Kult

Kult (v. lat.: cultus [deorum] = Götterverehrung, aus colere [im PPP cultum] = anbauen, pflegen), auch Kultus, umfasst die Gesamtheit aller religiöser Praxis.

Bitte beachten: Das englische Wort „cult“ hat meistens die Bedeutung „Sekte“ und darf mit dem deutschen Begriff nicht verwechselt werden.

Inhaltsverzeichnis

Definition

Obwohl der Begriff Kult im Allgemeinen für die Bezeichnung von religiösen/spirituellen Handlungen benutzt wird, wird er in der Alltagssprache weiter gefasst und auch auf andere Arten von ritualisierten Handlungen angewandt. Ein Kult umfasst in jedem Fall folgende drei Aspekte:

Religiöse/spirituelle Kulte

Zu kultischen Handlungen versammeln sich Menschen, um mit einer konkreten oder abstrakten überirdischen Wesenheit (Gottheit oder andere) in Verbindung zu treten, mit dem Ziel, sie gewogen zu stimmen oder zu einer bestimmten Handlung zu motivieren. Meist folgt eine Kulthandlung einem tradierten und ritualisierten Ablauf.

Religiös motivierte Kulte werden allgemein über das von ihnen verehrte Objekt definiert. Siehe auch: Ahnenkult, Cargo-Kult, Dämonenkult, Dionysoskult, Gottesdienst, Heiligenverehrung, Krisenkult, Totenkult, Bilderverehrung, Liturgie.

Profane Kulte

Ein Kult kann sich auch um weltliche Objekte, lebende Personen oder Institutionen herum bilden, wodurch diesen ein quasi-religiöser Status verliehen wird.

Siehe auch: Herrscherkult, Personenkult, Starkult, Führerkult, Arbeitskult

Objektkult

Gegenwärtig erfährt der Begriff Kult in bestimmten Bereichen der Alltagskultur eine – zum Teil ironische – Aktualisierung im Sinne von „Geheimwissen“ um ein Objekt.

Es gibt Kultfilme (z. B. Rocky Horror Picture Show) mit einer eingeschworene Fangemeinde, die den Film schon hundertmal gesehen hat und jede Textzeile mitsprechen und -singen kann, während den meisten anderen Leuten diese Verehrung unbekannt oder fremd ist. Mit der kultischen Verehrung und Zelebrierung ihrer Kultobjekte, Kultmarken, Kultprodukte u. v. a. grenzt sich die Gemeinde der Anhänger bewusst vom Rest der "ahnungslosen Welt" ab, amüsiert sich an ihren Insiderwitzen, die außer ihnen keiner versteht.

Das Kult-Attribut verleiht den Objekten einen besonderen Nimbus, der sie zu vermeintlich einzigartigen Artikeln macht, die sich aus der Masse heben. Wer sich am Konsum dieses Artikels beteiligt, beteiligt sich letztlich an der Kommunion der Kultgemeinde. Damit entspricht dieser Kultteilnehmer einerseits in weiten Zügen dem Wesen des Kultes aus (1.). Andererseits widerspricht dieser Gebrauch, der selten ganz ernst gemeint ist, dem Kultbegriff in seinem Kern, da er das Kultobjekt im Wortsinn „profaniert“. Dies gilt umso mehr, je häufiger der Begriff verwendet und schließlich zur Marketingstrategie degradiert wird. Siehe auch: Image.

Andere

Last but not least gibt es ein Rollenspiel mit dem Namen Kult, welches von Horror und dunklen Kulten handelt.

Inhalte von Kulten

Kult kann bestehen aus Ritualen, Opfern, Gebeten, Rezitation oder Inszenierung von Mythen, sakraler Musik und kultischem Tanz.

Ebenfalls zum Kult gehört die Pflege der weltlichen Symbole des Kultobjekts: seines Ortes (Sakralbau, Altar), seines Bildes (Ikone) sowie die Einhaltung geheiligter Zeiten in Form von Festen und Fasten. Meist sind besondere Personen mit der Rolle der Traditionspflege betraut (z. B. Priester).

Neben mehr oder weniger ritualisierter und teilweise starr vorgegebenen Handlungen gehört zum Kult andererseits eine gewisse Spontaneität, Ekstase, Besessenheit, Erneuerung (Reformation) und Erweckung.

Soziale Funktion von Kulten

Kulte und Kulthandlungen haben eine wichtige Aufgabe für die Gemeinschaft, insbesondere für den sozialen Zusammenhalt von Gruppen.

Kulthandlungen wie Prozessionen, kommunikative Zeremonien (Umarmung), kultisches Essen und Trinken, symbolische Gegenstände (Kerzen etc.) schaffen eine Basis der Gemeinsamkeit. Dazu kann ein „intellektuelles Ritual“ wie die Predigt treten.

Kultisch begangene Passageriten (Geburt, die Aufnahme in die Gemeinschaft der Erwachsenen, Ehe, Mutterschaft, Tod) dienen der Bestätigung und Vergewisserung der Zugehörigkeit zur Gemeinschaft.

Die Ausführung eines Kults unterliegt weithin akzeptierten Normen. Konventionen regeln die angemessene Kleidung, Speise, Feiertagsregeln, auch die Zugehörigkeit und Akzeptanz etc. Das Auftreten fremder Kultusgemeinschaften durch Migration kann aufgrund großer Unterschiede in religiösen Praktiken zu Auseinandersetzungen führen, welche einerseits die Toleranz herausfordern, andererseits die Kultgemeinschaften zusammenschweißen.

Modewort und Subkultur

In Anlehnung an Kult hat sich das Modewort kultig für „leicht verrückt, aber irgendwie gut“ herausgebildet. Ursprünglich war damit wohl gemeint, dass das als kultig bezeichnete Objekt so sehr verehrt wurde, dass es einer religiösen Handlung gleichkam. Dann spricht man ihm „Kultstatus“ zu. Heute wird kultig oft als inhaltsleere Floskel verwendet, aber auch ("interessant, trendy, ich will dabei sein") als wirksame Werbestrategie. Manche Jugendkulturen haben kraft ideologischer oder (para-)religiöser Inhalte sowie der Art und Weise, wie sie gelebt werden, Kultcharakter und werden auch so genannt.

See also: Kult, 2000er, Ahnenkult, Altar, Arbeitskult, Besessenheit, Bild, Bilderverehrung, Cargo-Kult, Dionysos