Lange Kerls

„Lange Kerls“ ist die volkstümliche Bezeichnung für die Soldaten des Königsregiments (Nr. 6) Friedrich Wilhelms I. von Preußen, der sogenannten „Potsdamer Riesengarde“.

Geschichte des Garderegiments

Das Königsregiment (Nr. 6) entstand 1717 aus der Verschmelzung des Regiments zu Fuß Kronprinz mit den seit 1709 bestehenden Roten Grenadieren, wobei letztere das I. Bataillon, erstere die Bataillone II und III bildeten. Die Grenadiere des Königsregiments mußten mindestens 6 Fuß (rheinländisches Maß), also etwas über 1,88 Meter, messen, in der Praxis musste man sich auch mit deutlich kleineren Rekruten bescheiden. Die echten „Riesen“ – wie etwa der Ire James Kirkland mit einer Körpergröße von 2,17 Meter – waren viel bestaunte Ausnahmen. Sie wurden entweder in das 1. Glied der Leibkompanie des Königs eingegliedert oder bei den so genannten „Großen Unrangierten“, einer Abteilung für den Regimentsersatz untergebracht.

Spezialbeauftragte des Preußenkönigs, der dem Königsregiment (Nr. 6) selbst als Regimentschef und Dauerträger der Regimentsuniform vorstand, waren europaweit unterwegs, um großgewachsene Männer durch hohe Handgeldzahlungen – teilweise auch unter Ausübung von Zwang – zur Dienstnahme in Preußen zu bewegen. Diese Art der Rekrutenwerbung, aber auch der Unterhalt der hoch besoldeten Eliteeinheit verschlangen horrende Geldsummen. Dabei hatte die Größe der Soldaten in der „Potsdamer Riesengarde“ durchaus praktische Gründe: von großgewachsenen Männern erwartete man eine bessere Handhabung der möglichst langläufigen Vorderladergewehre.

Im Zuge seiner Thronbsteigung löste Friedrich Wilhelms Sohn Friedrich II. das alte Garderegiment auf und die Soldaten wurden auf andere Einheiten verteilt. Ein Teil der Männer des väterlichen Königsregiments wurde in das Kronprinzenregiment (Nr. 15) eingegliedert, das jetzt als "Neue Garde" die Gardefunktion erfüllte.

Literatur

See also: Lange Kerls, 1717, Friedrich II., Friedrich Wilhelm I. (Preußen), Fuß (Maßeinheit), Vorderlader