Kryptorchismus
Als Kryptorchismus - von griech.: kryptos (verborgen) und orchis (Hoden) - wird ein Zustand bezeichnet, bei dem der Hoden weder sichtbar noch tastbar ist. Es ist damit eine Lageanomalie des Hodens und eine Unterart des Hodenhochstands, bei der der Hoden vollständig in der Bauchhöhle verbleibt ("Bauchhoden"). Im weiteren Sinn fällt auch die Anorchie, das Fehlen eines Hodens, unter diese Definition.
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Grundlagen
Da der Hoden wie das Ovar aus einer gemeinsamen Gonadenanlage retroperitoneal in Höhe der Nieren entstehen, müssen beide Hoden ab der 5. Embryonalwoche eine "Wanderung" vom Ort der primären Bildung bis in das Skrotum (Hodensack) unternehmen, den sog. Descensus testis.
Der erfolgreiche Abstieg in das Skrotum ist beim Menschen eines der Reifezeichen des Neugeborenen. Ungefähr 3 % der männlichen Neugeborenen weisen jedoch noch eine ein- oder beidseitige Lageanomalie des Hodens auf. Nach Ende des ersten Lebensjahres ist das Vorkommen auf ca 0,7 % gesunken. Der Zusammenhang mit der Entwicklung des Feten bzw. Säuglings wird auch durch den Umstand dokumentiert, dass bei 100 % aller männlichen Frühgeburten mit einem Geburtsgewicht von weniger als 900 Gramm dieser Abstieg nicht erfolgt ist. Bei den Tieren kann der Hodenabstieg auch erst weit nach der Geburt abgeschlossen sein, wie beispielsweise bei Pferden oder Nagetieren.
Beim Kryptorchismus bleibt der Hodenabstieg aus oder kommt vorzeitig zum Stillstand, was als Maldescensus testis bezeichnet wird. Er bleibt in der Bauchhöhle liegen. Kommt der Stillstand erst im Leistenkanal zustande, wird dies als Leistenhoden bezeichnet.
Im engeren Sinn wird nur der mit einer primären Hodenatrophie, einseitig evtl. auch mit einer Hodenaplasie verbundene Kryptorchismus als solcher bezeichnet. Ursache hier ist meist eine gestörte Geschlechtsdifferenzierung. Azoospermie und Impotentia generandi sind die logische Folge.
Therapie
Aufgrund des erhöhten Risikos für eine maligne Entartung bzw. eine Störung der Spermiogenese durch höhere Umgebungstemperatur wird ein nicht abgestiegener Hoden bis zum Ende des 2. Lebensjahres in das Skrotum verlegt (Orchidopexie) oder operativ entfernt.
Siehe auch
Weblinks
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