Kroatischer Frühling
Der Kroatische Frühling (Hrvatsko proljeće) war eine politische Bewegung in den späten 1960ern und den frühen 1970ern, die für Kroatien mehr Rechte und Autonomie von Jugoslawien forderte. Häufig wurde er auch als maspokret (Massenbewegung) bezeichnet.
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Entstehung
Die Ereignisse kamen in Gang, als 1967 eine Gruppe einflussreicher kroatischer Literaten und Linguisten eine Deklaration über die literarische Kroatische Sprache veröffentlichten. Aus dieser Deklaration entwickelte sich eine kroatische Nationalbewegung, die zunächst vor allem von Intellektuellen getragen und von vielen Studentenorganisationen unterstützt wurde.
Forderungen
Zu den Hauptforderungen zählten Bürgerrechte für kroatische Bürger, besonders das Recht auf eine eigene kroatische Nationalität.
Diese Forderungen standen im Widerspruch zur kommunistischen Ideologie von Titos Regierung, die seit der Machtergreifung während des Zweiten Weltkriegs versuchte die nationalen Idenditäten der Völker in Jugoslawien abzubauen, beziehungsweise zu unterdrücken. Wie sich später im Jugoslawienkrieg bestätigte, wurden die nationalen Tendenzen von Serben, Kroaten, Slowenen, Mazedoniern, Muslimen, jugoslawischen Roma und Sinti, Montenegrinern und Albanern als Gefahr für die Integrität des Landes angesehen. Faschistische und nationalistische Symbole, Lieder und Gebräuche waren daher verboten.
In der Bewegung des kroatischen Frühlings wurden auch Forderungen nach einer Dezentralisierung der Wirtschaft laut, die es der Teilrepublik Kroatien ermöglicht hätte einen größeren Anteil der Einnahmen aus dem Tourismus, der vor allem an der dalmatinischen Küste blühte, zu behalten. Durchschnittlich gelangten mehr als 50% der Fremdwährungen durch Kroatien nach Jugoslawien, von denen aber nur rund 7% in der Teilrepublik blieben. Eine unabhängige kroatische Nationalbank hätte eine gerechtere Verteilung der Einnahmen ermöglicht, jedoch das Recht die jugoslawischen Nationalbank zu nutzen eingeschränkt. Kroatien hätte in der Folge auch die Rechte an Unterstützung aus dem Bundesfond für unterentwickelte Regionen verloren, von dem die Republik zwischen 1965 und 1970 16,5% zugeteilt bekam (im Vergleich: im gleichen Zeitraum fielen 46,6% des Fonds an Serbien). Auch die Monopole der Jugoslawischen Investitionsbank und der Bank für Außenhandel wurden in Frage gestellt, über die Belgrad ausländische Investitionen und den Außenhandel regulierte.
Weitere Kritikpunkte an der jugoslawischen Zentralregierung waren die wachsende Abwanderung und Auswanderung in die wirtschaftlich stark wachsenden Länder Westeuropas, gegen die die Regierung nichts unternahm und die Verschickung von Wehrpflichtigen in andere Teilrepubliken.
Reaktion der Zentralregierung
Die sogenannte "antinationalistische" Propaganda brachte mit dem Ziel die Bewegung zu diskreditieren das Gerücht in Umlauf, wonach die Bewegung Kroatien die Herzegowina einzuverleiben wollte, wie es 1939-1941 in Form von Banovina Hrvatska der Fall gewesen war. Obwohl es Sympathien mit dieser Forderung innerhalb der Bewegung gab, war die Führung weit davon entfernt dies anzusprechen, um nicht als separatistisch zu gelten.
1971 wurden Demonstrationen organisiert, bei denen tausende von Studenten in Zagreb öffentlich für ihr Ziele eintraten.
Im selben Jahr veröffentlichten drei kroatische Linguisten (Stjepan Babić, Božidar Finka und Milan Moguš) eine kroatische Grammatik unter dem Titel Hrvatski pravopis, die jedoch gleichfalls verboten und alle Kopien verbrannt wurden. Der Grund dafür war, dass bewusst eine kroatische und keine serbo-kroatische Sprache (oder kroato-serbische) dargestellt wurde. Ein Exemplar gelangte jedoch nach London, wo das Buch neu aufgelegt und ververöffentlicht wurde.
Das gesamtjugoslawische Regime interpretierte die Bewegung als eine Wiederbelebung des kroatischen Nationalismus', diskreditierte sie als chauvinistisch und ließ die Demonstranten polizeilich verfolgen. Viele der studentischen Aktivisten wurden im Dezember 1971 festgenommen und einige sogar zu jahrelanger Haft verurteilt.
Vladimir Bakarić, Milka Planinc und andere hochrangige Vertreter der Kommunistischen Partei Kroatiens waren hoch gewillt die Dissidenten zu bestrafen und sie schlossen zahlreiche Beschuldigte aus der kommunistischen Studentenorganisation und der kommunistischen Partei aus. Besonders auch Professoren waren von den Ausschlüssen betroffen. Da aber auch einige hochrangige Mitglieder der kroatischen Kommunistischen Partei die Ideen der Bewegung unterstützten, wie zum Beispiel Savka Dabčević-Kučar und Mika Tripalo, konnte die Regierung den Vorfall nicht einfach unter den Teppich kehren.
Folgen
So wurde im Jahr 1974 eine neue Verfassung verabschiedet, die den einzelnen Republiken mehr Autonomie zugestand und somit einige wesentliche Forderungen der Demonstrationen von 1971 erfüllte. Einer der Verfassungsartikel enthielt das Recht für die einzelnen Teilrepubliken zur Sezession, eine Option die von den meisten Teilrepubliken 1991 genutzt wurde.
Mehrere der studentischen Anführer des Kroatischen Frühlings wurden später einflussreiche Politiker. Ivan Zvonimir-Čičak etwa wurde der Leiter des kroatischen Helsinki-Kommittes für Menschenrechte, Dražen Budiša wurde Vorsitzender der Kroatischen Sozial-Liberalen Partei und Savka Dabčević-Kučar und Mika Tripalo wurden Gründungsmitglieder der der neuen Kroatischen Volkspartei.
Zahlreiche Anführer wurden inhaftiert, Misshandelt und vom damaligen jugoslawischen kommunistischen Regime wegen verbaler Delikte zu jahrelangen Gefängnisstrafen verurteilt.
Autobahn Zagreb - Split
In diesem kurzem Zeitraum der politischen Emanzipation wurde mit dem Bau der Autobahn von Zagreb nach Split und Rijeka begonnen. Fertiggestellt wurde jedoch nur das 50 km kurze Teilstück bis Karlovac, danach wurde das Bauvorhaben auf Befehl der Belgrader Zentralregierung eingestellt. Erst 32 Jahre später, im Jahr 2004 wurde dieses für die wirtschaftliche Entwicklung Kroatiens enorm wichtiges Projekt verwirklicht.
Die vierte Ausgabe von Babić-Finka-Moguš Hrvatski pravopis ist heutzutage das Buch, das offiziell die kroatische Sprache definiert.
