Krebs (Medizin)
Unter Krebs versteht man das unkontrollierte Wachstum von Körperzellen, die dabei gesundes Gewebe verdrängen oder zerstören. Jedes Organ und jedes Gewebe des menschlichen Körpers kann von Krebs befallen werden. Krebs ist nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Dennoch ist nicht jeder Krebsverlauf tödlich, falls rechtzeitig eine Therapie begonnen wird, oder der Krebs erst in hohem Lebensalter auftritt und langsam wächst. Die derzeitige Heilungsrate bei allen Krebserkrankungen beträgt durchschnittlich 30 bis 40 %. Als geheilt wird in der Onkologie ein Patient bezeichnet, der mindestens fünf Jahre lang ohne Rückfall (Rezidiv) überlebt.
Man sollte stets im Gedächtnis behalten, dass Krebs nicht gleich Krebs ist - und "Krebs" bedeutet auch nicht "Todesurteil". Es sind rund hundert Krebserkrankungen bekannt, die sich in Überlebenschance, Behandlungsmöglichkeiten und der Bildung von Metastasen teilweise stark unterscheiden. Auch ist der Tod durch Krebs keine schmerzhafte Angelegenheit mehr, da es heute Schmerzmittel gibt, die gleichzeitig den Schmerz zuverlässig unterdrücken und andrerseits den Patienten bei vollem Bewusstsein halten.
Die meisten Krebserkrankungen nehmen an Häufigkeit im Alter deutlich zu, so dass man Krebs auch als eine degenerative Alterserkrankung des Zellwachstums ansehen kann. Neben dem Alter sind das Rauchen, andere karzinogene Noxen, familiäre Veranlagung (Disposition) und Virusinfektionen die Hauptursachen für Krebserkrankungen.
Durch Krebsvorbeugung und Früherkennung kann das Krebsrisiko unter bestimmten Umständen (abhängig vom Diagnosezeitpunkt, der Krebsart und einem dafür optimalen Alter des Patienten) deutlich verringert werden.
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Namensgeschichte
Der Name Krebs wurde Galenus zufolge durch die Ähnlichkeit der geschwollenen Venen eines äußeren Tumors mit Krebsbeinen inspiriert (siehe Krankheit als Metapher). Zuvor verwendete Aristoteles den Begriff "Krebs" vermutlich als erster, als er damit oberflächlich feststellbare, in benachbarte Organe infiltrierende und einwachsende Geschwulste beschrieb (z.b. fortgeschrittener Hautkrebs oder Brustkrebs). In der Bibel wird Krebs auch erwähnt: Paulus warnt vor ketzerischen Widersachern, deren Worte "um sich fressen wie der Krebs" (2. Timotheusbrief, 2:17).
Krebsentstehung
Bei einem biologisch hoch komplexen Organismus wie dem menschlichen Körper, der aus Milliarden von lebenden Zellen besteht, ist eine gegenseitige Abstimmung der Zellen untereinander notwendig, um das Gesamtziel, nämlich das Überleben des Körpers und die Reproduktion der Gene zu erreichen. Insbesondere bei Wachstums-, Differenzierungs- und Reparaturvorgängen müssen die einzelnen Zellverbände untereinander kommunizieren, um einen geordneten Ablauf dieser Prozesse zu garantieren. Bei der Wundheilung beispielsweise soll das Wachstum möglichst schnell ablaufen, um die Wunde zu schließen. Ist der Wundverschluss erreicht, muss die Vermehrungsrate der Reparaturzellen wieder stark gebremst werden, da ein weiteres Wachstum nicht mehr notwendig ist.
Bei Krebszellen ist diese gegenseitige Abstimmung und Beeinflussung im Zellverband außer Kraft gesetzt. Krebszellen teilen sich unkontrolliert immer weiter, obwohl keine Notwendigkeit mehr dazu besteht. Die Bremssignale des Gesamtsystems an die Tumorzellen werden nicht mehr erkannt und befolgt, da sie den genetischen Code für den Informationsempfang verloren oder abgeschaltet haben.
Das Immunsystem des Gesamtorganismus versucht die unkontrolliert wachsenden Zellen zu attackieren. Da sie in vieler Hinsicht aber noch normalen Körperzellen ähneln, fallen die Abwehrmechanismen zu schwach aus, um den sinnlosen Wachstumsprozess zu stoppen. Aus einem örtlich begrenzten Tumor entsteht ein Tumor, der Gewebsgrenzen durchdringen kann, in andere Organe einwuchert und sich selbst mittels Angiogenese sogar neue Blutgefäße bildet. Schließlich werden kleine Zellverbände des Ausgangsherdes z.B. über das Blut oder die Lymphgefäße auch in entfernt liegende Organe verschleppt, wo sie Tumorabsiedlungen (Metastasen) bilden, die oft noch schneller als der ursprüngliche Ausgangsherd wachsen.
Heutige Ansichten über Krebs gehen von einem Mehrstufenmodell der Krebsentstehung aus. Das ältere sogenannte Dreistufenmodell gliedert sich dabei in die Phasen der Initiation, Promotion und der Progression. Nach einer Jahre bzw Jahrzehnte dauernden Latenzphase zwischen dem initiatialen DNA-Schaden, also der Transformation einer einzelnen Zelle, kommt es erst zum nachweisbaren Tumor. Bis zu zehn verschiedene Mutationen müssen erfolgt sein. Einige dieser notwendigen Mutationen können vererbt werden, was erklärt, dass auch sehr kleine Kinder an Krebs erkranken können und dass Krebs in sogenannten "Krebsfamilien" gehäuft auftreten kann. Ein typisches Beispiel dafür ist das vererbbare Xeroderma pigmentosum. Bei nahen Verwandten von Patientinnen mit Brustkrebs ist die Wahrscheinlichkeit, Brustkrebs zu bekommen doppelt so hoch wie in der übrigen Bevölkerung. In den dazwischenliegenden Schritten der Tumorentstehung (Promotion und Progression) spielen nichtgenotoxische Prozesse eine große Rolle, was Beobachter dazu verleiten könnte, diese Einflüsse als eigentliche "Krebserreger" einzustufen. Die eigentliche Malignität (bei malignen Tumoren) der entarteten Zelle wird in der Phase der Progression erreicht. In jüngerer Zeit wird statt des klassischen Dreistufenmodells von einem komplexen Mehrstufenmodell gesprochen (das nur zum Teil verstanden ist) und die Begriffe Promotion und Progression werden zunehmend vom Begriff der Co-Carcinogenese ersetzt.
Bemerkenswert ist Henrietta Lacks, welche 1951 wegen einem bösartigen Gebärmutterhalskrebs starb. Vor ihrem Tod wurden ihr Gewebsproben entnommen und die sogenannte HeLa-Zelllinie entstand. Die Tumorzellen leben also seit mehr als fünfzig Jahren unter Laborbedingungen.[1] Aus einem komplexen Lebewesen - dem Mensch - ist sozusagen ein Einzeller entstanden, der sich völlig autonom reproduzieren kann. Dieser bekam sogar einen eigenen Namen, Helacyton gartleri.
Historische Annahmen
1902 schrieb John Beard, daß Krebszellen trophoblastischen Embryonalzellen glichen. Zu Beginn einer Schwangerschaft sorgten diese Zellen dafür, daß sich Embryo in der Gebärmutter einnisten könne. Das Wachstum sei aggressiv und chaotisch. Die Zellen teilten sich schnell und gewännen ihre Energie aus der Zuckergärung. Sie unterdrückten das Immunsystem der Mutter und produzierten humanes Choriongonadotropin hCG, das mittlerweile als Tumormarker anerkannt ist. Die Wucherung stoppt erst, wenn der Embryo ab 7. Woche Pankreasenzyme erzeugt. Ohne diese Enzyme entstünde der bösartigste Tumor, das Chorioncarcinom. Dass Krebstumoren Energie aus der Zuckergärung gewännen (d.h. der Tumor würde anaerob leben) ist die Basis für viele überholte Behandlungsmethoden.
Im Jahr 1908 entdeckten Ellermann und Bang einen Virus, der Leukämie in Hühnern verursachte.
Peyton Rous war es dann, der 1911 aus einem Muskeltumor mit der sehr hohen Filterfeinheit von 120 Nanometern einen Extrakt herausfilterte, mit dem er wieder Krebs erzeugen konnte. Er vermutete in diesem Extrakt ein Virus. 1966 erhielt Rous für diese Entdeckung des Rous Sarkom-Virus RSV den Nobelpreis.
In Afrika ist das seltene sogenannte Burkitt-Lymphom häufiger anzutreffen als anderswo, und es wird durch das Epstein-Barr-Virus ausgelöst. Dazu kommt der Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom), welcher häufig vom Humanen Papilloma-Virus ausgelöst wird. Impfstoffe gegen letzteres Virus sind bereits in der Testphase.[2] Ebenfalls konnte eine Verbindung zwischen dem Bakterium Helicobacter pylori und Magenkrebs bewiesen werden.
Krebsauslöser
Krebserregend sind, wie man dem oben Gesagten entnehmen kann, vor allem Einflüsse, die das Erbgut verändern. Besonders empfindlich dafür ist die Zelle während der Zellteilung; daher sind Zellen, die sich schnell teilen, besonders anfällig. Auch Einflüsse, die das Immunsystem daran hindern, entartete Zellen zu erkennen und zu beseitigen, gelten als krebsfördernd. Besonders gefährlich sind demnach:
- ionisierende Strahlung wie z. B. ultraviolettes Licht oder Röntgenstrahlen
- radioaktive Stoffe, insbesondere bei Inkorporation (indirekt durch die von ihnen emittierte ionisierende Strahlung)
- mutagene Chemikalien, u. a. Benzol, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe mit mehr als 4 annelierten Ringen, viele aromatische Amine, Alkylierungsmittel (z. B. Methyliodid), Chloroform, Tetrachlorkohlenstoff, Chrom(VI)-Verbindungen, Nitrosamine, Aflatoxine, freie Radikale. Viele andere Stoffe, (z. B. Acrylamid oder Dichlormethan) werden verdächtigt, ebenfalls mutagen zu wirken.
- Viren: HIV, der Epstein-Barr-Virus, der Humanpapillomavirus, Hepatitis-B- und -C-Viren und viele mehr.
- Die Ernährung spielt besonders bei Krebserkrankungen des Magens und des Darms eine wichtige Rolle. Seit der Einführung des Kühlschranks nimmt etwa die Magenkrebs-Rate ständig ab, was man auf die verminderte Einnahme von verdorbenen Lebensmitteln zurückführt. Auch vermindert der Konsum von Früchten und Gemüse die Häufigkeit von gewissen Krebsarten.
- Auch die Hygiene beinflusst die Krebsentstehung.
Laut einer aktuellen Studie, die an der Abteilung für Psychosoziale Krebsforschung der Dänischen Krebsgesellschaft in Kopenhagen durchgeführt wurde, konnte kein Zusammenhang von psychischer Belastung und Anfälligkeit für Krebs festgestellt werden. Verglichen wurde die Krebshäufigkeit bei Eltern, deren Psyche durch Tod oder lebensbedrohliche Krankheit eines Kindes schwer belastet war, mit Eltern, denen solche Schicksalsschläge erspart geblieben waren. Krebserkrankungen kamen in beiden Gruppen im Rahmen von statistischen Zufallsschwankungen gleich häufig vor. Die These vom Einfluss psychischer Belastungen auf Krebs konnte somit in dieser Untersuchung nicht bestätigt werden (American Journal of Psychiatry, Bd. 161, S. 903).
Es gibt keine "Krebspersönlichkeit", die von seinem sozialen Charakter her häufiger zu Krebs neigen würde. Die Annahme einer solchen "Persönlichkeit" verstärkt beim Patienten das Leid nur, weil die Erkrankung mit einer kaum zu ändernden Wesensart verbunden ist. Allerdings wird die Persönlichkeit vielfach von einer Krebsdiagnose (oder von der Furcht vor einer solchen Diagnose) beeinflusst, und man vermutet, dass Studien, die eine "Krebspersönlichkeit" herausgefunden hätten, schlicht und einfach Ursache und Folge verwechselt haben. Die krebsanfällige "Persönlichkeit" wurde in der Vergangenheit mit
- angepasster Lebensstil, Tendenz zur Selbstaufopferung, schwaches Selbstbewusstsein, mangelndes Durchsetzungsvermögen, Abschiebung von Konflikten, Veranlagung zu depressiven Stimmungen, mangelndes Ausdrucksvermögen von Bedürfnissen und Gefühlen, reduzierte Aufmerksamkeit gegenüber körperlichen Symptomen
beschrieben.[3]
Gutartigkeit und Bösartigkeit
Krebstumore unterscheiden sich von benignen, d.h. gutartigen Tumoren durch drei Kennzeichen: Sie wachsen
- infiltrierend, d.h. die Tumorzellen überschreiten Gewebegrenzen und wachsen in benachbartes Gewebe ein,
- destruierend, d.h. sie zerstören dabei umliegendes Gewebe und
- metastasierend, d.h. sie siedeln über den Blutweg (hämatogen), die Lymphgefäße (lymphogen) oder über Abtropfung Tochtergeschwulste, sogenannte Metastasen. Die Metastasierung geschieht manchmal auch über die Pleura und das Peritoneum.
Daneben werden noch semimaligne Tumore und Präkanzerosen unterschieden. Semimaligne Tumoren erfüllen nur zwei der genannten Kriterien, Präkanzerosen sind entartetes Gewebe, welches sich mit hoher Wahrscheinlichkeit zu malignen Tumoren entdifferenziert, aber noch nicht infiltrierend und metastasierend gewachsen ist.
Der häufigste semimaligne Tumor ist das Basaliom, ein Tumor der Basallzellschicht vor allem der sonnenexponierten Haut, der infiltrierend und destruierend wächst, allerdings nicht metastasiert. Unbehandelt kann der Tumor das gesamte Gesicht einschließlich der Gesichtsknochen zerstören.
Die weitaus häufigste Präkanzerose ist die zervikale intraepitheliale Neoplasie (CIN), einer Wucherung des Gebärmutterhalses, deren Zellen zytologisch Zeichen der Malignität aufweisen, allerdings histologisch noch nicht infiltriert, destruiert oder metastasiert haben. Zur Vorsorge wird Frauen der jährliche Gebärmutterabstrich nach Papanicolaou, auch PAP-Abstrich genannt, empfohlen, da Präkanzerosen sich deutlich besser behandeln lassen.
Krebstumoren werden in der Regel nach dem entarteten Gewebe klassifiziert. Den weitaus größten Teil aller Krebserkrankungen machen Karzinome aus, also Tumore, die von Epithel ausgehen. Diese werden nochmals differenziert in Platten- oder squamöse Karzinome, die sich von verhornter und unverhornter (Schleim-)Haut ableiten, und Adenokarzinome, welche sich vom Drüsenepithel ableiten und je nach Ursprung und Aufbau weiter differenziert werden. Eine weitere große Gruppe von Tumoren machen die hämatoonkologischen Tumoren aus, die sich noch einmal unterteilen lassen in Leukämien und Lymphome. Daneben gibt es seltenere bösartige Tumoren, wie die vom Stütz- und Bindegewebe ausgehenden Sarkome, neuroendokrine Tumoren wie das Karzinoid oder von embryonalem Gewebe ausgehende Teratome (vor allem der Gonaden).
Statistik
In Deutschland erkranken etwa 395.000 Menschen jährlich an Krebs, davon rund 195.000 Frauen und 200.000 Männer. Die meisten Fälle treten im Alter von über 60 Jahren auf. Die unter 60-jährigen machen mit etwa 107.000 Fällen nur rund ein Viertel der Krebs-Neuerkrankungen aus.
Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 1.750 Kinder unter 15 Jahren an Krebs. Am häufigsten werden in dieser Altersgruppe Leukämien, Tumore des Gehirns und des Rückenmarks sowie Lymphknotenkrebs diagnostiziert.
Im Durchschnitt werden derzeit etwa 30 % aller Krebspatienten von ihrer Krankheit geheilt. Von allen Krebsheilungen werden ca. 90 % ausschließlich durch die lokal auf die Tumorregion gerichtete, sogenannte lokoregionäre Behandlung, also durch Operation und Strahlentherapie (»Stahl und Strahl«) erreicht.
Sehr selten gibt es auch Spontanremissionen. Als Spontanremission bezeichnet man ein komplettes oder teilweises Verschwinden eines bösartigen Tumors in Abwesenheit aller Behandlungen oder mit Behandlungen, für die bisher kein Wirksamkeitsnachweis geführt werden konnte. Allerdings liegt die Wahrscheinlichkeit solcher Spontanremissionen unter der Wahrscheinlichkeit einer Fehldiagnose.
Vergleich der diagnostizierten und der tödlichen Krebserkrankungen
Zahlen mit Stand: 2000
| männlich | weiblich | Summe | ||||
| Betroffenes Organ (+ ICD-10 Code) | diagnostiziert | verstorben | diagnostiziert | verstorben | diagnostiziert | verstorben |
| Alle | 200.018 | 108.835 | 194.662 | 100.349 | 394.680 | 209.184 |
| Brust (C50) | ? | 221 | 47.515 | 17.814 | 47.515 | 18.035 |
| Lunge (C33, C34) | 31.819 | 29.144 | 10.434 | 9.846 | 42.253 | 38.990 |
| Prostata (C61) | 40.670 | 11.107 | 40.670 | 11.107 | ||
| Harnblase (C67, D09.0, D41.4) | 17.796 | 3.804 | 6.956 | 2.173 | 24.752 | 5.977 |
| Magenkrebs (C16) | 11.107 | 6.909 | 9.865 | 6.223 | 20.972 | 13.132 |
| Niere (C64, C65, C66, C68) | 8.836 | 3.887 | 6.319 | 2.629 | 15.155 | 6.516 |
| Bauchspeicheldrüse (C25) | 5.766 | 5.750 | 7.711 | 6.366 | 13.477 | 12.116 |
| Lymphdrüsen: Non-Hodgkin-Lymphome (C82 - C85) | 5.977 | 2.705 | 6.584 | 2.758 | 12.561 | 5.463 |
| Haut: Malignes Melanom (C43) | 5.348 | 1.161 | 6.128 | 1.027 | 11.476 | 2.188 |
| Blut: Leukämie (C91 - C95) | 5.654 | 3.479 | 5.151 | 3.327 | 10.805 | 6.806 |
| Gebärmutter (C54, C55) | 10.022 | 2.720 | 10.022 | 2.720 | ||
| Eierstock (C56) | 9.671 | 6.113 | 9.671 | 6113 | ||
| Gebärmutterhals (C53) | 6.588 | 1.882 | 6.588 | 1.882 | ||
(Quelle: Broschüre »Krebs in Deutschland« der Arbeitsgemeinschaft Bevölkerungsbezogener Krebsregister in Deutschland)
Auffallend an dieser Zusammenstellung sind die zum Teil sehr unterschiedlichen Überlebenschancen. Faktoren, die dazu beitragen sind
- findet Früherkennung statt?
- - der Tumor muss bis auf eine gewisse Grösse anwachsen, bis er vom Laien erkannt wird (etwa Brustkrebs)
- verschleppt der Patient die Erkrankung und geht erst spät zum Arzt?
- - etwa bei untypischen Symptomen, wie etwa chronischer Husten bei Rauchern
- metastasiert der Tumor schnell?
- - die Gefährlichkeit etwa des Lungenkrebses ist in der Tat die schnelle Metastasenbildung
- spricht der Tumor auf die Chemotherapie an?
- - je nach Ursprungsgewebe des Tumors sind gewisse Wirkstoffklassen völlig oder fast unwirksam
- kann der Tumor überhaupt operiert werden?
- - Eingriffe wie Entfernung eines Lungenbeutels kann die Überlebensquote der Patienten drastisch senken, also versucht man solche Operationen zu vermeiden
Krebshäufungen bei bestimmten Berufen
| Jahr der Beschreibung | Krebsart | Beruf |
|---|---|---|
| 1775 | Hodenkrebs | Schornsteinfeger (Kontakt mit Ruß) |
| 1820 | Hautkrebs | Braunkohlearbeiter (Kontakt mit Braunkohleteeren) |
| 1879 | Lungenkrebs | Bergleute (Inhalation von Kohlestaub) |
| 1894 | Hautkrebs | Seeleute (Kontakt mit geteerten Seilen, Planken etc.) |
| 1895 | Blasenkrebs | Arbeiter mit Kontakt zu Fuchsin |
| 1902 | Hautkrebs | Röntgen-Personal |
| 1912 | Lungenkrebs | Berufe mit Chromat-Kontakt |
| 1922 | Skrotal- und Hautkrebs | Berufe mit Kontakt zu Schieferölen |
| 1928 | Leukämie | Berufe mit Kontakt zu Benzen |
| 1933 | Nasen- und Lungenkrebs | Berufe mit Kontakt zu Nickel |
| 1933 | Lungenkrebs | Berufe mit Kontakt zu Asbest |
| 1938 | Pleuramesotheliom | Berufe mit Kontakt zu Asbest |
| 1954 | Peritonealmesotheliom | Berufe mit Kontakt zu Asbest |
| 1972 | Lungenkrebs | Berufe mit Kontakt zu Haloether |
| 1974 | Leberangiosarkom | Berufe mit Kontakt zu Vinylchlorid |
Behandlungsmöglichkeiten bei Krebs
- Operation: operative Entfernung des Tumors und benachbarter Lymphknoten.
- Strahlentherapie
- mit radioaktiven Stoffen
- durch radioaktives Jod (Schilddrüse nimmt aktiv Jod auf)
- mit Röntgenstrahlen
- mit Protonentherapie (Bestrahlung mit Protonen, die den Tumor umgebendes Gewebe schont)
- mit Mikrowellen (Aufheizung des betroffenen Gewebes)
- mit radioaktiven Stoffen
- Medikamentenbehandlung
- mit Zytostatika (»Chemotherapie«); die Krebszellen werden an der Vermehrung gehindert bzw. gestoppt
- Hormontherapie, z. B. Testosteronentzug beim Prostatakarzinom
- Hemmung des Blutgefäßwachstums (Krebsgewebe lockt Blutgefäße an, in Richtung des Krebsgewebes zu wachsen, um es zu versorgen.)
- Immuntherapie (Steigerung der Immunantwort auf die Tumorzellen) Immunologische Krebs-Therapie
- Palliative Behandlung bzw. Förderung der Lebensqualität
- Gabe von Schmerzmitteln
- Besserung des Allgemeinbefindens durch Schmerzbehandlung
- Ausreichende Ernährung
- Hemmung des Knochenabbaues
- Steigerung der Blutbildung im Knochenmark
- Symptomatische Behandlungen z. B. Aufdehnung von Stenosen durch Bougierung oder Einlage von Stents
- Physiotherapie (speziell Atemtherapie bei Lungenkrebs)
- Alternative Behandlungsmethoden, unter anderem die Mistel-Therapie oder B17-Therapie. Beide sind umstritten. Tatsache ist aber, dass viele erfolgreiche Zytostatika (wie Vincristin) ursprünglich in Pflanzen gefunden wurden. Diese Zytostatika sind aber hochrein und hochkonzentriert und deshalb nicht mit "Kräutertee" oder ähnlichem zu vergleichen.
Die derzeitige Heilungsrate bei Krebs liegt bei ca. 30 – 40 %, wenn man alle verschiedenen Krebserkrankungen zusammenfasst. Solange eine Krebskrankheit örtlich begrenzt bleibt, sind die Heilungschancen besser als wenn der Tumor sich bereits in mehreren Organen des Körpers ausgebreitet hat (z.B. Lungenkrebs metastasiert sehr schnell, während Prostatakrebs dies seltener tut). Die Schwierigkeit vieler Krebserkrankungen liegt allerdings darin, dass sie sehr spät erkannt werden - ein Tumor kann schon einem Volumen von unter 1 ml Metastasen produzieren, aber z.B. Brustkrebs kann mittels Selbstabtastung durch einen Laien erst ab dieser Grösse erkannt werden. Ein Probleme stellt mitunter die anatomische Zugänglichkeit der Tumoren für eine operative Entfernung dar, beispielsweise an der Speiseröhre. Auch sind die Symptome nicht immer leicht zu erkennen oder treten erst in fortgeschrittenem Stadium auf, weshalb Bauchspeicheldrüsenkrebs oftmals sehr spät erkannt wird.
Die unbefriedigende Heilungsrate bei häufigen Tumorerkrankungen und die Nebenwirkungen der etablierten Behandlungmethoden lösen oft Ängste und Verzweiflung bei den Betroffenen und deren Angehörigen aus. Dies führt unter Umständen zur Hinwendung zu unkonventionellen Behandlungsarten, denen in vielen Fällen der Nachweis der Wirksamkeit fehlt, und deren Grundlagen meist einer naturwissenschaftlichen Überprüfung nicht standhalten. Einige von ihnen werden als »Wunderheilung« abgelehnt, andere hingegen als ergänzende komplementäre Therapieverfahren auch von der Schulmedizin akzeptiert.
Doch auch wenn eine vollständige Heilung nicht erreicht werden konnte ist in Betracht zu ziehen, dass bei einem 75jährigen Krebspatienten eine Lebenszeitverlängerung von wenigen Jahren schon ein sehr gutes Resultat ist (ältere Krebspatienten sterben recht oft wegen anderen Ursachen), während bei einer 45jährigen Brustkrebspatientin eine 10jährige Rückfallfreiheit als sehr gut betrachtet wird.
Krebsvorbeugung
- Das Tabak rauchen möglichst rasch einstellen – die Hauptursache für Lungen- und Blasenkrebs ist das Rauchen von Zigaretten. Auch durch das Passivrauchen wird das Krebsrisiko bedeutend erhöht.
- Übermässiger Alkoholkonsum kann auch Krebs erzeugen – verringern Sie Ihren Alkoholkonsum!
- Vermeiden Sie Kontakt mit Asbest!
- Überernährung und falsche Ernährung
- Vermeiden Sie übermässigen Fleischkonsum!
- Vermeiden Sie den Konsum von Acrylamid (mögliche Reaktion ist die Bildung von stark erbgutschädigendem Glycamid)!
- Erhöhen Sie Ihren täglichen Verzehr an frischem Obst und Gemüse sowie an ballaststoffreichen Getreideprodukten!
- Vermeiden Sie Übergewicht; sorgen Sie für mehr körperliche Bewegung und begrenzen Sie die Aufnahme fettreicher Nahrungsmittel; essen Sie nichts Angebranntes oder Verschimmeltes. Meiden sie Nahrungsmittel mit karzinogenen oder karzinogenverdächtigen Nahrungsbestandteilen (Nitritpökelsalz, Süßstoffe).
- Vermeiden Sie übermäßige Sonnenbestrahlung und Sonnenbrände; dies gilt insbesondere für Kinder.
- Halten Sie genauestens Vorschriften ein, durch die Sie vor einem Kontakt mit krebserregenden Stoffen geschützt werden sollen. Folgen Sie genau den Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften über Substanzen, die Krebs verursachen können.
- Vermeiden Sie radioaktive oder andere schädigende Strahlung.
- Essen Sie keine kontaminierten Nahrungsmittel oder solche aus Gegenden mit erhöhter Radioaktivität.
- Führen Sie einen Röntgenpass. Sprechen Sie mit ihrer Ärztin über Nutzen und Risiken geplanter Röntgenuntersuchungen und bringen Sie evt. alte Röntgenbilder mit.
- Vermeiden Sie häufige und lange Flugreisen, um der kosmischen Strahlung nicht übermäßig ausgesetzt zu sein.
Insbesondere die Punkte, die sich auf eine Änderung der Ernährung und vermehrte sportliche Aktivität beziehen beruhen mehr auf Erfahrungswerten als auf erwiesenen Fakten, da die genauen Ursachen für eine Krebserkrankung nicht vollständig geklärt sind. Generell gilt, dass ein gesunder Lebenswandel das Risiko einer Krebserkrankung senkt.
Früherkennung
Bei den meisten Krebserkrankungen ist die Früherkennung wichtig. Nur selten, wie beispielsweise beim Lungenkrebs, ist die Früherkennung bislang ineffektiv. Die Früherkennung ist primär Aufgabe jedes Menschen und nicht bloß des Arztes. Unbehandelt wächst der maligne Tumor solange, bis das Organ bzw. der Körper zerstört ist. Da die Gefahr einer Krebserkrankung für eine Bevölkerung schwankt und u. a. von neu aufkommenden Umweltgiften abhängt oder von der Eliminierung solcher Gifte durch Umweltschutzgesetze, sowie durch das Ernährungsverhalten und der Bereitschaft, sich vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen, aber auch durch das Sexualverhalten (Durchseuchung einer Bevölkerung mit möglicherweise krebserregenden Viren), muss für jede Generation und jedes Land immer aufs Neue das individuelle Krebsrisiko bestimmt werden.
Je eher ein Krebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungsaussichten. Es ließen sich mehr Krebskrankheiten heilen, wenn sie früher erkannt würden. Aber nicht jede Früherkennung bietet nur Vorteile (siehe auch Screening). Man tauscht ein Risiko gegen ein Bündel anderer Risiken, wie falsch-positive Befunde.
Für Männer sind regelmäßige Untersuchungen des Arztes auf Blut im Stuhl und das Abtasten der Prostata wichtig, für Frauen ein Abstrich vom Gebärmutterhals (systematische Früherkennungsuntersuchung auf Gebärmutterhalskrebs) und Mammographie-Vorsorgeuntersuchungen (über 50 Jahren), wobei der in absoluten Zahlen geringe Nutzen der Mammographie mit dem Arzt besprochen sein sollte.
Viele Krebserkrankungen werden vom Patienten selbst aufgrund von Veränderungen erkannt. Ein Arztbesuch ist empfehlenswert, wenn:
- Sie eine ungewöhnliche Schwellung bemerken, eine Wunde (auch im Mund), die nicht abheilt, eine Veränderung der Form, Größe oder Farbe an einem Hautmal oder eine abnorme Blutung,
- Sie andauernde Beschwerden haben wie chronischen Husten oder anhaltende Heiserkeit, eine Veränderung beim Stuhlgang oder beim Urinieren feststellen oder wenn Sie einen unerklärlichen Gewichtsverlust bemerken.
- Sie als Frau Veränderungen beim regelmäßigen Abtasten der Brüste feststellen. Viele solcher Veränderungen sind jedoch erst Vorstufen zum Krebs und als solche leichter zu behandeln. Die Aussagekraft dieses Tastbefundes ist mittlerweile umstritten. Im Mai 2003 hat die Amerikanische Krebsgesellschaft ihre Empfehlung einer regelmäßigen Selbstuntersuchung als veraltet zurückgezogen. Es fehle der Beweis, dass die Technik die Zahl der Brustkrebstoten verringere (Die Zeit 26/2003 [4]). Dazu machen sich Frauen, die diese Technik anwenden und trotzdem erst durch eine Mammografie vom Tumor erfahren, verheerende Selbstvorwürfe.
siehe auch: Neoplasma
Anlaufstellen
- Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
- Krebsinformationsdienst KID
- Deutsche Krebshilfe e.V.
- Krebsliga Schweiz
Literatur
Wissenschaftliche Literatur
- Krebs in Deutschland, Häufigkeiten und Trends, 4.Auflage 2004, herausg. von der Arbeitsgemeinschaft Bevölkerungsbezogener Krebsregister in Deutschland, Saarbrücken
- Onkologie für Pflegeberufe, hrsg. v. Agnes Glaus, Walter F. Jungi u. Hans-Jörg Senn, Thieme flexible Taschenbücher, ISBN 3-13-620305-4. Sehr breite und vertiefte Übersicht über Krebserkrankungen; zum grossen Teil auch für Laien verständlich.
- Checkliste Onkologie, Reihe begr. v. Felix Largiader, Alexander Sturm u.Otto Wicki; Von Hans-Jörg Senn, Peter Drings, Agnes Glaus, ISBN 3-13-685505-1
Sachbücher ohne wissenschaftlichen Anspruch
- Max Gerson: 'Eine Krebstherapie' ISBN 3898810135
- Gisela Friebel: 'Gesundheit fast zum Nulltarif' ISBN 3929960060
- Johanna Budwig: 'Krebs - Das Problem und die Lösung' ISBN 3932576632
- Johanna Budwig: 'Das Fettsyndrom.' ISBN 3778603698
- Johanna Budwig: 'Öl-Eiweiß-Kost' ISBN 3932576640
- Robert A. Weinberg: Krieg der Zellen
- Barry Lynes: 'The Cancer Cure That Worked' ISBN 0919951309
- Georges Lakhovsky: 'Das Geheimnis des Lebens' ISBN 3886999998
Siehe auch
- Früherkennung von Krankheiten
- Krankheit
- Krebsregister
- Onkologie
- Screening
- Screening/Robodoc
- TNM-Klassifikation
Weblinks
- Informationsnetz für Krebspatienten und deren Angehörige
- Mehrfach ausgezeichnete Selbsthilfeseite, Chat und Forum
- Umfangreiche Linkliste, nach Themen geordnet
- http://www.grid.org/ Cancer Research Project der Universität Oxford mit Hilfe von privaten Haushalten
- Infoleitsystem Medinfo – die Besten Links zu Krebsthemen
- Liste der krebserzeugenden, erbgutverändernden oder fortpflanzungsgefährdenden Stoffe (KMR-Liste)
Bitte beachten Sie den Hinweis zu Gesundheitsthemen!
Tumor Tumor
