La Follia
Bei La Follia, ursprünglich: "Follia di Spagna" bzw. "Folies d'Espagne" (Follia = ital.: Torheit, aber auch Scherz; folla = span. Menge; in manchen Quellen - z. B. Meyers Handbuch der Musik 1971 - auch: Folia, also ital.: Blatt; letztendlich kann die ursprüngliche Bedeutung wohl nicht mehr geklärt werden), handelt es sich wohl ursprünglich um einen portugiesischen Tanz (Francisco Salinas: De Musica 1577), der sich zu einem Variationen-Satz im Sarabanden-Dreiertakt entwickelte.
Bei der Follia hat das Harmonieschema, also die Basslinie, eine größere Bedeutung als die Melodie; die Follia gehört daher im weitesten Sinne zu den Passacaglien bzw. Chaconnen.
Wegen ihres ungezügelten Charakters soll die ursprüngliche Follia immer wieder verboten worden sein. Gegen die gleichen Harmoniefolgen der Gitarristen ohne eigentliche Melodie setzten die Musik für Tasteninstrumente und die Orchestermusik brillante Variationsketten zu einem im 17. und 18. Jahrhundert vielfach verwendeten Thema oder Rhythmus. Diese Variationen sind oft sehr virtuos, dagegen ist der wilde Charakter der frühen Folia weitgehend verloren gegangen. La Follia breitete sich in der Barockzeit über ganz Europa aus. Viele bedeutende Komponisten des 17. und 18. und 19. Jahrhunderts benutzten die Follia bzw. deren Harmonie- und Rhythmusschema für Variationensätze: Farinelli, Antonio Vivaldi (op. 1), Arcangelo Corelli, Johann Sebastian Bach (Bauernkantate), Carl Philipp Emanuel Bach (Wq 118 Nr. 9), Marin Marais, Giovanni Antonio Pandolfi Mealli, Francesco Geminiani, Domenico Gallo, Giovanni Reali, Reinhard Keiser, Luigi Cherubini, Ludwig van Beethoven (7. Symphonie, 2. Satz), Antonio Salieri, Franz Liszt (Rhapsodie espagnole), Sergej Wassiljewitsch Rachmaninow und andere.
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Corellis Follia
Die wohl bekanntesten Follia-Variationen sind diejenigen von Arcangelo Corelli (1653 - 1713). Es handelt sich dabei um ein Variationsreihe mit wechselnden Tempi für die Violine mit Generalbassbegleitung. Populärer ist jedoch die Fassung für Blockflöte und b.c., die z.B. durch Aufnahmen mit Frans Brüggen bekannt wurde. Die Follia in der Blockflötenfassung erschien 1702 bei Walsh in London. Eine Überarbeitung dieses Werks durch Hans-Martin Linde ist bei B. Schott's Söhne, Mainz, erhältlich (OFB121).
Bei der Follia für Blockflöte handelt es sich um eine zeitgenössische Bearbeitung des Werkes Corellis, die von der Vorlage abweicht, also kein authentisches Werk Corellis. Francesco Geminiani arrangierte das Werk als Concerto grosso, Max Reger orchestrierte es, Sergei Rachmaninow wählte das Thema als Ausgangspunkt eines eigenen Variationenwerks
Notenbeispiel
thumb|center|500px|Grundmotiv und erste Variation
Salieris Follia
Im Dezember 1815 verfasste der 65jährige Wiener Musikpatriarch Antonio Salieri (1750 - 1825) seine 26 Variationen über "La Follia di Spagna" für großes Orchester. Die Premiere des Werkes fand jedoch erst im Dezember 1818 in einem Konzert zu Gunsten der Witwen und Waisen der Wiener Tonkünstlersozietät statt.
Salieris Variationen stellen sehr wahrscheinlich die ersten reinen Orchestervariationen vor Johannes Brahms´ berühmten "Haydn-Variationen" op. 56a (1873) dar. Das Werk ist beinahe im Geiste einer Orchestrierungsstudie angelegt, eventuell hat Salieri dieses Projekt aus pädagogischen Gesichtspunkten heraus im Sinne einer "klingenden Instrumentationslehre" konzipiert.
Die 26 kurzen Variationen halten sich relativ eng an das Thema, der instrumentatorische Aspekt steht immer im Vordergrund. Bemerkenswert sind der Einsatz der Harfe und der Solovioline, der ausgesprochen virtuose Passagen "à la Paganini" anvertraut werden. Einzelne Variationen werden im Sinne von kurzen, charakteristischen Tanzsätzen gestaltet (hierunter finden sich u.a. Seguidilla, Siciliano oder Saltarello), andere wiederum thematisieren imitatorische Formen wie z.B. den Kanon. Auffallend ist bei allen Variationen ein dialogisierendes Prinzip, das konsequent durchgehalten wird.
Literatur
- Salinas, Francisco: De musica. - Kassel : Bärenreiter, 1968 <Repr. d. Ausg. Salmanticae 1577>
- Herrmann, Timo Jouko: Eine klingende Instrumentationslehre - Antonio Salieris "26 Variationen über La Follia di Spagna". - Mannheim: Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, 2003/04 <Diplomarbeit>
