Kulturrelativismus
Der Kulturrelativismus ist der Gegensatz zum Universalismus, der die Existenz einer allumfassenden Ethik postuliert, und Ethnozentrismus, der die eigene als das Zentrum aller Dinge bewertet und alle anderen Kulturen im Hinblick auf die eigene Weltanschauung einstuft und beurteilt (Distanzierung und Abwertung von Fremdgruppen).
Der Kulturrelativismus entstand als Reaktion auf den Rassismus und den Evolutionismus des 19. Jahrhunderts. Der Kulturrelativismus betont den Pluralismus der Kulturen und postuliert, daß Kulturen nicht verglichen oder aus dem Blickwinkel einer anderen Kultur bewertet werden können.
Bestimmte innerkulturelle Verhaltensformen müssen immer im Licht des dazugehörigen Sozial-, Wertesystems und Kulturverständnisses gesehen werden. Dementsprechend können kulturelle Phänomene nur in ihrem eigenen Kontext verstanden, beurteilt und betrachtet werden (emische Sichtweise).
Der Kulturrelativismus lehnt folglich universelle Werte wie Menschenrechte ab, da sie der westlichen Kultur entsprungen sind.
Wichtige Vertreter des Kulturrelativismus sind Franz Boas,Ruth Benedict,Margaret Mead und Ray Birdswhistell.
Nicht selten ist der Kulturrelativismus ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, weil er u.a. verlangt, z.B. aus dem islamischen Kulturkreis stammenden Menschen das Recht zuzugestehen, die Menschenrechte nicht beachten zu müssen, weil diese ein Produkt der westlichen Kultur seien, und daher auch von Muslimen begangene Menschenrechtsverletzungen nicht angeprangert werden dürften, weil dies "rassistisch", "ethnozentrisch" und "eurozentrisch" sei.
Diese Haltung wird oft von anderen aus dem islamischen Kulturkreis stammenden Menschen angeprangert (z.B. Ayaan Hirsi Ali). Diese führen zum Beispiel an, es sei gerade rassistisch Menschen aufgrund der ihnen per Herkunft zugeschriebenen Kultur den Anspruch auf Menschenrechte verweigern zu wollen.
Formen des Relativismus
Deskriptiver Relativismus
"Beschreibender" Relativismus. Jede Annahme eines kulturellen Determinus schliesst deskriptiven Relativismus ein. Die moderne Ethnologie ist in unterschiedlichem Masse relativistisch in diesem Sinne.
Normativer Relativismus
Normativer Relativismus stellt fest, dass Kulturen gar nicht darum herumkommen, einander gegenseitig zu beurteilen. Da es aber keinen universellen Wertmassstab gibt, ist solches Werten immer kulturrelativ. Es existieren mehrere Unterformen:
- Kognitiver Relativismus: Bezieht sich auf die Voraussetzungen unseres logischen Denkens. Wenn die Aussage "Der Mond ist aus grünem Käse als sozial anerkannte Prämisse gilt, dann ist es sinnlos, dies widerlegen zu wollen.
- Moralischer Relativismus: Wenn wir zum Beispiel Kung Fu mehr mögen als Karate, dann ist das ein moralischer Relativismus. Ein Werterelativismus sozusagen. In diesem Sinne war Boas relativistisch
- Epistemologischer Relativismus: Jede Kultur liefert ihren Mitgliedern Erklärungen für Dinge, die nicht erklärbar sind. In diesem Sinne sind auch wir kulturell determiniert.
- Genereller und partikularer Relativismus
