Kontrafagott
| Kontrafagott | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| engl.: contrabassoon, ital.: contrafagotto | ||||||
| 150px| | ||||||
|
Der/Die/Das Kontrafagott ist ein Musikinstrument mit Doppelrohrblatt, der tiefste Vetrtreter der Holzblasinstrumente im Orchester. Der Name kommt von der Kontra-Oktave, deren profunde Töne es erzeugen kann, baulich ist es im Prinzip ein um das doppelte verlängertes Fagott (im englischen gibt es auch die Bezeichnung double bassoon). Im Orchester wird es als Nebeninstrument von Fagottisten gespielt, die das Instrument gern abgekürzt „Kontra“ bezeichnen.
| Inhaltsverzeichnis |
Aufbau und Funktion
Die Tonerzeugung und der grundsätzliche Aufbau des Kontrafagotts sind identisch mit dem Fagott, auch die grundsätzlichen Griffe sind weitgehend identisch, klingen aber eine Oktave tiefer als dort.
Die Röhre ist drei bis vier mal geknickt und die schwingende Luftsäule 5,93 m lang. Anders als sein kleiner Bruder kann das Kontrafagott, abgesehen von S-Bogen und Doppelrohrblatt, nicht in mehrere Teile zerlegt werden, da die Mechanik (der Klappen) sich aufgrund der enormen Größe des Instruments auf den ganzen Korpus erstreckt.
Frühe Kontrafagotte hatten als tiefsten Ton das Kontra-C, heute gehen die meisten Instrumente bis zum Subkontra-B oder A, seltener zum As. In dieser tiefen Lage bedeutet ein Halbton allerdings eine Verlängerung der Luftsäule um bis zu 40cm, oft gibt es daher austauschbare Schallstücke, die man je nach benötigtem tiefsten Ton einsetzen kann, um keinen unnötigen Ballast am Instrument zu haben. In der Höhe ist ungefähr beim klingenden c’ (notiertem c’’) das Ende der Fahnenstange erreicht, die meisten Komponisten gehen aber nicht über das a hinaus, da der Klang im obersten Register nur dünn und gequält ist.
Geschichte
In seinem Syntagma musicum beschreibt Michael Praetorius erste Versuche, der damals großen Gruppe von Fagotten in verschiedenen Stimungen ein Fagotcontra hinzuzufügen, das nach unten oktaviert. Diese ersten Versuche waren allerdings gleich geformt wie Fagotte, also in der Röhre nur einmal geknickt und dementsprechend unhandlich zu spielen. (Eine Abbildung findet sich bei den Weblinks)
Parallel mit der Reform des Fagott-Klappensystems wurde auch die Mechanik des Kontrafagotts neu durchdacht und die Röhre mehrfach geknickt.
Verwendung in der Musik
Solistisch
Die Verwendung des Kontrafagotts als Soloinstrument ist vor allem aufgrund der extrem tiefen Lage nur bedingt möglich, ein Werk aus der Feder eines bekannteren Komponisten existiert aber doch: Die Baß-Nachtigall von Erwin Schulhoff, in der sogar eine zweistimmige Fuge (mit rhythmisch versetzten Einsätzen) vorkommt. Konzerte für Kontrafagott und Orchester haben u.a. Gunther Schuller und Donald Erb komponiert.
Kammermusik
In der Kammemusik wirkt das Kontrafagott hauptsächlich als Bass für große Bläserbesetzungen mit, wie in Mozarts Gran Partita oder Antonín Dvořáks Bläserserenade Op. 44. Hier wird es manchmal von einem Kontrabass ersetzt.
Orchester
Im Barockorchester wurde das Kontrafagott selten, und wenn, dann zur reinen Verstärkung des Kontrabasses eingesetzt. Belegt ist der Einsatz bei einer monumentalen Aufführung des Händelschen Messias und bei Bachs Johannespassion. Aber schon in Haydns Schöpfung ist das Instrument an zwei lautmalerischen Stellen gut hörbar: Beim „Brüllen des Tigers“ und bei der Textstelle: „Den Boden drückt der Tiere Last“. Ab da, also gegen Ende des 18. Jahrhunderts, wird das Kontrafagott häufiger im Orchester verwendet und zeitweise auch für solistische Aufgaben eingesetzt.
Bemerkenswert ist, dass Rimski-Korsakow in seiner Instrumentationslehre behauptet, das Kontrafagott sei (ebenso wie die Piccoloflöte) generell nicht zu ausdrucksvollem Klang fähig. Vielleicht aus diesem Grund haben die meisten Komponisten das Instrument solistisch für fahle, gespenstische Effekte eingesetzt: In Verdis Don Carlos begleitet es den Großinquisitor, Richard Strauss lässt seine Salome nach dem Fluch des Jochanaan mit einem Kontra-Solo allein, Maurice Ravel verwendet es in seinem Zyklus Ma mêre l'oye im Märchen von der Schönen (Klarinette) und dem Biest (Kontrafagott).
Literatur
- Joppig, Gunther: Oboe und Fagott. Ihre Geschichte, ihre Nebeninstrumente und ihre Musik, 1981. ISBN 3795723450
CD-Empfehlungen
- Kontrafagott-Diskographie (en)
- Siehe auch: CD-Empfehlungen bei Die Schöpfung, Gran Partita, Don Carlos (Verdi), Salome (Oper)
Weblinks
- http://www.reto-hoehener.ch/fagott/index.html#contra Bilder eines zeitgenössischen und barocken Kontrafagotts
Kategorie:Holzblasinstrument
