Kugelfische

Kugelfische
none|275px|Schwarzflecken-Kugelfisch (Arothron nigropunctatus)

Schwarzflecken-Kugelfisch (Arothron nigropunctatus)

Systematik
Reihe: Fische (Pisces)
Klasse: Knochenfische (Osteichthyes)
Unterklasse: Strahlenflosser (Arcinopterygii)
Überordnung: Echte Knochenfische (Telestoi)
Ordnung: Haftkiefer (Tetraodontiformes)
Familie: Kugelfische
Wissenschaftlicher Name
Tetraodontidae
 ????
Gattungen
  • Amblyrhynchotes
  • Arothron
  • Auriglobus
  • Canthigaster
  • Carinotetraodon
  • Chelonodon
  • Colomesus
  • Contusus
  • Ephippion
  • Feroxodon
  • Fugu
  • Gastrophysus
  • Javichthys
  • Lagocephalus
  • Liosaccus
  • Marilyna
  • Monotretus
  • Omegaphora
  • Pelagocephalus
  • Polyspina
  • Reicheltia
  • Sphoeroides
  • Takifugu
  • Tetractenos
  • Tetraodon
  • Torquigener
  • Tylerius
  • Xenopterus

Die Familie Kugelfische (Tetradontidae) (= Vierzähner) gehört zu der Unterordnung der Kugelfischähnlichen (Tetradontidei) in die Ordnung Kugelfischartige oder Haftkiefer (Tetradontiformes). Ihr gehören etwa 120 Arten an. Die Größe variiert zwischen 6 und 90 Zentimetern.

Ihr bekanntester Vertreter ist der Fugu, der in Japan eine Spezialität darstellt, obwohl viele Körperteile giftig sind. Daher wird Fugu oft auch als Synonym für Kugelfisch gebraucht.

Kugelfische können sich bei Gefahr in Sekundenschnelle mit Wasser aufpumpen, indem eine kräftige Muskulatur ruckweise Wasser aus der Mundhöhle in eine bauchseitige, sackartige Erweiterung des Magens preßt, um auf Angreifer abschreckend zu wirken. Starke Ringmuskeln am Übergang zum Magen und Mageneingang verhindern das Rückfließen des Wassers. Der Zweck dieses "Aufpumpens" ist das durch die enorme Volumenvergrößerung es einem Raubtier fast unmöglich ist den Kugelfisch zu verschlingen, wobei auch die sonst eng anliegenden Stacheln die nun nach Außen stehen und als eine Art Widerhaken fungieren hinderlich sind. Außerdem imponiert das Männchen dem Weibchen mit dem Aufblähen beim Balzspiel.

Die Körperform von Kugelfischen weicht stark von der typischen Fischgestalt ab, er hat eine rundliche, gedrungene Gestalt und Kopf und Augen sind stark ausgebildet. Der schnabelähnlicher Beißapparat, sind verwachsene Zähne zu Zahnleisten und jeweils zwei Zahnleisten oben und unten bilden ihn. Daher kommt auch sein Name Tetraodontidae = Vierzähner. Sein lederartige, widerstandsfähige Haut ist nackt seine Schuppen sind auf kurze Stacheln reduziert.

Der Antrieb erfolgt überwiegend durch die Brustflossen, Rückenflosse und Afterflosse schwirren nur zur Unterstützung mit, Schwanzstiel und Schwanzflosse dienen als Steuerruder. Dadurch ist der Kugelfisch zwar recht langsam aber äußerst wendig, er kann vorwärts als auch rückwärts schwimmen und aufwärts und abwärts steigen.

Inhaltsverzeichnis

Verbreitung

Weltweit, in einem Gürtel von ca. 47 Grad nördlicher bis zu der 47 Grad südlicher Breite, tropische und warme Meere. Zumeist in Salzwasser, Küstengebieten, Korallenbänken oder Seegraswiesen. Manche Arten kommen auch in Süß- und Brackwasser vor.

Giftiger Fugu

Bei den Giftstoffen der Kugelfisch-Unterarten Diodontidae und Sphaeroides handelt es sich nach dem heutigen Wissensstand um das Gift Tetrodotoxin, das sich besonders in Haut, Leber und Eierstöcken des Fisches befindet, aber nicht im Muskelfleisch.

thumb|left|275px|Arothron hispidus Dieses Nervengift ist eines der stärksten bekannten nicht proteinartigen Gifte: die tödliche Dosis beträgt nur etwa 10 µg/kg Körpergewicht. Es wirkt nur auf die Körpernerven, nicht auf das Gehirn -- die Opfer werden vollständig gelähmt und können sich weder bewegen noch sprechen, bleiben aber bei Bewusstsein. Sie sterben an durch die Lähmung bedingtem Atemstillstand und folgender Erstickung, oder an Herzstillstand. Wenn Atmung und Kreislauf schnell genug durch Notfallmaßnahmen in Gang gehalten werden, klingt die Giftwirkung innerhalb etwa 24 Stunden ab, und die Opfer erleiden keinen bleibenden Schaden.

Das Nervengift wird nicht vom Fisch selbst synthetisiert, sondern von in ihm lebenden PseudomonasBakterien. Es gibt auch in Gefangenschaft gezüchteten Fugu, welcher kein Gift enthält, da er nicht mit den entsprechenden Mikroorganismen gefüttert wird, die dieses Gift eigentlich produzieren. In Freiheit frisst der Fisch diese Bakterien gezielt, um durch deren Gift Fressfeinde abzuschrecken; er selbst ist durch den speziellen Aufbau seiner Nervenzellen gegen das Gift immun.

Dieses Gift wird laut manchen Wissenschaftlern angeblich auch im Voodoo-Kult verwendet, um Menschen scheintot und dann zu "Zombies" zu machen, andere Wissenschaftler bestreiten dies aber.

Delikatesse mit Kick

Die Wirkung wie auch die Gefährlichkeit der Kugelfische werden bereits im ältesten chinesischen Kräuterbuch (Pen tsao chin) erwähnt. In Deutschland ist die Zubereitung von Fugu verboten. In Japan gab es bis in die sechziger Jahre bis zu 150 Tote im Jahr durch den Verzehr von Kugelfischen. Daher muss heute in Japan jeder, der mit Fang, Handel oder Zubereitung zu tun hat, eine spezielle Lizenz besitzen.

Die durchschnittlich fünf Japaner im Jahr, die auch heute noch nach Kontakt mit Fugu-Innereien sterben, sind ausnahmslos Privatleute, die ohne Lizenz mit dem Fisch arbeiteten oder bewusst die gifthaltige Leber als Rauschmittel konsumierten (seit 1983 eigentlich verboten). Fugu ist auch das einzige Nahrungsmittel, das den Mitgliedern der kaiserlichen Familie nicht aufgetischt werden darf. Eine moderne Legende ist, dass Fugu-Köche, in deren Restaurant Leute vergiftet wurden, ins Ausland gehen müssen und dort weiterarbeiten.

Wie eine Antipode zu seiner Gefährlichkeit bietet der Fugu wirklich ein ganz besonderes Geschmackserlebnis, vor allem sein Sashimi schmeckt gleichzeitig zart und fest, sahnig und würzig zugleich. In Japan wird er traditionell als Statussymbol verspeist – er ist wegen der nötigen Sicherheitsmaßnahmen und der Spezialausbildung der Köche sehr teuer. Sein Fleisch – nur das ungiftige Filet findet logischerweise Verwendung – wird in Restaurants angeboten, die sich zumeist auf das Zubereiten von Kugelfischen spezialisiert haben. Sie erkennt man oft an einem getrockneten und aufgeblasenen Kugelfisch am Eingang. Es wird zumeist roh, als Sashimi in hauchdünne Scheiben zerlegt, verzehrt (um den Geschmack wahrzunehmen, werden traditionell zwei bis drei Scheiben übereinandergelegt in den Mund gesteckt) oder als Suppe gereicht.

Einige in Japan gegessene Fugu-Arten sind Fugu pardalis, Fugu rubripes rubripes, Fugu vermicularis, Fugu vermicularis prophyreus, Sphaeroides

Fugu rubripes als Forschungsobjekt in der Genetik

Die Art Fugu rubripes wird in einigen biologischen Laboren als Forschungsobjekt genutzt. Die Sequenzierung seines Genoms wurde 2002 abgeschlossen. Es hat eine Größe von 365 Megabasen und ist damit das kleinste bekannte Genom eines Wirbeltiers.

Kugelfische fürs Aquarium

thumb|270px|left|Assel-Kugelfisch (Colomesus asellus)

Einige Süß- bzw. Brackwasserkugelfische sind recht attraktiv und können als Aquarienfische gehalten werden, wo sie außerdem zur biologischen Bekämpfung von Wasserschnecken sehr effektiv sind. Einige Arten attackieren allerdings auch andere Fische und sind sogar innerartlich aggressiv, so dass in jedem Fall genau geprüft werden muss, ob eine Haltung im jeweiligen Gesellschaftsbecken problemlos möglich ist. Als relativ unproblematisch und friedlich gilt beispielsweise der im Süßwasser des Amazonasbeckens beheimatete Asselkugelfisch (Colomesus asellus), der allerdings auch, z.B. im Gerangel um Futter, mal nach den Flossen anderer Fische schnappen kann. Von der Haltung dieses Fisches im Aquarium sollte aber aufgrund des extrem schnellen Zahnwachstums Abstand genommen werden, wenn nicht dauerhaft genügend Futterschnecken zur Verfügung stehen.

Weblinks

See also: Kugelfische, 1983, Aquarium