Konfigurationseinheiten zum Ziel. Sie sollte von daher bereits mit der ersten Erstellung von Konfigurationsdaten einsetzen. Gegenstand der KB sind alle Daten zur Konfigurationsidentifizierung und -überwachung.

KA – Konfigurationsaudit

Ein Konfigurationsaudit ist die formale Überprüfung von Konfigurationen hinsichtlich der Erfüllung von vertraglich zugesicherten funktionellen und physischen Merkmale sowie der Übereinstimmung von realisiertem Produkt und zugehöriger Konfigurationsdokumentation. Es werden in diesem Sinne funktionale und physische Konfigurationsaudits unterschieden. Konfigurationsaudits können sowohl für ganze Konfigurationen als auch einzelne Konfigurationseinheiten durchgeführt werden. Insbesondere vor der Festlegung von Bezugskonfigurationen sollte ein Konfigurationsaudit angestrengt werden.

Literatur

See also: Konfigurationsmanagement, 1950er, Audit, DIN, Dienstleistung, Hardware, Identifikation, Konfiguration, Management, Prozess