Konrad Klapheck

Konrad Klapheck (*10. Februar 1935 in Düsseldorf) ist ein deutscher Grafiker, Maler, Künstler und (emeritierter) Kunstprofessor an der Kunstakademie Düsseldorf. Er ist ein Schüler von Bruno Goller.

Sein Malstil vereinigt Merkmale des Neo-Realismus, Surrealismus und Pop-Art zu einem eigenen Stil, an dem er ein Leben lang festhielt. Er malt seit den 1950er Jahren präzise, gegenständlich, oft großformatig und scheinbar realistisch technische Geräte, Maschinen, Apparate und Alltagsgegenstände, doch seltsam verfremdet und neu komponiert, so dass sie zu Dämonen, Ikonen oder Monumenten werden. Darunter sind Schreib- und Nähmaschinen, Planierraupen, Baumaschinen, Bügeleisen, Reifen, Wasserhähne, Telefone, Werkzeuge und Maschinenenteile, Feuerlöschkästen, Gamaschenstiefel, Telefone, Sirenen, Duschen, Fahrräder, Motorräder.

Wesentlich sind auch die Titel der Gemälde wie zum Beispiel: "Die charmante Chaotin", "Die schwierige Gattin", "Die Supermutter", "Die Sexbombe und ihr Begleiter", "Die Gewalt der Dinge", "Im Zeitalter der Gewalt", "Das Orakel", die oftmals die gemalten Gegenstände zu Darstellern und surrealistischen Personen machen.

Konrad Klapheck gilt heute als Klassiker der Nachkriegs-Avantgarde.

Seit etwa 2002 zeichnet er Freunde und Prominente aus der Kunstakademie und aus der internationalen Kunstszene: männlich und weiblich, schwarz auf weiß, ganzfigurig und mit ungewöhnlichen Attributen ausgestattet.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Konrad Peter Cornelius Klapheck wurde am 10.2.1935 als Einzelkind des Professors für Kunstgeschichte Richard Klapheck in Düsseldorf geboren. Sein Vater, der 4 Jahre nach Konrads Geburt verstarb, arbeitete bis 1934 an der Kunstakademie Düsseldorf, wo Konrads Mutter Anna (geb. Strümpell) nach dem Ende des 2. Weltkriegs 1945 ebenfalls einen Lehrstuhl innehatte . Nachdem Anna mit Konrad jedoch zuvor wegen des Krieges zu den Großeltern nach Leipzig floh, musste er mit ansehen, wie die Villa der Großeltern durch Bombenangriffe zerstört wurde und in Flammen aufging. Verwunderlich war, dass dieser Moment sich nicht als schrecklich in seinem Gedächtnis festsetzte, sondern eher als schön anzusehendes Schauspiel der Flammen, die den Himmel rot schimmern liessen .

Nach Kriegsende zogen Anna und Konrad 1945 zurück nach Düsseldorf. Dort besuchte er das Humboldt-Gymnasium. Im Alter von 11 Jahren begann Konrad sich intensiver für Kunst zu interessieren. Dieses Interesse wirkte sich auf den Bereich der Malerei, der Lyrik und auf den der Musik aus . 1954 legte er nach der regulären Schulzeit sein Reifezeugnis ab und schrieb sich in die Kunstakademie Düsseldorf ein, wo er von Bruno Goller unterrichtet wurde . Sein erstes Schreibmaschinenbild (1955) erntete Zuspruch von Goller und er ermutigte Klapheck die Objektmalerei weiter zu verfolgen. Das tat er auch bis zur Mitte der 80er.

1958 beendete er sein Studium und feierte seinen ersten größeren Erfolg mit der Malerei. Er verkaufte 6 Gemälde an den New Yorker Georges Staempfli, der diese ein Jahr später in seiner Heimat neben Werken von Yves Klein, Jesús Raphael Soto und Lucio Fontana ausstellte. Seine erste Ausstellung hatte er jedoch bereits 1959 in der Galerie Schmela in seiner Heimatstadt Düsseldorf . 1960 heiratete Klapheck Lilo Lang, welche er bereits seit seinem 16. Lebensjahr kannte und sie zogen zusammen. Im selben Jahr besuchte er seinen Freund Richard Oelze und erwarb eines seiner Werke, welches den Grundstein für eine kleine Sammlung des Künstlers legte. 1962 machte Klapheck Bekanntschaft mit dem belgischen Maler René Magritte auf einer von Magrittes Ausstellungen. Bei einem weiteren Treffen der beiden präsentierte Klapheck Magritte eine Auswahl seiner Werke. Magritte kritisierte die Hintergründe der mitgebrachten Werke. Es sind Steinchenhintergründe, welche Magritte zu ‚malerisch’ wirkten und daher nicht zu den gezeichneten Objekten passen, woraufhin solche auch nicht mehr in Klaphecks Bildern wieder zu finden sind .

Im selben Jahr schlüpfte Klapheck das erste Mal in die Vaterrolle, als seine Tochter Elisa geboren wurde. Drei Jahre später bekam das Ehepaar Klapheck dann das zweite Kind, David. 1965 bekam Klapheck die Ehre einer Einzelausstellung in Paris, der Stadt, in der 1956 sein Aufnahmeantrag in die École des Beaux-Arts abgelehnt wurde .

Die Aktualität seiner Werke wurde 1970 durch die neue Stilrichtung des bestätigt.

1979 sank das Interesse an Klaphecks Malerei durch neue Stilrichtungen, die seinen Werken nicht ähnelt. Danach bekleidet er eine Professur an der Kunstakademie Düsseldorf und leitet dort Kurse für freie Malerei . Diese Aufgabe erfüllt er bis heute und ist zurzeit neben Markus Lüpertz und Jörg Immendorff Leiter der Akademie.

Von 1992 bis 2002 portraitierte „(…) er Kollegen, Freunde und Prominente aus der internationalen Kunstszene.“ . Die gesammelten Werke erschienen daraufhin in Buchform.

2003 konnte Klapheck ein kleines Revival seiner frühen Werke feiern. Neben anderen Bildern von 29 Künstlern der ‚Gruppe 53’, wurde in Ratingen ein Teil seiner frühen Werke ausgestellt .

Eigenschaften seiner Werke

Die Bilder von Klapheck, die von 1955 bis zum Mitte der 80er entstehen, stellen zum grössten Teil Schreibmaschinen, Wasserhähne, Telefone, Schuhspanner, Nähmaschinen, Duschköpfe und Fahrradklingeln dar . Diese Gegenstände, bzw. ihre Familien, tauchen in der genannten Zeit auch immer wieder in seinen Gemälden auf. Zu der Familie der Wasserhähne und Duschen gehören z.B. der „Der Schlauch“, „Der Hydrant“ und der „Feuerlöscher“ . Jedoch bedeutet das nicht zugleich, dass die gleichen Maschinen sich auch stark ähneln. Ganz im Gegenteil, Klapheck schafft es immer wieder aufs Neue ihnen ein einzigartiges Aussehen zu verleihen.

Ein Mittel dazu ist die perspektivische Verzerrung. Nach dem Malen seiner ersten Schreibmaschine, die er noch originalgetreu abmalt, setzt er immer wieder auf die Perspektive. Indem er die Maschinen mal in die Höhe ausdehnt, oder einfach nur einzelne Aspekte der Maschinen perspektivisch verzieht, verleiht er ihnen immer wieder einen individuellen Charakter. Dadurch werden sie entweder stärker hervorgehoben oder in den Hintergrund gerückt. Oft stellt er sie auch vereinfacht dar, indem er einige Details weglässt . Somit gibt es zu nur einem Gegenstand zahlreiche Assoziationsmöglichkeiten, wie etwa bei der von Klapheck so beliebten, Schreibmaschine. Sie schlüpft in verschiedene Rollen, wie in die des „Supermann“ oder auch in „Die Ahnen“ .

Eine weitere Eigenschaft, der meisten Gemälde Klaphecks, sind die Maschinen, die eigentlich keine Funktion haben, da Tasten, Hebel oder Schläuche die bei einem prüfenden Blick scheinbar ins Leere führen . Allerdings ist das kein Fehler in Klaphecks Denkweise oder Betrachtung, sondern wird bewusst von ihm eingesetzt, da er Bilder erfinden und nicht irgendwelche Konstrukte entwerfen möchte. Auffallend ist auch, dass die Schreibmaschinen in seinen Werken immer in eine klassisch männliche Rolle schlüpft , ebenso wie Nähmaschinen immer in einer klassisch weiblichen Rolle wieder zu finden sind .Durch die Fülle an Schreibmaschinen kann man zu der These kommen, dass Klapheck hiermit versucht den frühen Verlust seines Vaters zu kompensieren. Da Klapheck auch eine fast so grosse Anzahl an Nähmaschinen malt, kann man auch hier seine Schlüsse ziehen. Wahrscheinlich kommt dies durch die starke Beziehung zur Mutter, welche ebenso wie Konrad eine Vorliebe für vollendete Arbeit hat . „Mit Hilfe der Maschine konnte ich Dinge aus mir herausziehen, die mir bis dahin unbekannt waren, sie zwang mich zur Preisgabe meiner geheimsten Wünsche und Gedanken.“ . Dieses Zitat bekräftigt die Vermutungen, da Klaphecks Schreibmaschinen oft Titel bzw. Eigenschaften vorweisen, welche auch von einem Vater verlangt werden . Diese Maschinen sind daraus folgend wahrscheinlich Gedanken über eine Figur, die die Rolle des Vaters darstellt. Durch die wichtige Beziehung zu seiner Mutter kann man dann auch die vielen Nähmaschinen in Klaphecks Bildern erklären.

Eine malerische Affinität zwischen einzelnen Teilen oder gar kompletten Gegenständen ist bei Klapheck teilweise auch gegeben. So ähnelt z.B. die Garnrolle der Taste der Schreibmaschine sehr stark und man könnte sie problemlos unter den einzelnen Gemälden austauschen, ohne dass es auf irgendeine Weise unpassend wirken würde. Durch ihre Durchlöcherung sind Duschkopf, Telefonhörer, Bügeleisen sowie Schuhspanner ebenfalls miteinander verwandt. Hier ist es zwar nicht so, dass man Teile untereinander austauschen könnte, jedoch sind Verbindungen offensichtlich . Noch ein Beispiel für Verbindungen sind die monumentalen Reifen (z.B. aus „Die Macht des Vergessens“), die Säge (z.B. aus „Die Scheidung“) und die aufgeschraubte Fahrradklingel (z.B. aus „Meine sechzehn Ängste“). Hier gleicht die Form des Reifens der dem Gehäuse der Fahrradklingel und der ihres Zahnrades im Inneren. Die Verbindung zur Säge wird ebenfalls über das Zahnrad der Klingel hergestellt . Hier gleichen sich die einzelnen Zähne den Zacken der Säge. So oder so ähnlich liessen sich noch weitere Verbindungen schaffen, wobei eigentlich jeder von Klapheck gemalte Gegenstand in einer solchen Kette von Verbindungen vorkäme.

Bei der Art und Weise, wie oder eher wo Klapheck seine Maschinen präsentiert, ist auch eine Verbindung zu erkennen. Fast immer sind es leere Räume, welche an ein Fotostudio erinnern, in denen sie dargestellt werden. Dadurch, dass immer nur ein Gegenstand bzw. der gleiche Gegenstand wiederholt vorkommt, wird die Wirkung der Maschinen auf den Betrachter nochmals verstärkt. Oft ist es auch so, dass man durch diese leeren Räume und die Gestaltung der Maschinen nicht klar sagen kann, wie die Grössenverhältnisse zur wirklichen Welt wären. Beispiele hierfür sind „Der Gesetzgeber“ und „Der Potentat“ . Was man allerdings mit Sicherheit sagen kann ist, dass sie nicht gerade klein wären.

Sein erstes Schreibmaschinenbild

Sein erstes Schreibmaschinengemälde fertigt der Künstler 1955 innerhalb von 3 Wochen an und gibt ihm den beschreibenden Titel „Schreibmaschine“ . Anlass hierfür ist die Aufgabenstellung von Bruno Goller, ein Stillleben zu malen , nachdem Konrad neu in die Malklasse des Professors kommt. Die Entscheidung eine Schreibmaschine anstatt etwas klassischem, wie einer Flasche, zu malen, triff er, als er eine Schreibmaschine bei einem Freund sieht. Die glänzenden Tasten erinnern ihn an die Glanzlichter der Tasten des Klaviers in dem Gemälde „Sechs Erscheinungen Lenins auf einem Flügel“ von Dalí . Daraufhin geht Konrad zu einem Schreibmaschinengeschäft und leiht sich dort eine alte Continental-Schreibmaschine aus.

Im Gegensatz zu vorherigen und folgenden Werken ist dies das einzige Gemälde Klaphecks, bei dem er versucht, alles so genau wie nur möglich abzumalen. Neben der Aufgabe von Goller, und angeregt durch Dalí’s „Der Brotkorb“, der durch seine Genauigkeit schon an ein Foto erinnert, kommt noch der Wille sich von der Abstraktion, die zu dieser Zeit in Deutschland beliebt war, abzuwenden . Auf den zweiten Blick fällt dem prüfenden Betrachter seiner Schreibmaschine jedoch auf, dass sie so wie sie gemalt ist, nicht funktionieren kann. Grund dafür ist die Walze, welche Klapheck wegliess . Die ‚Schreibmaschine’ sollte jedoch nicht die einzige Maschine sein, die der Künstler ohne Funktion malt. Zahlreiche, später produzierte Bilder werden durch Weglassen eines für die Funktion notwendigen Teils oder durch Hinzufügen von Teilen unbrauchbar .

Nach eigener Aussage hat Klapheck bei der Anfertigung des Gemäldes ein unbekanntes Glücksgefühl, das ihn dazu antreibt weitere Bilder dieser Art zu schaffen .

Ausstellungen

Weblinks

Die folgenden Weblinks zeigen beispielhaft einige seiner Werke.

Literatur

Personendaten
Klapheck, Konrad Peter Cornelius
deutscher Maler, Künstler und Kunstprofessor
10. Februar 1935
Düsseldorf

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See also: Konrad Klapheck, 10. Februar, 1935, Bruno Goller, Düsseldorf, Kunstakademie Düsseldorf, Pop-Art, Realismus (Kunst), Surrealismus