Punktgruppe

Eine Punktgruppe oder auch Kristallklasse beschreibt die Symmetrie eines Körpers.

In der Molekülphysik sind Punktgruppen unentbehrlich, um aus spektroskopischen Daten auf die Symmetrie eines Moleküls zu schließen, oder um anhand der bekannten Symmetrie physikalische Eigenschaften vorherzusagen. In der Kristallographie ist die Bestimmung der Punktgruppe ein Schritt auf dem Weg zur Bestimmung der Raumgruppe, die die Symmetrie eines Kristalls beschreibt.

Die Symmetrie eines Körpers wird mathematisch als Menge aller möglichen Symmetrieoperationen beschrieben. Mögliche Symmetrieoperationen sind Punktspiegelung an einem Inversionszentrum, Spiegelung an einer Spiegelebene, Drehung um eine Drehachse, sowie als Kombination daraus eine Drehspiegelung. Wenn man das Hintereinanderausführen von Symmetrieoperationen als additive Verknüpfung auffasst, erkennt man, dass eine Menge von Symmetrieoperationen eine (in der Regel nicht kommutative) Gruppe ist. Bei Punktgruppen werden nur Symmetrieoperationen betrachtet, die mindestens einen Punkt im Raum unverändert lassen.

Die internationale Symbolik hierfür wurde aus der von Carl Hermann und Charles-Victor Mauguin abgeleitet; daneben ist auch die von Schoenflies weit verbreitet.

Bei Hermann-Mauguin steht die Zähligkeit der Symmetrie im Vordergrund.

Zähligkeit der Achse: im Kristall nur 1, 2, 3, 4 oder 6, sonst auch 5, 7, ...
 Drehinversionsachse:         - (über der Zahl)
 Symmetrieebene:              m
 Kombination Drehachse/Ebene: / 
 

Dabei wird in der internationalen Form nicht für alle Achsen eine Angabe gemacht, sondern verkürzt dargestellt. Z.B. mmm statt 2/m 2/m 2/m

System von Schoenflies:

Symmetrieachse (polar):     C
 Symmetrieachse (diedrisch): D
 Tetraedergruppe:            T
 Oktaedergruppe:             O
 Zähligkeit der Achse:       wie bei Hermann-Mauguin
 horizontale Symmetrieebene: h
 vertikale Symmetrieebene:   v
 diagonale Symmetrieebene:   d
 Inversionszentrum:          i
 Spiegelebene:               s
 

Dabei wird an den Großbuchstaben je nach Bedarf eine Ziffer und/oder ein Kleinbuchstabe als Index angehängt, z.B. D2h.

Nicht alle Symmetrien eines Moleküls sind mit der Symmetrie eines Kristalls vereinbar: wie Pierre Curie erkannte, sind in einem Kristall nur 6-, 4-, 3-, 2-zählige Drehachsen möglich (Drehungen um 60, 90, 120 bzw. 180 und jeweils Vielfache davon). Die Angabe einer 1-zähligen Drehachse bedeutet, dass ein Körper keine Drehsymmetrie besitzt.

Es gibt im endlichdimensionalen Raum nur endlich viele mit Kristallsymmetrie verträgliche Punktgruppen. Speziell im dreidimensionalen euklidischen Raum gibt es 32 davon.

Um die möglichen Symmetrie eines Kristalls zu beschreiben, überlagert man diese 32 Punktgruppen mit den 14 Bravais-Gittern und kommt - nach Ausscheiden isomorpher Gruppen - auf die 230 Raumgruppen.

Weil das Beugungsbild von Kristallen in der Röntgenbeugung immer ein Inversionszentrum enthält, bezeichnet man die zentrosymmetrischen kristallographischen Punktgruppen auch als Lauegruppen.

Kristallsystem Kristallklasse Schönfliess Hermann / Mauguin
Triklin triklin-pedial C1 1\
triklin-pinakoidal Ci \bar{1}
Monoklin monoklin-sphenoidisch C2 2\
monoklin-domatisch Cs m\
monoklin-prismatisch C2h 2/m\
Rhombisch rhombisch-disphenoidisch D2 222\
rhombisch-pyramidal C2v mm2\
rhombisch-dipyramidal D2h 2/m\ 2/m\ 2/m
Tetragonal tetragonal-pyramidal C4 4\
tetragonal-disphenoidisch S4 \bar{4}
tetragonal-dipyramidal C4h 4/m\
tetragonal-trapezoedrisch D4 422\
ditetragonal-pyramidal C4v 4mm\
tetragonal-skalenoedrisch D2d \bar{4}2m\oder \bar{4}m2
ditetragonal-dipyramidal D4h 4/m\ 2/m\ 2/m
Trigonal trigonal-pyramidal C3 3 \!
rhomboedrisch C3i \bar{3}
trigonal-trapezoedrisch D3 32\ oder 321\ oder 312\
ditrigonal-pyramidal C3v 3m\oder 3m1\oder 31m\
ditrigonal-skalenoedrisch D3d \bar{3} 2/moder \bar{3} 2/m 1oder \bar{3} 1 2/m
Hexagonal hexagonal-pyramidal C6 6\
trigonal-dipyramidal C3h \bar{6}
hexagonal-dipyramidal C6h 6/m\
hexagonal-trapezoedrisch D6 622\
dihexagonal-pyramidal C6v 6mm\
ditrigonal-dipyramidal D3h \bar{6}m2oder \bar{6}2m
dihexagonal-dipyramidal D6h 6/m\ 2/m\ 2/m\
Kubisch tetraedrischpentagondodekaedrisch T 23\
disdodekaedrisch Th 2/m\ \bar{1}
pentagonikositetraedrisch O 432\
hexakistetraedrisch Td \bar{4}3m
hexakisoktaedrisch Oh 4/m\ \bar{3}\ 2/m

Beispiele

für Punktgruppen und Moleküle, bei denen sie vorkommen


Kategorie:Gruppentheorie Kategorie:Kristallographie Kategorie:Mineralogie Kategorie:Chemie

See also: Punktgruppe, 32 (Zahl), Ammoniak, Arthur Moritz Schoenflies, Bravais-Gitter, Carl Hermann, Charles-Victor Mauguin, Gruppentheorie, Hexagonales Kristallsystem, Kommutativgesetz