Kornische Sprache

Die kornische Sprache (auch: Kernewek, Kernowek oder Kernuak) ist eine dem Walisischen und Bretonischen nahe verwandte keltische Sprache, die vor allem in Cornwall gesprochen wird.

Die letzte bekannte Muttersprachlerin, Dolly Pentreath aus Mousehole, starb im Jahre 1777. Sie wurde lange Zeit als „die letzte Sprecherin“ gehandelt, weil sie im Reisebericht eines englischen Antiquars aufgetaucht war. Dieser hatte Sprecher des Kornischen gesucht, war an sie verwiesen worden, und auf die Frage, ob sie ihre Muttersprache noch beherrsche, überschüttete sie ihn mit kornischen Schimpfworten.

1891 starb John Davey, dessen Verwandte von ihm behaupteten, er sei die letzte Person gewesen, die Kornisch flüssig beherrschte. Das dürfte allerdings nicht den Tatsachen entsprochen haben, allerdings verdanken wir Davey die Überlieferung einiger verballhornter Fragmente des Spätkornischen. Einzelne Sprachelemente hatten sich jedoch in einigen Regionen und Berufszweigen noch deutlich länger im Sprachgebrauch erhalten, etwa der Brauch, gefangene Fische auf Kornisch zu zählen.

Das heutige „Neokornisch“ ist der Versuch einer Rekonstruktion der ausgestorbenen Sprache mit Hilfe der verwandten Sprachen Kymrisch und Bretonisch. Es handelt sich bei dieser Sprache nicht wie beim Ivrith um die Wiederbelebung einer reich dokumentierten Sprache, die nie gänzlich außer Verkehr kam, sondern um eine von Sprachwissenschaftlern sehr kritisch betrachtete Sprachform, die nicht in einer unmittelbaren Kontinuität zum ausgestorbenen eigentlichen Kornischen steht. Eine Sprachbewegung bemüht sich derzeit um die Wiederbelebung, konnte sich aber noch nicht auf eine einheitliche Orthographie einigen. Etwa 250 Menschen sprechen die Sprache regelmäßig, weitere 2000 bis 3000 können sie leidlich sprechen. Die Anzahl der Familien, in denen Kinder mit kornischer Muttersprache aufwachsen, liegt unter 20. Ein weiteres Problem der Sprachbewegung besteht in ihrer Zersplitterung: eine von der britischen Regierung in Auftrag gegebene Studie (SGRÙD-Report) kam 2000 auf etwa 250 flüssige Sprecher, die sich auf drei verfeindete Gruppen aufteilten, die jede ihre eigene Variante des Neokornischen verwendete. Derzeit sind folgende Varianten (und Orthographien) in Gebrauch:

Abgesehen von zweisprachigen Orts- und Straßenschildern gibt es derzeit kaum Bemühungen zur Verbreitung dieser Sprache von offizieller Seite. Allerdings ist das Kornische mittlerweile von der britischen Regierung als Minderheitensprache anerkannt worden. Kornisch darf auf freiwilliger Basis an Schulen unterrichtet werden, vorausgesetzt, dass sich ein entsprechender Lehrer findet. Außerdem können offizielle Prüfungen in dieser Sprache verfasst werden.

In den Medien ist Kornisch lediglich durch ein fünfminütiges wöchentliches Radioprogramm vertreten. ([1])

Inhaltsverzeichnis

Sprachstufen des Kornischen

Um ca. 600 wurden die Sprachgebiete des Kornischen und des Walisischen durch den angelsächsischen Vormarsch nach Westen räumlich getrennt. Die erste Entwicklungsstufe in der Geschichte des Kornischen als eigener Sprache, die bis ca. 900 angesetzt wird, bezeichnet man als Frühkornisch.

Das Kornische bildet gemeinsam mit dem Bretonischen die südwestbritannische Gruppe der inselkeltischen Sprachen. Mit dem Bretonischen hat es vor allem den Vokal /ö/ gemeinsam, der sich aus britannischem langem /a:/ entwickelt hat. Vom Bretonischen unterscheidet es sich wiederum zunächst vor allem durch die Entwicklung von auslautendem /t/ > /s/ und /d/ > /z/. Beispiel: bret. tad (dt. „Vater“) vs. korn. tas

Als Altkornisch wird die Periode von 900 bis 1200 bezeichnet. Sie ist vor allem durch Glossen sowie das Vocabularium Cornicum belegt, ein lateinisch-altkornisches Wörterbuch.

Die mittelkornische Periode wird von 1200 bis ca. 1600 angesetzt. In dieser Zeit begann zwar schon der schnelle Rückzug der kornischen Sprachgrenze nach Westen, es handelt sich aber um die literarisch produktivste Phase, in auch von der höchsten Sprecherzahl ausgegangen werden kann. Ken George setzt diese bei einem Maximum von ca. 35.000 Personen im Spätmittelalter an – zuvor war das Land zu dünn besiedelt, danach wechselten immer mehr Familien ihre Sprache, und das Englische begann, das Kornische zu verdrängen. Die wichtigsten Primärquellen für das Mittelkornische sind Dramen, und zwar fast ausschließlich Mysterienspiele, die aus dem Umfeld einer konkret bestimmbaren Schule stammen – des Kollegiums von Glasney:

Nach der Reformation wurde das Kollegium von Glasney geschlossen, und die Tradition der Mysterienspiele verfiel. Das Sprachgebiet umfasste im 17. Jahrhundert nur noch den westlichsten Teil Cornwalls, und in vielen Quellen aus dieser Zeit zeigen sich für Halbsprecher (Personen, die die Sprache nicht vollständig erlernt haben) typische Verfallserscheinungen in Lexikon, Phonologie und Morphologie. Diese Phase des Aussterbens der Sprache wird als spätkornische Periode bezeichnet. Kennzeichnend für das Spätkornische sind außer der geringen Kompetenz vieler Sprecher die Umstellung der Morphologie in Richtung analytischer Bildungen (konjugierte Präpositionen werden durch Präposition + Personalpronomen ersetzt) und charakteristische Wandel im phonologischen System. Am auffälligsten sind wohl die präokkludierten Nasalkonsonanten:

mittelkorn. pen > spätkorn. pedn (dt. „Kopf“), mam > mabm (dt. „Mutter“)

Die orthographische Tradition des Mittelkornischen wurde nicht mehr weitergegeben, weswegen sich die Schreiber des Spätkornischen mit einer englischen Hilfsrechtschreibung behelfen mußten. Der walisische Sprachwissenschafter Edward Lhuyd, der Cornwall in den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts bereiste, entwarf eine phonetische Umschrift für das Spätkornische, die in Teilen von einigen Enthusiasten aufgegriffen wurde. Diese Gruppe von Autoren hat spätkornische Texte aus verschiedenen Genres hinterlassen – vor allem jedoch Prosa. Das bedeutet, dass Sprachebene und Vokabular der spätkornischen Texte sich stärker von denen der mittelkornischen Quellen unterscheiden, als dies rein durch Sprachwandelphänomene der Fall wäre. Das ist für die verschiedenen neokornischen Rekonstruktionsmodelle insofern von Belang, als sie sich an verschiedenen Sprachstufen orientieren und nur im Kernowek Unys Amendys versucht wird, alle belegten Phasen in der Geschichte des Kornischen gleichermaßen einzubeziehen.

Die letzten Muttersprachler, die die Sprache noch einwandfrei beherrschten, dürften vor 1800 gestorben sein, die letzten Halbsprecher im Laufe des 19. Jahrhunderts.

Die verschiedenen Varianten des heute gesprochenen, wiederbelebten Kornischen werden unter den Begriffen Neukornisch oder Neokornisch (s. o.) zusammengefasst. Alle Varianten des Neokornischen mit Ausnahme des Nowedga orientieren sich morphologisch primär am Mittelkornischen. Um fehlende – da nicht überlieferte – Vokabeln zu ersetzen bzw. neue Konzepte zu benennen, werden je nach Variante verschiedene Methoden angewandt: Puristen orientieren sich am Walisischen und Bretonischen, während Pragmatiker eher Worte aus dem Englischen entlehnen (was die Sprecher des traditionellen Kornischen auch getan haben).

Die Aufsplitterung in verschiedene Gruppen ist allerdings insofern weniger problematisch, als es zunächst vielleicht aussieht, als in der gesprochenen Sprache sehr wohl gegenseitige Verständigung möglich ist, was nicht zuletzt daran liegt, dass alle heutigen Sprecher Kornisch mit starkem englischen Akzent sprechen: [i:, iw] statt /y:/ und [e:] statt /ö:/ sind beispielsweise auch in den Varianten üblich, die sich am Mittelkornischen orientieren und eigentlich die Verwendung gerundeter Vokale vorsehen. Es gibt also einige Argumente dafür, nicht von verschiedenen wiederbelebten Sprachen zu sprechen, sondern von Dialekten bzw. Soziolekten derselben Sprache. Auch lassen sich mittlerweile Harmonisierungstendenzen beobachten, indem etwa die mittelkornische Form als „literarisch“, die entsprechende spätkornische Form als „umgangssprachlich“ bezeichnet und beide nebeneinander unterrichtet werden.

Internationale Sprachcodes

SIL code:CRN
ISO 639-1:kw
ISO 639-2:cor

Siehe auch

Weblinks

See also: Kornische Sprache, Bretonische Sprache, Cornwall, Ivrith, Keltische Sprache, Walisische Sprache