Kurzwellenrundfunk

Der Begriff Kurzwellenrundfunk bezeichnet Rundfunk, der drahtlos über Kurzwelle verbreitet wird.

Inhaltsverzeichnis

Internationaler Rundfunk

Kurzwellensignale besitzen auf Grund ihrer sehr guten Reflexionseigenschaften an der Ionosphäre eine sehr große Reichweite. Rundfunksender, die auf Kurzwelle senden, können bei geschickter Frequenzwahl auf der ganzen Welt empfangen werden.

Wegen der großen Reichweite von Kurzwellensignalen war - und ist teilweise immer noch - der Kurzwellenrundfunk in erster Linie die Domäne nationaler Sender, die der medialen Darstellung ihres jeweiligen Landes im Ausland dienen, sowie der Information von im Ausland lebenden Bürgern des eigenen Landes.

In Deutschland hat diese Aufgabe die Deutsche Welle. In Österreich wurde im Frühjahr 2003 der Auslandsdienst Radio Österreich International vom Österreichischen Rundfunk unter großem Protest der Hörer eingestellt. Seitdem werden Teile des Inlandprogramms Ö1 auf Kurzwelle übertragen. Wie geeignet solche Übernahmen aus dem Inlandsprogramm für Hörer im Ausland sind, bleibt fraglich. Auch die Schweiz stellte ihren Auslandsdienst Schweizer Radio International Ende Oktober 2004 ein. Stattdessen wird eine Internetpräsenz www.swissinfo.org mit Nachrichten und Berichten angeboten. In der internationalen Medienlandschaft ist jedoch umstritten, ob eine Nachrichtenplattform im Internet als Ersatz für Rundfunksendungen dienen kann.

Als Gründe für die Einstellung werden häufig hohe Kosten und eine schlechte Klang-Qualität genannt. Kurzwellensender haben häufig eine Sendeleistung von 100 kW (ERP), bis hin zu 500 kW. Eine Alternative bietet allerdings die digitale Modulation von Kurzwellensignalen die vom Digital Radio Mondiale (DRM) Konsortiums gefördert wird.

Zielgruppen und Programm-Auftrag des internationalen Rundfunks sind im Folgenden beschrieben:

In einer Reihe von Ländern ist der Kurzwellenrundfunk auch für die nationale Rundfunkversorgung von großer Bedeutung. Folgende Gründe gibt es dafür:

Die Aussendung von Rundfunksendungen über Satelliten und das Internet hat die Bedeutung des Kurzwellenrundfunks in Europa, Nordamerika und Australien stark zurückgedrängt. So haben gar einige Auslandssender ihr Kurzwellenprogramm für diese Zielgebiete zum Teil ganz eingestellt, wie zum Beispiel der BBC World Service für Nordamerika

Neue Medienanalysen zeigen jedoch, dass viele Kurzwellenhörer nicht auf das Internet umgestiegen sind. Gegenüber der Kurzwelle weist das Internet eine größere Trägheit auf. Internet-Zugänge sind ortsgebunden und nicht zuletzt durch gestiegene Kosten für Flatrates und der anfallenden Online-Kosten auch recht teuer. Die Flexibilität und Mobilität eines Weltempfängers oder eines Transistorradios mit Kurzwellen-Band kann ein Internetzugang oder eine Satelleitenempfangsanlage nicht bieten.

Rundfunkbänder im Kurzwellenbereich

Meterband Frequenzbereich Bemerkung
120 m 2.300 - 2.495 kHz Tropenband
90 m 3.200 - 3.400 kHz Tropenband
75 m 3.900 - 4.000 kHz nicht in Amerika
60 m 4.750 - 5.060 kHz Tropenband
49 m 5.900 - 6.200 kHz weltweit
41 m 7.100 - 7.300 kHz nicht in Amerika
41 m 7.300 - 7.350 kHz weltweit
31 m 9.400 - 9.900 kHz weltweit
25 m 11.600 - 12.100 kHz weltweit
22 m 13.570 - 13.870 kHz weltweit
19 m 15.100 - 15.800 kHz weltweit
16 m 17.480 - 17.900 kHz weltweit
15 m 18.900 - 19.020 kHz weltweit
13 m 21.450 - 21.850 kHz weltweit
11 m 25.600 - 26.100 kHz weltweit

Im Gegensatz zu heimischen UKW-Sendern, die rund um die Uhr auf einer festen Frequenz senden, müssen Kurzwellensender ihre Frequenzen mehrmals am Tag ändern. Der Grund ist die Abhängigkeit der Ausbreitungsbedingungen der Kurzwellensignale von der Tages- und Jahreszeit.

Aus diesem Grund sind für Rundfunksendungen auf Kurzwelle bestimmte Frequenzbereiche - auch Frequenzbänder oder Meterbänder genannt - vorgesehen, die über den gesamten Kurzwellenbereich verteilt sind. Die Frequenzen in diesen Bereichen können von den Rundfunksendern in einem 5-kHz-Raster benutzt werden. Nicht alle Sender berücksichtigen jedoch diese reservierten Wellenbereiche exakt, sodass Störungen mit anderen Funkdiensten auftreten können. Die nebenstehende Tabelle gibt einen Überblick über alle Rundfunkbänder im Kurzwellen-Bereich.

Die Rundfunkbänder sind nach Wellenlängen benannt. So entspricht zum Beispiel die Frequenz 6.100 kHz ungefähr einer Wellenlänge von 49 Metern. Daher wird der Frequenzbereich von 5.900 kHz bis 6.200 kHz 49-Meterband genannt. In den Abendstunden können auf dem 49-Meterband fast alle europäischen Auslandssender empfangen werden. So wird das 49-Meterband häufig auch Europaband genannt.

Kurzwellenrundfunk als Propagandainstrument und freie Informationsquelle

Wegen seiner großen Reichweite spielte der Kurzwellenrundfunk auch im Zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle. Einerseits diente er als Propagandainstrument, andererseits war das - damals bei Strafe verbotene - Abhören so genannter "Feindsender" für viele Deutsche die einzige Quelle für unbeschönigte Informationen über den Kriegsverlauf und über die Gräuel der Nazi-Diktatur. Um den Empfang ausländischer Sender zu unterbinden, wurde der spezielle Volksempfänger VE301 verkauft. Diese Radiogeräte konnten nur bestimmte voreingestellte Frequenzen von lokalen Sendern empfangen, sodass der Empfang ausländischer Sender nicht möglich war. Im Volksmund wurde diese Radiogeräte auch Goebbels Schnauze genannt.

Die Rolle des Kurzwellenrundfunks wandelte sich in der Zeit des Kalten Krieges, als über die Kurzwelle die jeweils gegnerische Seite Propagandasendungen in ihrer Landessprache empfangen konnte. Derartige Sender waren zum Beispiel die aus US-amerikanischen Quellen finanzierten Sender Radio Free Europe/Radio Liberty, die antikommunistische Sendungen in osteuropäischen Sprachen ausstrahlten. Das Hören ausländischer Sendungen war in den ehemals kommunistischen Ländern bei Strafe verboten. Die Sendungen wurden von Störsendern, die ein Rauschen (so genanntes Jamming) auf den benutzten Kurzwellen-Frequenzen ausstrahlten, gestört. Dies gilt als Verstoß gegen das Menschenrecht auf freie Wahl der Informationsquelle. Auch Sender wie die Deutsche Welle, die Voice of America und der BBC World Service wurden gestört.

Eine weitere Möglichkeit den Empfang von ausländischen Radiosendern zu stören besteht darin, nationale Sender auf den Frequenzen unliebsamer Sender zu betreiben. So sendeten einige kubanische Radiostationen ihr Inlandsprogramm auf Frequenzen von Radio Martí und anderen populären Mittelwellen-Station aus Florida, um den Empfang in Kuba zu erschweren. Im Irak benutzte der Inlandsdienst von Radio Bagdad einige der Kurzwellen-Frequenzen von Radio Sawa, dem arabischprogramm der Voice of America.

Kurzwellenrundfunk heute

Die Kurzwelle bietet auf Grund ihrer besonderen Ausbreitungsbedingungen die Möglichkeit, Radiosendungen aus jedem Land der Erde zu empfangen. So bieten diese Sendungen den Vorteil, Nachrichten direkt aus erster Quelle zu erhalten - nicht zitiert oder referiert, wie es in den heimischen Medien der Fall ist. Dies ist ein besonderer Reiz des Kurzwellenempfangs.

So ist es zum Beispiel möglich über Kurzwelle live die Atmosphäre eines emotionsgeladenen südamerikanischen Fußballspiels zu erleben, oder die neuesten Nachrichten und Musik aus Ländern zu hören, die nur selten in den heimischen Medien erwähnt werden.

Heute senden Radiostationen aus über 30 Ländern deutschsprachige Programme. Es handelt sich meist um Informations- und Unterhaltungsprogramme mit einer Dauer von 1/2 bis einer Stunde, die in den Abendstunden nach Europa gesendet werden. Aus über 200 Ländern sind englischsprachige Sendungen zu hören.

Kurzwellenempfang als Hobby

Im deutschsprachigen Raum betreiben viele Leute den Kurzwellenempfang als Hobby - mehr als 4000 Hörer sind sogar in Kurzwellen-Hörerklubs organisiert. Der Empfang von weit entfernten lokalen Radiosendern wird als DXen bezeichnet. Kurzwellenhörer können Empfangsberichte an die Rundfunkanstalten schicken und sich den Empfang mit QSL-Karten bestätigen lassen. Diese Karten dienen dem Nachweis des Empfangs. Die interessante und vielfältige Aufmachung der Karten macht sie zu beliebten Sammlerobjekten. Mit solchen Karten werden auch Fernempfänge auf anderen Wellenbereichen, wie Mittel- und Langwelle bestätigt.

  S I N P O
  Signalstärke Interferenz Rauschen Ausbr.-Stör. Gesamtbewertung
  Strength Interference Noise Propagation Overall Merit
5 sehr stark keine keine keine sehr gut
4 stark gering gering gering gut
3 mittel mittel mittel mittel mittel
2 schwach stark stark stark schlecht
1 sehr schwach sehr stark sehr stark sehr stark unbrauchbar

Zur Beurteilung der Empfangsqualität wird in Empfangsberichten häufig der SINPO-Code verwendet. Dies ist ein Zahlencode, der die Signalstärke und Störungen durch Interferenzen, Nebengeräusche oder Schwund beschreibt.

Mit S wird die Signalstärke bezeichnet. Ein Wert von S=5 bedeutet Ortssenderqualität, wie sie bei Kurzwellensendungen nur recht selten auftritt. S=1 bedeutet, dass gerade noch ein Rundfunksignal zu erkennen ist, ohne dass Sprache oder Musik zu verstehen wäre. Der Wert I bezeichnet die Interferenz eines Rundfunksignals. Interferenzen sind Störungen, die durch benachbarte Rundfunksender oder Funkdienste auftreten können. Als Nebengeräusche N werden Störungen natürlichen Ursprungs, wie Gewitter oder atmosphärische Störungen zusammengefasst. Mit P werden Ausbreitungsbedingungen beurteilt. Hierbei handelt es sich um Schwunderscheinungen, die sich meist durch Schwankungen in der Signalstärke bemerkbar machen. Die Gesamtbewertung O ist eine zusammenfassende Bewertung des Kurzwellensignals.

Alternativ wird der SIO-Code verwendet, der eine weniger detaillierte Beschreibung liefert. Diese Art des Empfangsberichts benutzten DXer für Berichte an große Auslandssender. An kleinere Lokalsender wird der Empfang meist in Form eines persönlichen Berichtes verfasst. Die Bewertung ist in nebenstehender Tabelle zusammengefasst.

Internationale Rundfunksender sind auf einen engen Kontakt zu ihren Hörern angewiesen. So ist dies die einzige Möglichkeit eine Resonanz, auf ihre Sendungen erhalten. Oft pflegen Hörer wie Sender per Post oder neuerdings per E-Mail ein freundschaftliches Verhältnis untereinander und legen ihrer Korrespondenz gelegentlich kleine Souvenirs wie Aufkleber oder Wimpel bei.

Digitale Kurzwelle

Der UKW-Hörfunk hat auf Grund der verwendeten Frequenzmodulation (FM) eine deutlich bessere Empfangsqualität, als die im Kurz-, Mittel- und Langwellenbereich verwendete Amplitudenmodulation (AM). Mit der weltweit zunehmenden Verbreitung von FM-Sendern, auch in abgelegenen Gebieten, gewinnt diese Modulationsart eine deutlich größere Popularität als Sendungen im AM-Bereich. So war die Anzahl der Kurzwellensendungen in den letzten Jahren leicht rückläufig. Um die Empfangsqualität der Sender zu optimieren möchte man sich zukünftig der digitalen Kurzwelle bedienen.

Am 16. Juni 2003 ging auf der Weltradiokonferenz (WRC) in Genf das Digital Radio Mondiale (DRM) in den Regelbetrieb. Nach und nach senden nun einige Kurzwellensender zusätzlich digitale Ausstrahlungen zum herkömmlichen AM-Rundfunk. Auf der Internationalen Funkausstellung Berlin 2003 wurden erstmals digitale Empfänger mit DRM-Decodierung vorgestellt.

Auswahl einiger Kurzwellensender

Internationale Auslandssender

Nationale Sender auf Kurzwelle

US-amerikanische Auslandssender

Missionssender/Religiöse Programme

Ehemalige Auslandssender

Siehe auch

Kurzwellensender, Portal Hörfunk, Liste bekannter Sendeanlagen, Weltempfänger, Wellenplan

Literatur

Weblinks

Auswahl leicht empfangbarer Kurzwellensender

Auswahl von Kurzwellen-Hörerklubs

See also: Kurzwellenrundfunk, 2003, Adventist World Radio, Amplitudenmodulation, Aufkleber, BBC World Service, DXen, Deutsche Welle, Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur