Kurmandschi

Bei Kurmandschi (kurdisch: kurmancî) handelt es sich um einen kurdischen Dialekt, der im türkischen, syrischen, irakischen, iranischen Kurdistan, in Armenien, Khorasan (Nordost-Iran), Libanon und in einigen ehemaligen Sowjetrepubliken gesprochen wird.

Es bestehen Unterschiede in Aussprache, Wortschatz und Grammatik zum am zweithäufigsten gesprochenen Dialekt, dem Sorani, das gewöhnlich mit arabischen Schriftzeichen geschrieben wird.

Inhaltsverzeichnis

1 Grammatik

2 Weblinks

Politische Situation der Sprache

Kurmandschi wird hauptsächlich auf dem Territorium der Türkischen Republik gesprochen, in der seit der Staatsgründung durch Kemal Atatürk bis ins 21. Jahrhundert hinein die legale Verbreitung und Pflege oder gar ein Studium der kurdischen Sprache staatlicherseits unmöglich gemacht wurde. Erst seit kurzem zeichnen sich im Zuge der Vorbereitungen auf eine mögliche EU-Mitgliedschaft der Türkei leichte Verbesserungen ab. Nicht nur durch die langjährige Unterdrückung ist eine mögliche Annäherung der vielen Mundarten – etwa durch den Einfluss über Radio und Zeitungen verbreiteten hochkurdischen Schriftsprache – unterblieben, schlimmer noch: Die radikalen Umbrüche der neueren Gesellschaftsentwicklung gingen fast spurlos an den nordkurdischen Dialekten vorüber, was dazu führte, dass sie weder von ihrer lexikalischen noch der strukturellen Spannweite her die soziopolitischen Realitäten des modernen gesellschaftlichen Lebens angemessen ausdrücken können.

Kurmandschi als Literatursprache

Ab 15. Jahrhundert findet man geschriebene Literaturstücke in diesem Dialekt. Einige ganz wichtige Werke von diesen sind z.B. Elîyê Herîrî (1425–1495), Feqîyê Teyran (1590–1660), Melayê Cizîrî (1570–1640) und Ehmedê Xanî (1650–1707).

Kurmandschi ist der am weitesten verbreitete Dialekt der kurdischen Sprache. Er wird in Syrien fast ausschließlich, in der Türkei deutlich überwiegend und teilweise im Irak und Iran benutzt. Kurmandschi wird seit den 1930er Jahren mit lateinischen Buchstaben geschrieben. Das Alphabet ist an das türkische angelehnt.

Grammatik

Das Kurmandschi-Alphabet besteht aus 31 Buchstaben, deren Aussprache weitgehend mit der Schreibung korrespondiert. Davon sind acht Vokale (a e ê i î o u û), 23 Konsonanten (b c ç d f g h j k l m n p q r s ş t v w x y z).

Kleinbuchstaben: abcçdeêfghiîjklmnopqrsştuûvwxyz
Großbuchstanben: ABCÇDEÊFGHIÎJKLMNOPQRSŞTUÛVWXYZ

Daneben gibt es im Kurmandschi noch den Dipthong XW.

Casusformen

Das Kurmandschi unterscheidet nur zwei Fälle, nämlich den Subjektfall (Casus rectus) und den Objektfall (Casus obliqus). Der Casus rectus ist der deutsche Nominativ, während der Casus obliqus den Genetiv, den Dativ, den Akkusativ und den Lokativ wiedergibt.

Casus rectus der Personalpronomen:

Ez Ich
Tu Du
Ew Er/Sie/Es
Em Wir
Hûn Ihr
Ew Sie

Casus obliqus der Personalpronomen:

Min Meins, mir, mich
Te Deins, dir, dich
Wi Seins, ihm, ihn
Ihrs, ihr, ihr
Me Unsers, uns, uns
Ew Euers, euch, euch
Wan Ihrs, ihnen, sie

Ezafe

Wenn ein Wort näher bestimmt wird, so wird dem Wort ein Ezafe(Anhängung) angehängt.

Bspl:

Dieses Ezafe gibt es im Singular für männliche und für weibliche und im Plural nur in einer Form. Darüber hinaus, gibt es auch ein Casus rectus und ein Casus obliqus des Ezafe.

Ezafeformen im Casus rectus

Männlich Singular Weiblich Singular Plural
e a en

Beispiele:

Ezafeformen im Casus obliqus

Männlich Singular Weiblich Singular Plural
i e an

Das Ezafe im Casus obliqus wird benötigt, um Substantive in den Casus obliqus zu setzen Beispiele:

Präsens

Das Präsens wird im kurdischen durch das Anhängen eines Präfixes di- und der Personalendung gebildet.

Beispiel:

Futur

Für das Futur wird anstatt di- das Präfix bi- benutzt. Darüber hinaus wird dem Substantiv eine Endung angehängt, die aber unbetont ist. Meistens ist es -e,dann -de und -we.

Beispiel:

Ergativ

Das Kurmandschi ist eine der wenigen indogermanischen Sprachen, die für die Vergangenheitsbildung das Ergativ benutzen. So wird der Agens bei transitiven Verben nicht mit dem Casus rectus, sondern mit dem Casus obliqus gebildet.

Beispiel:

Dagegen heißt

Das deshalb, weil gehen ein intransitives Verb ist

Weblinks

See also: Kurmandschi, 15. Jahrhundert, 21. Jahrhundert, Agens, Akkusativ, Alphabet, Armenien, Dativ, Ergativ, Europäische Union