La-Tène-Zeit

Die La-Tène-Zeit oder La-Tène-Kultur (5. Jahrhundert v. Chr.1. Jahrhundert v. Chr.) ist eine Epoche der keltischen Kultur der jüngeren vorrömischen Eisenzeit, die in starkem Maße mediterrane (Griechische/ etruskische) Einflüsse aufgenommen hat.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung und Charakteristik

Als La-Tène-Zeit bezeichnet man die materielle Kultur der mittleren und jüngeren Eisenzeit in Mitteleuropa (bis zum Nordrand der Mittelgebirge) (ab ca. 480 v. Chr. bis 40/0 v. Chr., je nach Region). Sie entwickelte sich aus der nordwestalpinen Hallstattkultur unter Einfluss aus dem mediterranen Raum als eigenständige Kunst- und Kulturform, die mit den im 5. Jahrhundert in griechischen Quellen genannten Kelten identifiziert wird.

Als charakteristisch können vor allem die keltischen Kunstformen gelten.

Der Bestattungsritus war sowohl regional und auch zeitlich unterschiedlich. Im Westen und Süden des Verbreitungsgebiets herrscht zunächst die Leichenbestattung vor, im Norden und Osten Leichenverbrennung. In einigen Regionen konnte darüber hinaus für eine gewisse Zeit (wahrscheinlich im 4. Jahrhundert v. Chr.) auch ein Nebeneinander von Körper- und Brandbestattung nachgewiesen werden.

Durch die weite Verbreitung und die regionalen Unterschiede kann kein „allgemeingültiger“ Abriss der La-Tène-Kultur und ihrer Sitten gegeben werden. Es ist vielmehr notwendig, verschiedene Regionen gesondert zu betrachten.

Die La-Tène-Zeit wird in der Literatur häufig in drei Zeitabschnitte unterteili:

  1. Frühlatène (auch La Tène I oder La Tène A und B): 500 v. Chr. bis 300 v. Chr
  2. Mittellatène (auch La Tène II oder La Tène C): 300 v. Chr. bis 100 v. Chr
  3. Spätlatène (auch La Tène III oder La Tène D): 100 v. Chr. bis vor dem Jahr 0

Verbreitung

Kulturelle Elemente der La-Tène-Zeit werden in Frankreich, der Schweiz, Österreich und im mittleren und westlichen Deutschland gefunden. Abwandlungen kommen gelegentlich auch in Nord- und Ostdeutschland vor. Einzelne Einflüsse reichen weiter auf den Balkan.

Quellenlage

Unser Wissen um die Latènekultur schöpft aus drei Quellen:

Geschichte

Die La-Tène-Kultur entwickelten sich unter mediterranem Einfluss seit Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr.. Währen der späten Hallstattkultur sind immer häufiger griechische und etruskische Importe nördlich der Alpen festzustellen. Während diese zunächst während der Späthallstattzeit auf die sogenannten Fürstengräber beschränkt bleiben, kommt es während der Frühlatènzeit zu einer eigenständigen Umbildung der Einflüsse, die nun auch die Unterschichten erfassen. Kernbereiche dieser Kulturentwicklung sind besonders die Regionen am Nordwestrand der Hallstattkultur, wobei die (Hunsrück-Eifel- und Marne-Mosel-Region) sowie im Osten der Fundort Dürrnberg (Österreich) durch hervorragende Bestattungen auffallen.

In diesen drei Regionen ist die Frühlatènekultur in herausragenden Gräber und anderen Funden des 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. besonders deutlich fassbar. Ab 1994 wurde das Ensemble von Glauberg in Hessen (ca. 30 km nord-östlich von Frankfurt am Main) zum Prototyp eines frühkeltisch-latènezeitlichen "Heiligtums" des 5. Jahrhundert v. Chr.. Neben zwei Prunkbestattungen mit Goldbeigaben und mutmaßlichen Importen unter einem Grabhügel fanden sich vier lebensgroße Figuren - eine davon fast vollständig - die wahrscheinlich zu einem heiligen Bezirk gehörten.

Im Verlauf der mittleren Latènezeit kommt es zu Ansätzen einer Geldwirstchaft und zur Ausbildunge erster städtischer Siedlungen (sog. oppida). In weiten Teilen des nordalpinen Verbreitungsgebietes der Latènekultur gab es die sogenannten Viereckschanzen, bei denen es sich um befestigte bzw. eingefriedete landwirtschaftliche Gehöfte gehandelt haben dürfte.

Die Latènekultur und die Kelten

Die Späthallstattkultur und die Latènekultur gelten als "keltisch". Der Grieche Herodot bezeugt im 5. Jahrhundert Kelten an den Quellen der Donau. Das ist die Sicht eine Außenstehenden! Ob sich die Einwohner des Kulturbereiches der Späthallstattkultur bzw. der Frühlatènekultur selbst als einheitliches Volk verstanden haben, ist fraglich. Ob die damaligen Sprachgrenzen mit den Kulturgrenzen deckungslgeich waren, können wir mangels datierbarer Sprachzeugnisse nicht wissen.

Nach dem 4. Jahrhundert v. Chr. fanden bei den Kelten große Wanderungsbewegungen statt. Die keltischen Einwanderer in der Po-Ebene Norditaliens plünderten Rom um 390 v. Chr.. Während des 3. Jahrhunderts v. Chr. stießen sie in das Donaubecken bei Daker (Makedonien), Griechenland und Kleinasien (Galatien) vor. Für 281 v. Chr. sind militärische Erfolge der Kelten in Makedonien belegt.

In Frankreich wird die dortige La-Tène-Kultur nach römischer Überlieferung als "Gallier" bezeichnet. Sie hat insoweit einen Sonderstatus, als sie aus römischen Quellen lebendig wird und das "Verschwinden" der rechtsrheinischen Kelten um einige Jahrzehnte überdauert. Die Römer trafen hier seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. auf Kelten. Die anschließenden Kämpfe im Gallischen Krieg zogen sich bis zur Schlacht bei Alesia 52 v. Chr. hin (Vercingetorix).

Im Südwesten Britanniens ist gegen Ende der La-Tène-Zeit Einfluß vom Festland nachweisbar. Nach schriftlichen Quellen sind hier tatsächlich Gallier aus Nordfrankreich eingewandert. Der Rest der britannischen Inselwelt ist jedoch archäologisch nicht zur keltischen Kultur zu zählen.

Das scheinbare "Verschwinden" der Kelten in Mittel- und Süddeutschland im 1. Jahrhundert v. Chr. wird gerne durch die nach Süden vordringenden Germanen erklärt, wobei diese Frage archäologisch noch nicht geklärt ist.

Nach der Errichtung der Rhein- und Donaugrenze durch das Römische Reich (Limes) ging die La-Tène-Kultur in der provinzialrömischen Kultur auf.

Gesellschaft

Grundelemente der Gesellschaftsstruktur waren Clans, die sich zu Volksstämmen zusammenschloßen. Die Führungspositionen wurden überwiegend (aber nicht nur) von Männern eingenommen, insbesondere Stammesführer, Druiden und Barden, deren Führungsposition jedoch stets labil blieben. Frauen hatten dennoch mehr Einfluss als bei den zeitgenössischen Griechen und Römern und waren im wesentlichen gleichberechtigt.

Es gab Polygamie und Polyandrie.

Die mündlichen Überlieferungen der Barden und Druiden trugen wesentlich zur kulturellen Identifikation der losen Verbände bei.

ausgewählte Fundorte

1857 entdeckte Hans Kopp in La Tène im Schweizer Kanton Neuenburg bei Ausgrabungen große Mengen Artefakte, vermutlich Opferbeigaben. Ausgangspunkt der Kultur war jedoch nicht die Gegend um La Tène.

Münsingen, Rain: Gräberfeld

Kunststile

Weblinks

See also: La-Tène-Zeit, 1. Jahrhundert v. Chr., 1857, 2. Jahrhundert v. Chr., 281 v. Chr., 3. Jahrhundert v. Chr., 390 v. Chr., 4. Jahrhundert v. Chr., 40 v. Chr., 480 v. Chr.