Kontinuität
Die Kontinuität (gleichbedeutend : lat. continuitas) bezeichnet einen lückenlosen Zusammenhang, eine Stetigkeit, einen fließenden Übergang, einen durch keine Grenze unterbrochenen Zusammenhang; einen ununterbrochenen, gleichmäßigen Fortgang. Sie zeichnet Abläufe und Prozesse aus, die stetig laufen und sich dabei gleichmäßig in eine Richtung verändern können. Abrupte, sprunghafte Veränderungen sind nicht zu erwarten, solange die Einflussfaktoren konstant bleiben. Daraus ergibt sich eine erhöhte Vorhersagbarkeit und damit Sicherheit gegenüber dem Ablauf.
In der Mathematik bedeutet "kontinuierlich" dasselbe wie "stetig". Außerhalb des fachsprachlichen Gebrauchs ist "kontinuierlich" gleichbedeutend mit "fortlaufend".
In der Betriebswirtschaftslehre bedeutet "betriebliche Kontinuität" die Fortführung der Geschäftstätigkeit unter Krisenbedingungen oder zumindest unvorhergesehen erschwerten Bedingungen. Das betriebliche Kontinuitätsmanagement bezeichnet Konzepte, Planungen und Maßnahmen, die zur Absicherung der Geschäftstätigkeit gegenüber Risiken und Krisen beitragen sollen.
Das Gegenteil der Kontinuität ist die Diskontinuität.
Begriffsgeschichte
Die Eleaten waren Anhänger einer ausschließlichen Kontinuität. Die Einheitlichkeit des Seins im Sinne des Parmenides von Elea und die daraus resultierenden Paradoxien (Antinomien des Zenon von Elea) setzten die Kontinuität als fundamentalstes theoretisches Konzept voraus. Auch Aristoteles vertrat die Konzeption der Kontinuität.
G.W. Leibniz übernimmt das Kontinuitätsprinzip von Aristoteles (siehe natura non facit saltus) und fomulierte das Gesetz der Kontinuität (lex continui). Bei Immanuel Kant kommt in der 2. Antinomie der reinen Vernunft zunächst die Widersprüchlichkeit und Gleichberechtigung für die These der Kontinuität und ihrer Antithese von der Diskontinuität zum Ausdruck. Er weiß beide zu begründen, tendiert aber schließlich dazu, die für die Zusammensetzung der Substanz formulierte Antinomie nach der Kontituität aufzulösen. Kontinuierliche größen sind bei Kant Raum und Zeit, was somit alle Erscheinungen einschließt. G.W.F. Hegel kritisierte Kant in dieser Frage. Er betonte, daß beide Bestimmungen nur in ihrer Einheit wahr sind. Während Hegel aber Kontinuität als wesentliche Charakteristik von Raum und Zeit ansah, ist für ihn die Diskontinuität nur die abstrakte Negation der Kontinuität. Hegel betrachtet die Quantität als "ununterbrochene Kontinuität"; da sie aber aber auch das Eins enthalte, sei ihr auch das Moment des Diskretion zuzurechnen.
Aus Sicht der materialistischen Dialektik ist die Kontinuität ein wesentliches Merkmal der Existenz, Bewegung und Entwicklung der Materie. Sie findet ihren Ausdruck in dem durchgängigen universellen Zusammenhang aller Materie- und Bewegungsformen, aber auch in dem wechselseitigen Zusammenhang und der gegenseitigen Bedingtheit der Elemente oder Zustände eines einzelnen Objekts oder Prozesses.
Siehe auch: Kontinuität und Diskontinuität, Kontinuum
