Futtermittel

Futtermittel ist ein allgemeiner Sammelbegriff für alle Arten von Nahrung für Tiere, die von Menschen gehalten werden wie landwirtschaftliche Nutztiere, Sportpferde, aber auch Haus- bzw. Luxustiere. Meistens wird aber unter diesem Begriff das Futter für landwirtschaftliche Nutztiere verstanden.


[[Bild:Pellets-fuer-Pferde BMK.jpg|thumb|300px|Rohstoffe für die Pellet-Produktion und fertige Pellets für Leistungspferde]]

Inhaltsverzeichnis

Einteilung der Futtermittel nach Inhaltsstoffen

In der Regel ist mit Futtermittel pflanzliche Nahrung gemeint, wie Gras, verschiedene Getreidearten oder Knollen wie Rüben, Mohrrüben und Kartoffeln. Eine grobe Unterteilung der Futtermittel ist folgende:

Stärkereiche Futtermittel

Solche Futtermittel werden aus stärkereichen Körnern, Samen und Knollen hergestellt. Beispiele sind alle Getreidearten, Kartoffeln, Maniok, Hirse, aber auch Leguminosen. Diese Futtermittel liefern vor allem Energie aus Polysacchariden, Rohprotein ist nur in geringen Anteilen enthalten (Ausnahme: Leguminosen). Diese Futtermittel eignen sich prinzipiell für Wiederkäuer, Geflügel und Schweine. Besonders stärkereiche Futtermittel wie Roggen, Weizen, Gerste und Dinkel sind jedoch in der Pferdefütterung problematisch.
Siehe auch: Weizen, Gerste, Hafer, Roggen, Mais, Erbsen, Bohnen, Maniok, Hirse, Kartoffel.

Ölhaltige Futtermittel

sind solche, die aus Ölsamen (Raps, Soja, Sonnenblume, Leinsamen, Erdnuss, u.a.) gewonnen werden. Diese Futtermittel liefern ebenfalls Energie, hier allerdings aus Lipiden (siehe auch: Rohfett), daher ist die Energiedichte höher als bei stärkereichen Futtermitteln. Diese Futtermitel haben ebenfalls einen niedrigen Rohproteingehalt. Solche Futtermittel werden nicht sehr verbreitet eingesetzt, weil das enthaltene Öl industriell gewonnen werden kann:
Wenn den Samen industriell weite Teile des Öles entzogen werden (z.B. um daraus Biodiesel (= Raps-Methylester, RME)) zu machen, kann der Rest der Samen trotzdem als Futtermittel dienen. Je nachdem, welches Verfahren zum Entzug des Öles angewendet wurde, spricht man von Expeller, Extraktionsschroten oder Kuchen. In diesen Futtermitteln ist meistens ziemlich viel Rohprotein enthalten (35-65%). Diese Futtermittel eigenen sich vor allem für Wiederkäuer und sind dort auch sehr gefragt.
Siehe auch: Erdnuß, Kokos, Soja, Raps, Sonnenblume, Leinen, Baumwolle, Palmkerne, Sesam.

Grünfuttermittel

Damit meint man Futtermittel, bei denen die gesamte Pflanze verfüttert wird: Gras und Mais aber auch Getreide und Leguminosen (Ernte vor dem Abreifen). Diese Futtermittel zeichnen sich durch einen hohen Anteil an Struktur-Kohlenhydraten (siehe auch: NDF) aus. Insgesamt ist diese Gruppe bei Betrachtung der Inhaltsstoffe sehr heterogen: Gras besteht vor allem aus Struktur-Kohlenhydraten. Der Rohproteingehalt liegt um 15-25%. Mais hingegen hat einen großen Anteil Stärke (ca. 20-40%), hingegen mit etwa 10% deutlich weniger Rohprotein. Daneben enthält Mais selbstverständlich auch Strukturkohlenhydrate (Stengel, Blätter, etc.). Die anderen Getreidearten sind dem Mais ähnlich; die Leguminosen prinzipiell ebenfalls, haben aber deutlich mehr Rohprotein.
Die Grünfuttermittel können frisch verfüttert werden. Zur Konservierung müssen sie entweder stark getrocknet werden (Heu) oder durch Silierung haltbar gemacht werden. Allgemein eignen sich solche Futtermittel vor allem für Wiederkäuer, Pferde und Wassergeflügel; der Einsatz bei Schweinen ist zu vernachlässigen.
Siehe auch: [Gras]], Heu, Mais, Silage, GPS, Stroh, Zuckerrüben.

Andere Futtermittel

Neben den genannten gibt es noch eine sehr große Anzahl anderer Futtermittel, die zum einen in der Natur gewonnen werden (z.B. Fischmehl) oder die als Nachprodukte bei der industriellen Produktion anfallen: Beispielsweise Kleie (aus der Mühle), Schlempe (Alkoholherstellung), Treber (Bierherstellung), Melasse, Speisereste und Schnitzel (Zuckergewinnung) u.a.; der Einsatz dieser Futtermittel ist entsprechend der Gruppe heterogen, vor allem kommen aber Wiederkäuer in Frage. Dies gilt ebenso für Tiermehl u.a.: Der Einsatz ist wegen der potentiellen BSE-Gefahr aus guten Gründen verboten, aber per se stellen solche Produkte ein sehr gutes Futtermittel für Wiederkäuer dar.
Siehe auch: Treber, Melasse, Speisereste, Schlempe, Trester, Extraktionsschrot, Expeller, Kleber, Keimöl, Kleie, Nachmehl.

Einteilung der Futtermittel nach Funktion

Eine weitere Einteilung der Futtermittel ist nach ihrer Funktion möglich. Während Schweine und Geflügel üblicherweise mit Alleinfutter gefüttert werden, setzen sich Wiederkäuerrationen aus Grundfutter und Konzentratfutter zusammen. Werden diese beiden Komponenten gemischt vorgelegt, spricht man von einer "Totalen Mischration" (TMR) bei teilweiser Einmischung des Konzentratfutters in das Grundfutter von einer "Aufgewerteten Grundration" (siehe auch: Milchproduktion).

Mischfutter

Mischfutter sind im Allgemeinen Mischungen aus stärke-, proteinreichen und ölhaltigen Einzelfuttermitteln.

Alleinfutter

Alleinfutter sind Futtermittel, welche die Tiere abhängig von ihrer Art, ihrem Alter und der Nutzungsrichtung mit allen notwendigen Nährstoffen versorgen.

Ergänzungsfutter

Demgegenüber ist Ergänzungsfutter ein Futtermittel, das ein oder mehrere Einzelfuttermittel ergänzt, um eine ausreichende Versorgung zu bieten.

Mineralfutter

Mineralfutter setzen sich vor allem aus mineralischen Komponenten zusammen und sind zur Ergänzung der Ration mit Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen geeignet.

Konzentratfutter

Konzentratfutter (umgangssprachlich auch Kraftfutter) sind meistens Futtermittelmischungen aus Futtermittel mit hoher Energiedichte (stärkereiche und ölhaltige) und mit hohem Proteingehalt (meist Leguminosen oder Nachprodukte von Ölsaaten wie beispielsweise Soja-Extraktionsschrot), denen Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine zugesetzt werden. Die Konzentratfutter werden eingesetzt, um eine adäquate Nährstoffzufuhr für die Tiere zu gewährleisten.

Grundfutter

Unter Grundfuttermitteln versteht man im Allgemeinen Grünfuttermittel (v.a. Gras, Grassilage, Heu und Maissilage). Diese Futtermittel sind meist strukturreich und bilden die Grundlage der Ration. Sie werden dann mit Konzentratfuttern ergänzt, wenn sie alleine keine ausreichende Nährtstoff- und Energiezufuhr gewährleisten.

Einteilung der Futtermittel nach (äußeren) Eigenschaften

Die Unterteilung nach äußeren Eigenschaften ist relativ willkürlich:

Saftfutter

Saftfutter werden umgangssprachlich Futtermittel mit hohem Wasseranteil wie Gras, Möhren, Futterrüben, Trester, Treber, Äpfel u.a. genannt.

Grünfutter

Der Begriff Grünfutter wird häufig als Synonym für frisch geerntetes Grundfutter verwendet. Meist handelt es sich hierbei um frisches Gras, das bei der Sommerstallfütterung von Milchkühen täglich frisch geschnitten vorgelegt wird (siehe auch: Milchproduktion.

Melassefutter

Melassefuttermittel sind unter verwendung von Melasse hergestellt und haben einen relativ hohen Zuckeranteil.

Rauhfutter

Als Raufutter bezeichnet Grünfuttermittel mit einem relativ hohen Rohfasergehalt. Je nach Futtermittel und Art der Futterbergung ist ein unterschiedlich hoher Anteil der Rohfaser strukturwirksam. Dieser Anteil strukturwirksame Anteil Rohfaser (umgangssprachlich Strukturanteil) ist in Wiederkäuerrationen notwendig, um durch den beim Wiederkauen gebildeten Speichel den pH-Wert im Pansen stabil zu halten. Für andere Tierarten dient es auch zur Sättigung, ohne zu viel Energie bereit zu stellen. Damit kann es auch (besonders Stroh) eine Funktion als Beschäftigungsmaterial übernehmen, was für Pferde oder niedertragende Sauen wichtig ist.

Analyse der Futtermittel

Die Inhaltsstoffe der Futtermittel werden häufig entsprechend der Weender Futtermittelanalyse angegeben. Genaueren Aufschluss gibt aber eine Erweiterte Futtermittelanalytik. Aufgrund der Kosten wird die Analyse heute weitgehend nicht mehr nasschemisch (d.h. durch Untersuchung im Chemielabor), sondern mit Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) durchgeführt.

Weblinks

See also: Futtermittel, Apfel, BSE, Baumwolle, Bohne, Energie, Energiedichte, Erbse, Erdnuss, Erdnuß