Kontinuierlicher Verbesserungsprozess

Als Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) wird der aus dem japanischen Management-Prinzip des Kaizen entwickelte Versuch bezeichnet, positive Veränderungen im Unternehmen nicht in großen Sprüngen, sondern durch viele kleine Verbesserungen herbeizuführen. Im Vordergrund steht die Verbesserung der Produkt- und Prozessqualität. Besonderes Gewicht kommt dabei den Mitarbeitern zu, die ermutigt werden sollen, Verbesserungsvorschläge einzureichen. Es stehen aber nicht mitarbeiterbezogene Einzelvorschläge im Vordergrund, der Fokus liegt auf der Erarbeitung von gruppen-/ teambezogenen Vorschlägen. Hierbei erkennt man auch eindeutig den Zusammenhang zwischen KVP und Gruppenarbeit/ Teamarbeit. KVP wird hierbei als standardisierte Vorgehensweise implementiert. Betraf früher die Implementierung nur direkte Bereiche (Fertigungs-/ Montagebereiche) eines Unternehmens, so wird KVP mittlerweile auch in indirekten Bereichen (Vertrieb/ Auftragsabwicklung; Einkauf/ Beschaffung; Entwicklung/ Konstruktion etc.) implementiert (ganzheitlicher KVP-Ansatz entlang aller Unternehmensprozesse).


Der standardisierte KVP-Ablauf:

  1. Abgrenzung des Untersuchungsbereichs
  2. Prozessdarstellung, falls erforderlich
  3. qualitative Problemsammlung und -strukturierung
  4. Messung, wie häufig kommt das Problem pro Zeiteinheit (Tag; Woche; Monat; Jahr) oder Objekteinheit (Angebote; Aufträge; Los etc.) vor
  5. Wieviel Zeit verschlingt das Problem (Minuten; Stunden)
  6. Gesamtergebnisbildung durch Quantifizierung der bewerteten Probleme (auf ein Jahr bezogen)
  7. Brainstorming im Rahmen der Lösungserarbeitung und Strukturierung der gesammelten Lösungen
  8. Erarbeitung eines Lösungskonzeptes aus den strukturierten Lösungsvorschlägen
  9. Abgleich, welche gesammelten Probleme sind nun durch die erarbeiteten Lösungen behoben - was bleibt übrig?
  10. Definition von Umsetzungsmaßnahmen für die Lösungen (Termin; Verantwortliche; Ansprechpartner)
  11. Bewertung des Gesamtergebnisses (beseitigte Probleme und damit verbundener "Zeitverbrauch")
  12. Visualisierung der gesamten Abarbeitung (Schritte 1 bis 11)
  13. Präsentation
  14. Zyklische Reviewdurchführung im Rahmen von Teamsitzungen zur Überprüfung der Maßnahmenabarbeitung.

(vergl. Handlungsschritte im Arbeitsschutz)

Inhaltsverzeichnis

KVP aus organisationstheoretischer Sicht

Die ständige Verbesserung der Gesamtleistung der Organisation stellt ein permanentes Ziel der Organisation dar. Das ist eine Willenserklärung der Norm, welche mit der Praxis im Widerspruch steht. Stabile Organisationen wandeln sich nur, wenn die Stabilität zwischen den Teilorganisationen nicht mehr gewährleistet ist. Instabile Organisationen haben jedoch nur eine eingeschränkte Möglichkeit sich zu erneuern. Organisationen sind immer bestrebt, stabil zu werden oder zu bleiben. Die Forderung der ständigen Verbesserung steht im Widerspruch zu dem Grundinteresse einer Organisation der Stabilität. Trotzdem ist es für eine Organisation unerlässlich, sich eine beschränkte Instabilität zu geben, um sich den veränderten Märkten anzupassen. Insofern gibt es in jeder Organisation einen Interessenkonflikt zwischen beharren und verändern. Das Arbeitsfeld von Qualitätsmanagement ist geprägt von diesem Interessenkonflikt.

Im Allgemeinen lässt sich mit Sicherheit sagen, eine Organisation wandelt sich nur, wenn es dafür einen Anlass gibt. Das Risiko einer eventuellen Instabilität ist zu groß. Da es sich um ein weitgehend sich selbst steuerndes System handelt, muss dieser Anlass von der Organisation auch erkannt werden. Hat die Organisation ihre Lern- und Realitätsfähigkeit eingebüßt und kann sie diese nicht wieder herstellen, so löst sie sich früher oder später auf. So sind für die anorganische Natur die Siede- und Gefrierpunkte der Flüssigkeiten ein gutes Beispiel dafür, wie infolge Zufuhr oder Entzug von Bewegungsenergie in Form von Wärme die Flüssigkeit schließlich einen qualitativ anderen Aggregatzustand – den gasförmigen oder festen – übergeht.

KVP aus praktischer Sicht

Es ist nicht so einfach eine Unternehmensphilosophie, ein Verbesserungswerkzeug, ein Kosteneinsparprogramm, ein betriebliches Mitbestimmungsmittel, ein Controllinginstrument, ein Motivationsprogramm in einem Satz zu beschreiben. Doch hier ein Versuch:

Der Kontinuierliche Verbesserungsprozess ist eine Methode, die unter Berücksichtigung aller Mitarbeiter Kosten spart, eine Umgebung schafft, in der die Motivation jedes Einzelnen gefördert wird, bei der Prozesse und Abläufe optimiert werden und das Ganze unter Berücksichtigung wirtschaftlicher und sozialer Gegebenheiten.

Anders: KVP ist eine Methode zur Beseitigung von Verschwendung durch die Optimierung von Arbeitsabläufen und Prozessen in allen Unternehmensbereichen. Die KVP-Philosophie ist zentral, da es ihr um die Nutzung des Ideenpotenzials und die Intelligenz aller Mitarbeiter geht.

Literatur

zum Buch: Das Buch beschreibt sehr komprimiert und gut lesbar in 120 Seiten das Konzept, Vorteile, Nachteile.

Siehe auch: Qualitätsmanagement - Geschäftsprozessoptimierung

Weblinks

See also: Kontinuierlicher Verbesserungsprozess, Arbeitsschutz, Fachkraft für Arbeitssicherheit, Geschäftsprozessoptimierung, Kaizen, Management, Mitarbeiter, Organisation, Qualitätsmanagement