Kontingenz (Philosophie)

Als spätantike Latinisierung – 'contingere': dt. zusammenfallen, sich berühren und anrühren (transitiv), wie auch zuteil werden, sich ereignen und glücken (intransitiv) – des griechischen „endechómenon“ geht der Begriff der Kontingenz auf Aristoteles zurück und wurde im 4. Jahrhundert zum ersten Mal von Marius Victorinius ins lateinische ‚contingere‘ übersetzt.

Unter Kontingenz wird in der Scholastik nicht dasselbe wie Zufall verstanden. Selbst die physisch (auf Grund der Naturgesetze) notwendigen Vorgänge sind danach noch nicht wesensnotwendig, sondern bleiben metaphysisch kontingent. Der Nachweis der Kontingenz der Welt ist der entscheidende Schritt in jedem "kausalen" Gottesbeweis. E contingentia mundi ist der Gottesbeweis, welcher aus der Zufälligkeit der Welt auf die Existenz eines absolut notwendigen Wesens eines Schöpfers hinweist (so bei Aristoteles, Cicero, Leibniz, Christian Wolff). Eine Bestimmung des Kontingenzbegriffs in der scholastischen Philosophie ist schwierig, weil neben der genannten Bedeutungen der Kontingenz auch noch andere beigelegt werden.

Im 17. Jahrhundert bezeichnet nach Francisco Suarez Kontingenz

Bei Spinoza gibt es letztlich keine Kontingenz. Kontingenzaussagen basieren auf der Unkenntnis des Menschen über die Ursachen. Für Leibniz ist Kontingenz das, dessen Gegenteil keinen Widerspruch in sich birgt. Mit Immanuel Kant wird Kontingenz mit Zufall gleichgesetzt und als Gegensatz zur Notwendigkeit gesehen.

In der aristotelischen Logik bezeichnete Kontingenz das Mögliche, eine der Modalitäten des Urteils. Im weiteren Sinne bezeichnet dabei die Kontingenz die der Notwenigkeit kontradiktorisch entgegengesetzte Modalität, d.h. die Möglichkeit der Nichtexistenz eines Sachverhalts:

In der modernen Logik, besonders in der Modallogik, ist der Kontingenzbegriff Gegenstand vieler Untersuchungen. Der Begriff besitzt im Neuthomismus eine bedeutsame Rolle und hat auch in Systemkonzeptionen (etwa bei Niklas Luhmann, siehe Kontingenz (Soziologie)) und bei Philosophen wie Nicolai Hartmann und Carl Friedrich von Weizsäcker eine besondere Bedeutung.

See also: Kontingenz (Philosophie), 17. Jahrhundert, Aristoteles, Baruch Spinoza, Carl Friedrich von Weizsäcker, Christian Wolff, Cicero, Francisco Suarez, Gottesbeweis, Immanuel Kant