Kupferstich
[[Bild:FeuerwehrNuernberg1661.jpg|thumb|right|Kupferstich, 1661; Feuerwehr Nürnberg mit einer Feuerspritze]]
Der Kupferstich gehört zu den grafischen Tiefdruckverfahren. Beim Kupferstich wird das zu druckende Bild mit einem Grabstichel spanabhebend in eine Kupferplatte "gegraben". Die dabei entstandenen Linien nehmen die Farbe auf.
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Geschichte des Kupferstichs
Der Französische Begriff Gravure enthüllt die Herkunft des Kupferstichs. Ursprünglich wurden im Waffen- und Silberschmiedehandwerk Verzierungen damit übertragen und archiviert, da man erkannte, dass man ein spiegelverkehrtes Abbild der Gravur bekam, indem man Farbe in die Vertiefungen rieb und mit einem angefeuchteten Papier wieder aus den Vertiefungen zog. Auf diese Weise konnte man das Muster auch auf andere Objekte übertragen. Die ersten Kupferstecher waren daher auch nahezu ausnahmslos Goldschmiede.
Die Kupferstichtechnik wurde wahrscheinlich um 1430 im oberdeutschen Raum erstmalig angewendet. Anders als der Holzschnitt entwickelte sich der Kupferstich unabhängig vom Buch, da sich sein Tiefdruckverfahren zu dieser Zeit nur schwer mit dem Hochdruck der Buchstaben verbinden ließ. Statt dessen wurden die ersten Kupferstiche für Wallfahrtsdevotionalien und als Muster für Entwurfsmodelle für Spielkarten, Zierbuchstaben u.ä. verwendet.
Die meisten frühen Kupferstiche sind Kopien anderer Kunstwerke, wie etwa Gemälde und Skulpturen. Die kunsthistorische Bedeutsamkeit des Kupferstichs ist deshalb auch darin zu sehen, dass mit dieser relativ preisgünstigen Reproduktionstechnik Bildideen und Bildmotive rasch im europäischen Raum Verbreitung fanden. Im Laufe des 15. Jahrhunderts entdeckten Maler aber auch zunehmend die Technik des Kupferstichs als eigenständiges Ausdrucksmittel. Der erste bedeutende Kupferstecher war Martin Schongauer, der einen so herausragendenen Ruf hatte, dass der junge Albrecht Dürer bei ihm in die Lehre gehen wollte und der junge Michelangelo nach seinen Werken kopierend zeichnete. Wie beim Holzschnitt auch war es Dürer, der die Kunst des Kupferstichs revolutionierte und perfektionierte und Meisterwerke wie "Ritter, Tod und Teufel" und "Melencolia I" schuf.
Im 16. Jahrhundert rationalisierten geschäftstüchtige Verleger den Kunstbetrieb. Es entstand eine großmaßstäbliche Produktionsweise, in der Zeichner, Stecher und Verleger eng zusammenwirkten und Blätter unterschiedlicher Genre für verschiedene Kaufinteressenten verbreiteten. So fertigte z.B. der Zeichner Friedrich Bernhard Werner Anfang des 18. Jahrhunderts für einen Augsburger Kunstverleger mit viel Erfolg Ansichten zahlreicher europäischer Städte, die als Kupferstiche in Produktion gingen. Erst die Weiterentwicklung des Holzschnitts zum Holzstich durch Thomas Bewick gegen Ende des 18. Jahrhunderts löste den Kupferstich als vorrangige Reproduktionstechnik ab, da der Holzstich die wirtschaftlichere Technik war.
1711/12 gelangte die Technik des Kupferstichs auch nach China, als der Franziskaner und Missionar Matteo Ripa vom chinesischen Kaiser Kangxi (1662 - 1722) beauftragt wurde, u.a. die kaiserliche Sommerresidenz Jehol, 250 km nördlich von Peking gelegen, in Kupferstichen abzubilden. Die Kupferstiche dieser Gartenanlage, die Matteo Ripa bei seiner Rückkehr am 11. September 1724 nach London mitbrachte, beeinflussten die Umgestaltung des englischen Landschaftsgartens.
Die Technik des Kupferstichs
Die Oberfläche einer 1 bis 3 Millimeter starken Kupferplatte wird vor der Gravur sorgfältig geschliffen, glatt poliert und anschließend mit einer dünnen Firnis-, Kreide, Ruß- oder Wachsschicht überzogen. Auf diese vorbereitete Fläche wird die seitenverkehrte Zeichnung übertragen und mit einer Grabstichel Linie für Linie in das Metall eingeschnitten. Die beiderseits der Linie entstehenden Grate werden (im Unterschied zur Kaltnadeltechnik) entfernt. Die erwärmte Platte wird eingefärbt, wobei durch die Erwärmung die Druckerschwärze bis in die feinsten Linien dringt, und anschließend wieder gesäubert, so dass nur noch in den Linien Farbe zurückbleibt. Schließlich erfolgt der Druck mit einer Presse, indem das angefeuchtete Papier die Farbe aus den Vertiefungen aufnimmt.
Da größere Flächen nicht aus der Metallplatte herausgestochen werden können - wie etwa beim Holzschnitt -, müssen zahlreiche, dicht beisammenstehende Linien eine flächenähnliche Wirkung erzielen. Während der harte Kontrast zwischen Hell und Dunkel ein typisches Merkmal des Holzschnitts ist, erlaubt der Kupferstich durch die Feinheit der Striche, durch die fließende Übergänge möglich sind, eine differenzierte Wiedergabe des Dargestellten. Damit ist ein Detailreichtum möglich, der - verglichen zum Holzschnitt - eine größere Formenvielfalt erlaubt.
Die Technik ist sehr arbeitsaufwendig. Für das berühmte Blatt "Ritter, Tod und Teufel" benötigte Albrecht Dürer mehr als ein Vierteljahr.
Kupferstich in der Kunst
Die Blütezeit erlebte der Kupferstich im Barock. Peter Paul Rubens beschäftigte eine große Anzahl Kupferstecher, die Kopien seiner Gemälde anfertigten. Diese wurden zu Katalogen gebunden und in ganz Europa vertrieben, um für seine Werkstatt zu werben. Weitere bedeutende Kupferstecher waren:
- Heinrich Aldegrever
- Jost Amman
- Gian Giacomo Caraglio
- Daniel Chodowiecki
- Albrecht Dürer
- Francisco Goya
- Käthe Kollwitz
- Lucas van Leyden
- Israhel van Meckenem
- Matthias Merian
- Marcantonio Raimondi
- Rembrandt
- Martin Schongauer
- Christoff Weigel
Erkennungsmerkmale eines Kupferstichs
Neben den allgemeinen Erkennungsmerkmalen des Tiefdrucks weist der Kupferstich folgende Merkmale auf:
- Keine Tonabstufungen, sondern nur Punkte und Linie
- Parallelität der Strichführung, Schraffursysteme (während beispielsweise die Radierung frei in der Linienführung ist)
- unter der Lupe ist erkennbar, dass der Strich in einer haarfeinen Linie beginnt, anschwillt und wieder in einer feinen Linie endet (so genannte Taille oder schwellende Linie)
- der Strich hat glatte Ränder (und unterscheidet sich dadurch vom Strich in der Radierung, der rauhe Ränder hat)
- der Strich zeigt keine Verschattungen (wie beispielsweise bei der Kaltnadeltechnik).
Kupferstich in der Sprache
Aus diesem Metier stammt auch die Redewendung "Mein lieber Freund und Kupferstecher".Diese wurde geprägt von dem Dichter Friedrich Rückerts (1788 - 1866), der dies als Anrede in den Briefen an seinen Freund Carl Barth benutzte, der von Beruf Kupferstecher war. Desweiteren der Begriff abkupfern.
Siehe auch
Literatur
- Walter Koschatzky; Die Kunst der Graphik, München 1977
- Lothar Lang; Der Graphiksammler, Berlin 1979
- Cossmann, Alfred, "Die Magie des Kupferstichs", Wien 1947
- Wolfgang Autenrieth Techniken der Radierung und der Edeldruckverfahren -Tipps, Tricks, Rezepte und Anleitungen - ein alchemistisches Online-Werkstattbuch, 2005, Rezepturen zu Abdecklacken, Weichgründen, Ätzmitteln, lichtempfindlichen Beschichtungsverfahren, umfangreiches Chemikalienverzeichnis mit Übertragung historischer Bezeichnungen in heute gebräuchliche Namen und SEHR umfangreiche Literaturliste. Buch mit 220 Seiten A4, davon 100 Seiten online.
