Landkreis Gifhorn

Wappen Karte
140px|Wappen fehlt
Wappenabbildung auf ngw.nl
140px|Lage des Landkreises Gifhorn in Deutschland
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Kreisstadt: Gifhorn
Fläche: 1.562,78 km²
Einwohner: 175.111 (30.September 2004)
Bevölkerungsdichte: 112 Einwohner je km²
Kreisschlüssel: 03 1 51
Kfz-Kennzeichen: GF
Kreisgliederung: 41 Gemeinden
Adresse der
Kreisverwaltung:
Schlossplatz 1
38518 Gifhorn
Website: www.gifhorn.de
E-Mail-Adresse: webmaster@gifhorn.de
Politik
Landrat: Marion Lau (SPD)
Karte
Lage des Landkreises Gifhorn in Niedersachsen

Der Landkreis Gifhorn ist ein Landkreis im Osten Niedersachsens.

Er grenzt im Westen an den Landkreis Peine, an die Region Hannover und an den Landkreis Celle, im Norden an den Landkreis Uelzen, im Osten an den Altmarkkreis Salzwedel und an den Ohrekreis in Sachsen-Anhalt und im Süden an den Landkreis Helmstedt und an die kreisfreien Städte Wolfsburg und Braunschweig.

Der Landkreis wird von den Flüssen Aller, Ise und Oker durchquert. Die Ise mündet in der Gifhorner Innenstadt in die Aller und die Oker bei Müden. Bei Edesbüttel zweigt der Elbe-Seitenkanal vom Mittellandkanal ab.

Der tiefste Punkt des Landkreises Gifhorn liegt an der Aller bei Müden (46 m über NN). Der höchste Punkt liegt im Norden des Kreises bei Sprakensehl (124 m über NN). Bis 1972 lag der höchste Punkt noch im damaligen Südosten des Kreises im Höhenzug des Dorm (Elm-Vorland, 182 m über NN).

Inhaltsverzeichnis

Wappen

Wappen des Landkreises Gifhorn

Geschichte

Die Geschichte einer als "Landkreis Gifhorn" bezeichneten Verwaltungseinheit beginnt mit einer preußischen Verwaltungsreform am 1.4.1885, die Vorgänger dieses Territoriums konnten allerdings zum Teil auf eine jahrhundertelange Geschichte zurückblicken.

Der Landkreis seit 1885

Zu dem 1885 gebildeten Kreisgebiet gehörten im wesentlichen der Süden und die Mitte des heutigen Kreises, wobei der Grenzverlauf vor allem im Südosten anders war als heute. Hauptort war bereits 1885 Gifhorn, dabei ist es bis heute geblieben. Mit Verordnung vom 3.9.1932, die am 1.4.1933 in Kraft trat, wurde der gleichfalls 1885 gegründete Kreis Isenhagen dem Kreis Gifhorn angeschlossen. damit kam das weitflächige Gebiet des Nordkreises um Wittingen und Hankensbüttel hinzu, außerdem wurden Heßlingen (mit dem Schloss Wolfsburg) und Hehlingen vom Kreis Gardelegen übernommen.

Als die Stadt Wolfsburg und das dortige Volkswagenwerk gegründet wurden, gehörten sie noch zum Landkreis Gifhorn. Schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg aber wurde Wolfsburg als kreisfreie Stadt ausgegliedert (1.10.1951). Dennoch blieb der Landkreis Gifhorn mit 1604,69 km² einer der damals großflächigsten Landkreise der Bundesrepublik Deutschland und der größte Niedersachsens.

Die Bevölkerungsstruktur hatte sich nach dem Krieg dramatisch verändert. Während auf dem Kreisgebiet (bezogen auf den Gebietsstand nach 1951) im Jahr 1821 nur 31.940 Menschen gelebt hatten und diese Zahl durch Bevölkerungswachstum moderat auf 44.324 (1871), 55.236 (1904) und schließlich 65.739 (1939) gestiegen war, ergab trotz Kriegsverlusten eine Statistik von 1950 die Zahl von 119.281 Einwohnern, darunter 52.075 Vertriebene und Zugewanderte, vorwiegend aus den Ostgebieten.

Der Gebietsstand des Kreises änderte sich abermals zum 1. Juli 1972 mit der niedersächsischen Kommunalreform. Fast der gesamte Südosten mußte abgegeben werden, darunter auch Fallersleben, die zweitgrößte Stadt des Kreises, und der im Elmvorland liegende Hasenwinkel. Der größere Teil dieser Gebiete ging an die Stadt Wolfsburg, ein kleinerer Teil an den Landkreis Helmstedt. Im mittleren Gebiet erhielt der Kreis dagegen Zuwachs durch einige großflächige, aber relativ bevölkerungsarme Gemeinden um Ummern und Parsau. Die mit einer Gebietsreform 1974 in den Landkreis Peine ausgegliederte Gemeinde Didderse wurde nach Widerstand der Bevölkerung 1981 in den Landkreis Gifhorn zurückgegliedert.

In den 1970er Jahren war zeitweise eine zweite Stufe der Gebietsreform beabsichtigt, u.a. war eine Zusammenlegung der Landkreise Gifhorn und Peine mit Verwaltungssitz in Peine in Gespräch. Diese damals recht unpopulären Pläne wurden aber - u.a. nach einem Wechsel der Landesregierung - nicht umgesetzt.

Vorgänger des Landkreises seit 1265


Politik

Historische Wahlergebnisse seit 1920

Die historischen Wahlergebnisse im Kreis Gifhorn unterschieden sich markant von den gesamtdeutschen Ergebnissen. Oft erzielten kleine Parteien, die anderenorts bedeutungslos waren, in Gifhorn sehr hohe Ergebnisse. Die Entwicklung lässt sich in fünf Phasen einteilen. Hierzu liegen zur Zeit nur die Ergebnisse auf Basis der Kreisgrenzen von 1969 vor. Trotz einiger Änderungen lassen sie sich aber mit den heutigen Ergebnissen vergleichen.

1920-1928: Welfen gegen Preußen

Mehr als von den klassischen Gegensätzen zwischen links und rechts oder zwischen Katholiken und Protestanten war Gifhorn von Widerstand der Welfen (Deutsch-Hannoversche Partei) gegen die 1866 erfolgte Annexion durch Preußen geprägt. Aber auch die konservativen Preußen hatten ihre Anhänger, z.B. in der DNVP. 1920 beispielsweise wählte der Kreis zum Reichstag wie folgt: Welfen 48,7 %, SPD 27,9 %, DVP 8,6 %, DNVP 8,2 %. Die Welfen pendelten sich in den Folgejahren bei etwa 36 % ein, die SPD verlor etwas und die DNVP erzielte wechselhafte Ergebnisse zwischen 8,8 und 20,7 %. Im Mai 1924 erzielte die NSDAP bei ihrer ersten Kandidatur gleich einen Erfolg mit 11,9 %, konnte dies Ergebnis aber zunächst nicht halten. Das Zentrum spielte im evangelischen Landkreis nie eine Rolle und blieb immer unter einem Prozent.

1930-1933: Erdrutsch nach rechts

Schon zur Reichstagswahl 1930 wurde die NSDAP stärkste Partei mit 34,2 %. Bei den noch freien Wahlen im April 1932 hatten die Welfen dann fast alle Wähler an die NSDAP verloren, die hier eins ihrer stärksten Ergebnisse in Deutschland erzielte: NSDAP 68,1 %, SPD 14,2 %, Welfen 6,4 %, KPD 5,0 %, DNVP 4,1 %, alle anderen unter 1 %. Bei der Wahl im März 1933 wählten bei einer Rekord-Wahlbeteiligung von 90,0 % gar 73,8 % die NSDAP.

1947-1961: Hohe Ergebnisse für Kleinparteien

Nach dem Krieg hatte sich die Bevölkerung stark verändert. Es waren Vertriebene hinzugekommen. Viele von ihnen wählten lange Zeit eine eigene Partei, den BHE. Dieser hatte sein höchstes Ergebnis bei der Kreistagswahl 1952 mit 31,5 %. Daneben gab es verschiedene Kleinparteien im Spektrum rechts der CDU, nämlich die konservativ-niedersächsiche DP (Deutsche Partei), die Deutsche Reichs-Partei (DRP) und die später verbotene rechtsextreme Sozialistische Reichs-Partei (SRP). Bei der Bundestagswahl 1949 wurde die DP im Landkreis stärkste Partei mit 32,2 % und die DRP zweitstärkste in 29,0 %. Die im Bundestag führenden Parteien folgten abgeschlagen: die SPD mit 24,6 %, Adenauers CDU mit nur 9,1 % und die FDP mit 2,6 %. Bis 1961 verbessern sich diese Parteien immer mehr, die CDU kommt dann bei der Bundestagswahl immerhin auf 39,3 %, im Kreistag aber weiter nur auf Platz 4 in 14,6 %.

1965-1970: Hochburg der CDU

Nach 1961 sammeln CDU und SPD die Wähler der Kleinparteien ein. Da es sich oft um rechtskonservative Menschen handelt, sammelt die CDU mehr, und Gifhorn entwickelt sich zu einer ihrer Hochburgen. Als Deutschland 1969 mit knapper Mehrheit Willy Brandt zum Kanzler wählt, wählt Gifhorn zu 52,1 % CDU, 36,4 % SPD (dennoch damals Rekordergebnis), 6,6 % NPD und 4,4 % FDP.

Seit 1970: langsame Angleichung an den Bundesdurchschnitt

In der Zeit seit 1969 ist zunächst ein überdurchschnittlicher Stimmenanteil der CDU festzustellen, der Landkreis entwickelt sich aber immer mehr in Richtung des Bundesdurchschnitts und sorgt inzwischen für ungewohnt unauffällige Ergebnisse. Trotz der Trends der Vergangenheit bleiben rechte Kleinparteien im Landkreis seit langem erfolglos, selbst dann, wenn sie in der gleichen Wahl anderenorts Erfolg hatten. Bei der Kreistagswahl 1996 schafft eine spezielle Jugend-Wählergruppe, die JAM, den Sprung in den Kreistag. Bei der Kreistagswahl 2001 wählen 47,9 % CDU, 37,6 % SPD, 5,7 % Grüne, 4,7 % FDP, 3,5 % Unabhängige. Gleichzeitig setzt sich mit Marion Lau die SPD-Kandidatin als Landrätin durch. Bei der Bundestagswahl 2002 ist Gifhorn mit Peine, einer SPD-Hochburg, zu einem gemeinsamen Wahlkreis vereinigt. Dies erklärt mit das hohe SPD-Ergebnis, aber auch im Kreis Gifhorn waren seit 2001 Wähler zu SPD und Grünen gewechselt: SPD 51,5 %, CDU 33,6 %, FDP 6,1 %, Grüne 5,8 %, PDS 0,8 %. Als Direktkandidat gewählt wurde Hubertus Heil (SPD). Außerdem sitzt die Gifhornerin Ewa Klamt (CDU bzw. Fraktion der EVP-ED) derzeit im Europäischen Parlament.

Kreistag

Wahl am 9. September 2001:

Derzeitige Sitzverteilung nach Fraktionswechseln: CDU 28, SPD 20, Grüne 2, FDP 2, Unabhängige 2.

Landrätin

Marion Lau, seit 2001.

Das Arbeitszimmer der Landrätin liegt im Schloss Gifhorn. Im Schloss befinden sich nebeneinander Kreisverwaltung, Schlosskapelle, Historisches Museum und eine Justizvollzugsanstalt (Gefängnis). Umgeben ist die Anlage von einem Burggraben.

Seit 2001 gibt es aufgrund der Kommunalverfassungsreform eine einzelne "starke" Spitze des Landkreises, verkörpert in einer von den Bürgern gewählten Person. Marion Lau gewann damals die Wahl gegen den CDU-Kandidaten Dr. Klaus Lemke, der seit 1. August 1976 Oberkreisdirektor gewesen war. 1946-2001 hatte der Landkreis eine "Doppelspitze": der hauptamtliche Oberkreisdirektor leitete die Verwaltung und hatte damit das faktisch einflussreichere Amt, der ehrenamtliche Landrat bildete die politische Spitze. Bis kurz vor Ende des 20. Jahrhunderts waren alle Landräte und Oberkreisdirektoren und auch ihre seit 1564 nachweisbaren Vorgänger, die Kreishauptmänner und Amtmänner, männlich.

Partnerschaften und Patenschaften

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

Es gibt insgesamt fünf offizielle Museen des Landkreises Gifhorn. Im Gifhorner Schloss ist das Historische Museum untergebracht. Ebenfalls in Gifhorn liegt das Kavalierhaus von 1546 mit einer Ausstellung zur bürgerlichen Wohnkultur im 20. Jahrhundert. Die verbleibenden drei Museen liegen im Nordkreis. Das Schulmuseum befindet sich im "Erich-Weniger-Haus" in Steinhorst. Neben der ständigen Ausstellung und Sonderveranstaltungen (u.a. werden Schulstunden im Stil von 1900 für Kinder angeboten) arbeitet das Schulmuseum auch an einer Schriftenreihe, den "Steinhorster Schriften zur regionalen Schulgeschichte und Schulentwicklung" (begonnen 1989, bisher neun Bände). Das Klosterhofmuseum Isenhagen zeigt die Geschichte des 1243 von den Zisterziensern gegründeten und seit der Reformation als evangelischen Damenstift betriebenen Klosters. Ein besonderer Schwerpunkt ist die Geschichte historischer Klostergärten. Hierzu gibt es am Museum einen Mustergarten und ein 1993 publiziertes Kräuterbuch. In der 1203 erstmals erwähnten Burg von Brome ist ein Burgmuseum untergebracht. Aus dem Umkreis des Burgmuseums liegen gleichfalls zahlreiche Publikationen vor: von 1980 bis 2000 sind hier 28 vorwiegend regionalgeschichtliche Werke erschienen.

Vier Museen des Landkreises haben außerhalb ihrer Häuser Museumslehrpfade in der freien Natur eingerichtet.

Neben diesen Museen existieren eine Reihe weiterer Museen und Ausstellungen. Am bekanntesten sind wohl das Mühlenmuseum in Gifhorn und das Otter-Zentrum in Hankensbüttel (siehe auch Otter, Fischotter). Weiterhin hat in Vollbüttel ein Kinomuseum geöffnet, in Dedelstorf-Oerrel ein Jagdmuseum, in Lüben ein "Museum im Dorf".

Siehe auch

Lokale Zeitungen

Städte und Gemeinden

(Fläche in km² und Einwohner am 30.06.2004) Einheitsgemeinden


Samtgemeinden mit ihren Mitgliedsgemeinden

Sitz der Samtgemeindeverwaltung *
  1. Barwedel (19,80 / 1.089)
  2. Bokensdorf (14,49 / 938)
  3. Jembke (14,57 / 1.874)
  4. Osloß (7,64 / 1.984)
  5. Tappenbeck (5,11 / 1.239)
  6. Weyhausen * (7,98 / 2.645)
  • 2. Samtgemeinde Brome
    (203,87 / 15.042)
  1. Bergfeld (10,60 / 960)
  2. Brome, Flecken * (36,66 / 3.350)
  3. Ehra-Lessien (56,08 / 1.604)
  4. Parsau (29,33 / 1.953)
  5. Rühen (30,89 / 4.461)
  6. Tiddische (16,78 / 1.255)
  7. Tülau (23,53 / 1.459)
  • 3. Samtgemeinde Hankensbüttel
    (290,27 / 9.768)
  1. Dedelstorf (76,03 / 1.557)
  2. Hankensbüttel * (34,82 / 4.497)
  3. Obernholz (37,82 / 939)
  4. Sprakensehl (83,82 / 1.325)
  5. Steinhorst (57,78 / 1.450)
  1. Calberlah (27,64 / 5.256)
  2. Isenbüttel * (18,65 / 6.220)
  3. Ribbesbüttel (24,51 / 2.130)
  4. Wasbüttel (6,58 / 1.897)
  • 5. Samtgemeinde Meinersen
    (173,09 / 20.964)
  1. Hillerse (24,11 / 2.602)
  2. Leiferde (27,88 / 4.320)
  3. Meinersen * (53,83 / 8.464)
  4. Müden (Aller) (67,27 / 5.578)
  1. Adenbüttel (13,71 / 1.728)
  2. Didderse (7,41 / 1.360)
  3. Meine * (38,73 / 8.047)
  4. Rötgesbüttel (10,83 / 2.224)
  5. Schwülper (20,90 / 6.603)
  6. Vordorf (19,26 / 3.357)
  • 7. Samtgemeinde Wesendorf
    (209,04 / 14.515)
  1. Groß Oesingen (57,45 / 2.015)
  2. Schönewörde (17,73 / 983)
  3. Ummern (40,32 / 1.571)
  4. Wagenhoff (4,32 / 1.163)
  5. Wahrenholz (57,99 / 3.840)
  6. Wesendorf * (31,23 / 4.943)

gemeindefreies Gebiet (unbewohnt)

Literatur

Weblinks


Gifhorn

See also: Landkreis Gifhorn, 1. August, 1265, 1520, 1528, 1529, 1549, 1564