Kötzschau

Kötzschau ist eine Gemeinde im Landkreis Merseburg-Querfurt in Sachsen-Anhalt (Deutschland).

Zu Kötzschau gehören die Ortsteile Rampitz, Thalschütz, Schladebach und Witzschersdorf.

Verkehrsanbindungen:

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Kötzschaus erste Erwähnung bezieht sich auf das Jahr 1172. In einer Urkunde vom 11.8.1172 des Kaisers Friedrich I., über den Schutz des Klosters Pegau, treten ein Cumbertus und Henricus de Cotsowe als Zeugen auf. Dies ist zugleich die Erstnennung des Ortsnamens da sich die Adelsfamilie nach ihrem Stammsitz nannte. Dies ist ein Zeichen dass hier eine Ansiedelung schon früher existiert haben muss. 1174 tritt Henricus de Cocsouhe als Zeuge für eine Schenkung des Merseburger Bischofs an das Pegauer Kloster erneut auf. 1183 schenkt Henricus de Kotisowe dem Kloster Altenzell, bei Nossen, 2 Hufen Land. Auffällig ist die unterschiedliche Schreibweise des Namens. Nachfolgend einige Beispiele für Schreibweisen:

1174 Cocsouhe; 1205 Cotzowe; 1243 Cotzowe, Gotzowe, Gotsowe; 1218 - 1261 Chotsowe, Cotzowe, Cozowe, Koytschowe, Chozhowe, Cozchove, Kozsowe; 1256 - 1269 Kozscowe, Cochsowe; 1320 - 1321 Koczowe; 1360 Kotzowe; 1408 Kotzschow; 1428 Kochschau, Kotzschau; 1545 Kotzscha, Koschaw; 1562 Kotzschau; 1745 Kötschau; 1818 Kötzschau;

Aus Bequemlichkeit wurde Kötzschau noch im 19. Jahrhundert bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts ohne z geschrieben. Auch die Bezeichnung des Bahnhofes lautete offiziell bis 1933 Kötschau. Am 10. Oktober 1205 wurde der Ort (Villa) Kötzschau an sich erstmals urkundlich erwähnt. Was bedeutet nun der Name Kötzschau? Auf den ursprünglich wendischen Ursprung weist am deutlichsten die Häufung der Konsonanten tzsch und die Endung owe, au hin. Diese Endung bedeutet vermutlich Wasser oder Aue. Nun gibt es in Mitteldeutschland noch zwei andere Ortschaften mit dem Namen Kötzschau. Das sind zum einen Kötschau (ohne z) bei Jena und Kötzschau bei Löbau. Allerdings handelt es sich dabei nur um kleinere Ansiedelungen. In "Schottin, Die Slaven in Thüringen. Programm des Gymnasiums in Bautzen." steht über die Ansiedlung Kötzschau bei Löbau: "Dieser Ortsname ist sehr schwer zu deuten.(....) Manche lassen sich vielleicht von dem niederdeutschen Kot, Kotec = Hütte oder Bude ableiten, andere vom wendischen Kut, tschechisch Kout = Winkel, noch andere vom tschechischen Kot = Kater. Wahrscheinlich hieß Kötzschau wendisch Kozow = Hüttnersdorf, Kothendorf." Es ist durchaus möglich dass diese Deutung auch auf das Kötzschau bei Leipzig zutrifft.

Die Saline Kötzschau


Eine wichtige Institution in Kötzschau war über Jahrhunderte die Saline. Die Kötzschauer Saline soll eine der ältesten im deutschen Raum sein. 1333 schenkte Kaiser Karl IV. Solquellen im Bistum Merseburg dem Bischof Sigismund. 1347 wurde die Saline in einem Krieg zwischen dem Meißnischen Markgrafen Friedrich dem Ernsthaften und dem Magdeburger Erzbischof Otto durch Niederbrennen zerstört. In Schumanns Staats-, Post- und Zeitungslexikon stehen folgende Angaben: "Das Salzwerk zu Kötzschau hängt mit dem zu Teuditz genau zusammen, weil beide einerlei Herrn und Gewerken haben.(....) Diese beiden Salzwerke sind neben Artern die einzigen in Sachsen, die sich aus den älteren Zeiten bis hierher erhalten haben." 1579 begann im Auftrag des sächsischen Kurfürsten der Bau des Floßgrabens zum Anflößen von Brennholz für die Saline aus dem Elstergebirge. Um 1590 war die Saline Kötzschau an den Graben angeschlossen. 1592 hält die Landesherrschaft als Gewerk ein drittel des Ganzen in der Hand. 1599 werden durch Mathias Meth die ersten "Leckhäuser" (Gradierhäuser) errichtet. Die Gradierung soll anfänglich auf Stroh erfolgt sein. Im 30jährigen Kriege wird u.a. die Saline Kötzschau zerstört. Erst 1696 konnte die Produktion wieder aufgenommen werden. Durch das Bergamt in Freiberg werden 1697 beinahe alle Salinen in Sachsen verliehen. Im Jahre 1698 verkauft Adam Friedrich Pfuhl für 1800 Taler seine Rechte an die Leipziger Kaufleute David Hommel und Gottfried Ernst sowie Gottfried Werner. Am 22. Januar 1702 erhält David Hommel vom Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen für die Gewerkschaft in Teuditz und Kötzschau ein Privilegium. Dies ist der Anfang des alleinigen gewerkschaftlichen Betriebes. Bis zum Jahre 1741 werden von beiden Salinen zwischen 15 000 und 17 000 Stück Salz zu 128 Pfund produziert. Dennoch wird der sächsische Landesbedarf nicht gedeckt. Am 15. September 1763 erschließt Johann Gottfried Borlach im benachbarten Dürrenberg eine Solquelle. Diese war der Anfang einer der späteren größten deutschen Salinen, deren Salzreichtum für die vielen kleineren Salinen in der Zukunft das Ende bedeutete. In Kötzschau wurde im Februar 1785 eine neue Solquelle erschlossen. Sie lag in einer Tiefe von nur 34 Ellen. Im August 1796 fand ein großes Salzjubelfest statt. Anlass war das 100 jährige ungestörte Salzsieden seit dem 30jährigen Krieg. Im gleichen Jahr waren in Kötzschau 1 Kunststeiger, 4 Siedemeister, 5 Störknechte, 1 Salzsacker, 2 Gradierwärterinnen, 9 Gradierer einer davon gleichzeitig als Salzbote tätig und einer als Nachtwächter, 1 Pfannenschmied, 2 Scheitfuhrmänner und 2 Formkohlenfuhrmänner beschäftigt. Also insgesamt 27 Beschäftigte. Am 21. März 1808 gründet sich die "Constituition der Gewerkschaft der Salinen Teuditz und Kötzschau. Beide sind jetzt in 8 Kuxe geteilt und unterstehen dem Bergamt zu Freiberg. Seit 1747 bis 1808 wurden 420 000 Scheffel Salz erzeugt. Seit 1811 förderte der sächsische König Friedrich August I. die Gewerkschaft. Daraufhin ließ die Salinengewerkschaft eigens für den König eine goldene Gedenkmedaille prägen. Das Originalstück ist heute im Sächsischen Münzkabinett in Dresden zu bewundern. Eine Replik befindet sich in der Heimatstube in Kötzschau. Einen bedeutenden Einschnitt brachte das Jahr 1815. Am 15. Mai fiel Kötzschau mit samt der Saline als Gebietsverlust von Sachsen an Preußen. Grund waren die Beschlüsse des Wiener Kongresses. Beiden Salinen, in Teuditz und Kötzschau, drohte der Konkurs. Aber die preußische Landesregierung tätigte Notankäufe der stark gesunkenen Kuxe und rettete so beide Salzwerke. Im Königreich Sachsen bewillgte am 5. Oktober 1827 König Anton 75 Taler für die Anfertigung eines Windmaschinenmodells der Saline Kötzschau. Dieses ist heute noch erhalten und befindet sich in der Bergakademie in Freiberg. Als Hersteller konnte die gerade gegründete Maschinenbauwerkstatt Halsbrücke gewonnen werden. Um 1846 befanden sich in Kötzschau folgende Baulichkeiten der Saline:

1 Solbrunnen; 2 Wasserräder; 2 große Windkünste; 3 Gradierhäuser mit einer Gesamtlänge von 1105 Fuß sowie mit (einseitiger) Gradierfläche von 31900 Quadratfuß; 1 Kreiselrad zum Füllen der Siedepfannen, früher war auch eine Dampfmaschine vorhanden welche 1797 errichtet wurde; 2 größere und 2 kleinere Pfannen. Gefeuert wurden die Siedepfannen früher mit dem geflößten Holz aus dem Elstergebirge. Später stellte man aber auf Kohlefeuerung um. Ferner befanden sich für 12 Arbeiterfamilien Wohnhäuser auf dem Salinengelände.

Die Saline galt auch stets als ein eigenständiger nach Kötzschau hin eingepfarrter Ort mit eigener Gerichtsbarkeit. Im Jahr 1846 fand wiederum ein Gedenkfest anlässlich des 150 jährigen ungestörten Salzsiedens statt. 1859 plante der preußische Staat die Stillegung der kleineren Salzwerke, unter ihnen auch Kötzschau. Der Fiskus kaufte daraufhin alle Kuxe auf. Maßgeblich wurden diese Bestrebungen unter dem Minister von der Haydt vorangetrieben. Die Gemeinde Kötzschau richtete daraufhin eine Petition an den preußischen Prinzregenten und späteren Kaiser Wilhelm I. Sie wurde allerdings abgelehnt, hatte aber Übergangsregelungen zur Folge. Im Jahre 1861 wurde die Saline Kötzschau endgültig geschlossen. Hier erhielt die Gemeinde 9 Morgen vom Nordteil des Salinengeländes. Alles übrige, wie Salzverwalterwohnung, Steigerhaus sowie die Wasserkraft des Floßgrabens kaufte das Rittergut Kötzschau unter Julius III. Graf von Zech-Burkersroda. Später wurden sämtliche Gebäude abgebrochen. Noch in den 1920er Jahren war das ehemalige Trinkwasserbecken vorhanden. Erst 1951 wurde der ehemalige Eiskeller zugeschüttet. In den 1950er Jahren fertigte der ortsansässige Bildhauer Ottomar Schmidt an seiner Grundstücksmauer ein Wandrelief der Saline. Allerdings ist es heute so verwittert dass man hier kaum noch etwas erkennen kann. Heute erinnert nichts mehr an die Existenz einer Saline in Kötzschau. Nur in der 1883 von Pfarrer Franz Oskar Pfeil geschriebenen Chronik sind Lagepläne enthalten. In der Heimatstube Kötzschau befindet sich ein Aquarellgemälde welches 1873 angefertigt wurde. Dieses Bild zeigt eine Ansicht der Saline. Durch spätere Geländeaufschüttungen hat sich der Standort der Saline zum Teil stark verändert. Heute findet alljährlich auf einem Teil des ehemaligen Salinengeländes das beliebte Kötzschauer Heimatfest statt.

Kötzschauer Sagen


Die Schlangensage

Einst ging eine Magd aus Kötzschau in den Wald um Holz zu sammeln. Dabei fand sie unter einem Stein ein Loch, in dem eine Schlange lag. Die Magd ließ verschreckt ihren Korb fallen und lief zu ihrem Herren. Der rief einige Leute zusammen, und mit Knüppeln bewaffnet gingen sie an die Stelle wo die Schlange lag. Sie fanden diese auch. Jadoch als sie die Schlange erschlagen wollten, stieß diese einen Pfiff aus, worauf mit einem Male aus allen Löchern und Winkeln immer mehr Schlangen erschienen, so dass sie allesamt flüchten mussten.

Der Kobold in Kötzschau

Auch in Kötzschau war der "Koweld" zu Hause. Hier war jedoch sein liebster Aufenthaltsort der Brotschrank. Sein Besitzer konnte nur schwer ersterben, das heißt er hatte einen langsamen, qualvollen Tod. Der Kobold hatte auch die Fähigkeit, Felddiebe am Ort ihrer Untat zu bannen, so dass sie sich nicht von der Stelle bewegen konnten. Sie mussten warten bis der Feldbesitzer zu seinem Feld kam und sie wieder löste. Nach einer entsprechenden Bestrafung konnte er sie dann laufen lassen.

Aus der Chronik


'''1583''' Die Pest geht in der Umgebung um. '''1604''' Am Gründonnerstag, den 4. April, brannten während des Gottesdienstes große Teile des Dorfes Kötzschau ab. Dabei wurde auch die Pfarre mit samt dem Pfarrarchiv mit Kirchenbüchern zerstört. '''1607-15''' Wiederum ging der "schwarze Tod" um. '''1618-48''' Während des 30jährigen Krieges brannte das Dorf erneut ab. '''1643-60''' Pfarrvakanz in Kötzschau. '''1626-43''' Erneuter Pestausbruch im ganzen Stift Merseburg. '''1623''' Am 23. November zerstörte starker Sturm Teile des Rittergutes Kötzschau. '''1636''' Anfang März zogen plündernte kursächsische Soldaten durch die Gegend. '''1680''' Zogen in Leipzig entlassene Soldaten, die am Feldzug gegen Ludwig XIV. von Frankreich teigenommen hatten, plündernt durch die Region. Von der Bevölkerung "Blauröcke" genannt, waren sie der Schrecken der Bauern. '''1680-83''' Wieder hatten die Menschen unter der Pest schwer zu leiden. '''1706-1707''' Schwedische Besatzung von Kursachsen. Im Nachbarort Altranstädt bezog 1706 der schwedische König Karl XII., im dortigen Schloss, sein Hauptquartier. In der Kötzschauer Pfarre war das Hauptfuttermagazin der Schweden eingerichtet. Vorübergehende Bestattung zweier verstorbener schwedischer Offiziere in der Gruft der Familie von Burkersroda in der Kötzschauer Kirche. Bei der Leichen- predigt am 15. Juni 1707 war auch der schwedische König Karl XII. anwesend. Bei dem Abzug der Schweden aus Kursachsen im September 1707, wurden beide Offiziere wieder aus der Gruft geholt und mit nach Schweden genommen. '''1710''' Sturmschaden an der Kirche. '''1715''' Sturmschäden in Kötzschau. '''1733''' Am 10. Juli schlug der Blitz in die Schule ein, die darauf hin abbrennt. '''1756''' Am 9. Juni brannte vom Blitz getroffen die Schenke, das dazugehörige Wohnhaus und das Stallgebäude ab. '''1813''' Vor und nach der Leipziger Völkerschlacht Durchzüge und Einquartierungen in Kötzschau und Umgebung. '''1815''' Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses fiel Kötzschau und Umgebung, am 15. Mai, vom Königreich Sachsen an das Königreich Preussen.Preussen gründete für die neuen Landesgebiete die sogenannte Provinz Sachsen. '''1840''' Das Herrenhaus des Rittergutes wurde neu erbaut. '''1855''' Baubeginn der neuen Eisenbahnstrecke von Leipzig nach Corbetha. Die Pfarre verkaufte 1 Morgen Land an die Thüringische Eisenbahn Gesellschaft. Am 16.Oktober fand der Bauarbeiter Zeising aus Ötzsch bei Rampitz den Tod, da er durch Erdmassen verschüttet wurde. Dieses Unglück geschah höchst wahrscheinlich bei der Aufschüttung des Bahndammes mit dem eine Geländesenke im Rittergutsholz zwischen Kötzschau und Rampitz überwunden wurde. '''1856''' Am 22. März fand die feierliche Eröffnung der Bahnlinie und des Bahnhofes Kötzschau statt. Erster Bahnhofsvorsteher war ein gew. Pätzold. Wird vortgesezt!

Weblinks

See also: Kötzschau, Albersroda, Bad Dürrenberg, Bad Lauchstädt, Braunsbedra, Esperstedt bei Querfurt, Landkreis Merseburg-Querfurt, Leuna