Künstliche Sprache
Künstliche Sprachen sind Sprachen, die aus verschiedenen Gründen neu konstruiert wurden, d. h. sich nicht durch den ungeplanten ("natürlichen") Sprachgebrauch entwickelt haben. Abgesehen davon unterliegen aber auch die natürlichen Sprachen Regeln (Hochsprache), die mitunter vom alltäglichen Sprachgebrauch abweichen. Nach ISO 639-2 haben sie den "Language code" art.
| Inhaltsverzeichnis |
Geheimsprachen
Die älteste Anwendung sind sicher die Geheimsprachen, die schon von den alten Griechen benutzt wurden und auch heute weiter Verwendung finden. So bilden etwa Zwillingsgeschwister untereinander oft eine so genannte Zwillingssprache, die nur sie verstehen. Die im 13. Jahrhundert geschaffene Sprache der Gauner in Deutschland, das Rotwelsch, gehört ebenfalls wie das Argot in Frankreich zu den Geheimsprachen. Auch das Jenische muss wohl eher zu den Geheimsprachen als zu den natürlichen Sprachen gerechnet werden.
Plansprachen
Plansprachen lassen sich in "logische" Sprachen zur Erforschung menschlicher Kommunikation (Loglan, Lojban) und so genannte Welthilfssprachen, die dazu gedacht sind, eine Verständigung zwischen völlig unterschiedlichen Kulturen zu ermöglichen, einteilen. Plansprachen die als Welthilfsprachen dienen sollen sind die folgenden, wobei eigentlich nur Esperanto, und in gewissem Maße Interlingua und Ido erfolgreich sind:
- Esperanto
- Interlingua mit seinen weitestgehend absorbierten Schwestersprachen:
- Ido
- Basic English, und dessen regellose Variante Simple English
- Volapük
- Comunleng (auf Französisch)
- Novial
- Lingua Franca Nova
Neben gesprochenen bzw. geschriebenen Welthilfssprachen gibt es auch zwei Gebärden-Hilfssprachen, nämlich Gestuno, das gewisse Erfolge hatte, und Signuno.
Siehe auch: Bliss-Symbole und Elephants Memory
Rumantsch Grischun
Bekannteste Kunstsprache Europas. Sie wurde Ende des Zwanzigsten Jahrunderts auf der Basis der fünf im schweizerischen Kanton Graubünden gesprochenen rätoromanischen Idiome (Surselvisch, Sutselvisch, Surmiran, Puter und Vallader) entwickelt, als gemeinsame Schriftsprache dieser Idiome. Zweck des Rumantsch Grischun, das im Kanton Graubünden, nebst Deutsch und Italienisch, Amtsschriftsprache ist, ist der Erhalt der vom Untergang bedrohten Idiome, die zum Teil stark voneinander abweichen.
Lingua Cosmica
Ein weiter Punkt ist die Kommunikation mit Außerirdischen: So wurde durch Hans Freudenthal die Lingua Cosmica (Lincos) entwickelt, die zur Gänze auf Mathematik basiert.
Fiktive Sprachen
Fiktive Sprachen wurden in der Literatur und im Film erfunden und sind selten über den jeweiligen Konsumentenkreis hinaus bekannt. Dazu gehören etwa die Sprachen Sindarin und Quenya von J. R. R. Tolkiens Mittelerde, das Klingonische und Vulkanische aus Star Trek, das Darkovanisch Marion Zimmer Bradleys, Interkosmo und Satron in der Perry Rhodan-Serie sowie die Schlumpfsprache. Im musikalischen Bereich gibt es z. B. das fälschlich Hopelandic genannte Isländisch der Band Sigur Rós.
Newspeak aus 1984 von George Orwell nimmt eine Sonderrolle ein, da es der Begriff als Synonym für eine euphemistische Sprachverstümmelung bis in die Alltagssprache geschafft hat.
Spielsprachen
Spielsprachen, also spielerische Modifikationen vorhandener Sprachen, sind in vielen Regionen sehr beliebt und können auch eine positive Rolle beim Spracherwerb spielen. Sie werden in erster Linie von Kindern verwendet.
Ein bekanntes Beispiel ist Verlan (Umdrehung von l'envers 'umgekehrt'), in dem Silben vertauscht werden. Im Gibberish werden bestimmte Silben eingefügt (z.B. hanafallonofo für 'hallo'). Eine deutsche Variante von Gibberish ist die Löffelsprache. Im Pig Latin wird der Anfang der ersten Silbe ans Ende des Worts gesetzt (z.B. Mattenenglisch Yrreschnee zu Schnurre 'Mund'). Rückwärts Sprechen ist ebenfalls ein an verschiedenen Orten verbreitetes Sprachspiel. Ein weiteres Beispiel ist das weniger bekannte Mätradonisch, das durch die Modifikation meist rumänischer und litauischer Wörter entsteht, und im Rahmen des Mätradonisch-Projektes weiter ausgebaut wird.
Programmiersprachen
Programmiersprachen sind im weiteren Sinne formale Sprachen zur Formulierung von Anweisungen an einen Computer. In der Informatik werden formale Sprachen auch allgemein zur Kodierung von Informationen eingesetzt (beispielsweise XML, RDF).
Man unterscheidet hierbei
- Programmiersprachen im engeren Sinne wie Assembler, Basic, C, Pascal
- Abfragesprachen wie SQL
- Modellierungssprachen wie UML, Petri-Netze, Struktogramme oder eEPKs
- Auszeichnungs- und Formatierungssprachen wie
Die in der Informatik verwendeten Sprachen werden anhand der Mächtigkeit der benötigten Grammatik durch die Chomsky-Hierarchie in vier verschiedene Klassen eingeteilt. Die in der theoretischen Informatik betrachteten Sprachen dienen in der Regel nicht der praktischen Anwendung sondern beispielsweise zur Konstruktion von Beweisen.
Dokumentationssprachen
Dokumentationssprachen sind künstliche Sprachen, die in der Dokumentation zur Indexierung von Dokumenten verwendet werden. Sie zeichnen sich durch ein Kontrolliertes Vokabular aus, so dass Homonyme und Synonyme vermieden werden. Beispiele sind Thesauri, Schlagwortsysteme und Systematiken.
Weblinks
- http://www.interlinguistik-gil.de/
- http://www.langmaker.com/ Conlang Profiles (englisch)
Kategorie:Sprache
!Künstliche Sprache
