Kraggewölbe
thumb|300px|Die Schatzkammer des Atreus, ein Kuppelbau als Kraggewölbe
Als Kraggewölbe, Kragsteingewölbe oder Falsches Gewölbe wird eine Vorform des echten Gewölbes bezeichnet, bei der waagerechte Mauersteine auskragend, also aufeinander zugeschoben eine Bogenform bilden. Anders als beim echten Gewölbe, bei dem die Kanten der verwendeten keilförmigen Steine auf das Zentrum des Bogens zeigen und das Gewölbe sich selbst stabilisiert, ist ein Kraggewölbe konstruktionsbedingt instabil und muss durch senkrechten Druck auf die Außenkanten der Gewölbesteine gesichert werden. Kraggewölbe sind daher immer steil und massiv, siehe Bogen (Architektur).
Beispiele
Frühe Anwendungen des Kraggewölbes findet man bei alten Pyramiden, z.B. der Knickpyramide (ca. 2500 v. Chr.), bei Nuraghen in Sardinien (ca. 1800 v. Chr.) oder bei der Schatzkammer des Atreus, die im 14. Jahrhundert v. Chr. in Mykene errichtet wurde.
Das Maya-Gewölbe ist ein typisches Stilelement der Maya-Kultur und ein Beispiel für ein falsches Gewölbe. Auf dem gesamten amerikanischen Kontinent blieb das Prinzip der Rundgewölbe bis zum Eintreffen der Spanier unbekannt.
Die Innenwand des Gewölbes wird von dreikantigen behauenen Steinen gebildet, die auf der Innenseite glatt sind und ins Mauerinnere hin eine Art Hebel besitzen. Durch Auffüllen mit Geröll wirkt durch das Gewicht des Gerölls eine Kraft auf den Hebel und der Gewölbestein wird in Position gehalten. Auf diese Weise konnten die Maya Gewölbe bis etwa 4 m Breite und beliebiger Länge erbauen. Dies wurde dadurch erkauft, dass die Zimmerdecken steil und die Dachkonstruktionen sehr schwer und sehr hoch wurden.
Kategorie:Bauteil
