Large Binocular Telescope
Das Large Binocular Telescope (LBT, deutsch "großes binokulares Teleskop") ist ein Teleskop mit zwei 8,4-Meter-Spiegeln auf einem Dreitausender in Arizona. Im Oktober 2004 wurde der erste der beiden Spiegel montiert, der zweite wird im Herbst 2005 folgen. Derzeit wird er noch in Tucson poliert.
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Gemeinschaftsprojekt dreier Staaten
Die neue Sternwarte, die in 8-jähriger Bauzeit als Gemeinschaftsprojekt von USA, Deutschland und Italien errichtet wurde, steht auf dem 3200 Meter hohen Mount Graham. Durch die 25%-ige Beteiligung sichern sich die deutschen Astronomen auch ein Viertel der Beobachtungszeit.
Seine volle Leistungsfähigkeit wird das Doppelteleskop etwa im Frühjahr 2007 - nach den nötigen Test- und Justierarbeiten - erreichen. Es wird dann das weltgrößte optische Teleskop sein. Zwar gibt es Teleskope mit größeren Einzelspiegeln und auch optische Interferometer mit größeren Basislinien, jedoch haben bei anderen Interferometern die Spiegel keine gemeinsame Montierung.
Doppelt heisst: Heller, weiter, genauer
Durch die Verwendung von zwei Spiegeln (sie wiegen je 18 Tonnen) anstatt eines einzelnen erreicht man merkliche Vorteile:
- Das Doppelteleskop sammelt gleich viel Licht wie ein 11,8-Meter-Spiegel; es würde bis in 2,5 Millionen km Entfernung (7-fache Monddistanz) noch das Licht einer brennenden Kerze feststellen können.
- Die optische Auflösung des LBT kann mittels Interferometrie auf die eines 22,8-Meter-Spiegels gesteigert werden.
- Mit Hilfe von Interferometrie soll auch das Licht von Zentralsternen quasi ausgeblendet werden, um deren eventuelle Planeten direkt sichtbar zu machen ("Nulling-Interferometrie").
Deutsche Astrophysiker und Kosmologen wollen in Arizona auch einem anderen großen Geheimnis des Universums auf die Spur kommen: Wann die ersten Sterne entstanden sind. Matthias Steinmetz, wissenschaftlicher Vorstand des Astrophysikalischen Instituts Potsdam, rechnet mit einer rein wissenschaftlichen Nutzung frühestens 2006. Zunächst müssen die Teleskop-Komponenten präzise aufeinander abgestimmt werden.
Kosten, Steuerung und erste Messungen
Bau und Instrumentarium kosteten rund 100 Millionen Euro. Insgesamt sind fünf deutsche Institute an dem Projekt beteiligt, die vor allem die Messgeräte entwickelten. Die Italiener bauten die Kameras, die Amerikaner Hard- und Software. Aus deutschen Werkstätten stammt auch das "Gehirn" der Anlage: die Steuerungseinheit, welche die 40 Tonnen der zwei Riesenspiegel auf Bruchteile von Winkelsekunden nach den gewünschten Stellen am Himmel richten und präzise der Erdrotation nachführen soll.
Erste wissenschaftliche Erkenntnisse werden schon bald möglich sein. Im Frühjahr sind bereits 10 bis 20 Beobachtungsnächte geplant. «Das ist wie bei einer Testfahrt im Auto. Es läuft alles, aber noch sitzt der Konstrukteur mit im Auto und nicht nur der Kunde.» Als erstes müssen die beiden Spiegel noch versilbert werden. Die Arbeiten hatten sich wegen eines sommerlichen Waldbrandes in Arizona verzögert.
Proteste gegen das Projekt
Apachen und Umweltschützer haben gegen das Projekt protestiert und den Bau mehrfach verzögert. Den Indianern ist der Berg heilig. Die Naturschützer wiederum meinen, die Interessen von «Politik und Größenwahn» seien über ein besonderes Ökosystem mit fünf Klimazonen gestellt worden.
Weblinks
- Deutsche LBT-Homepage
- Größtes Teleskop der Welt in Arizona eingeweiht
- Großteleskop mit deutschem «Gehirn»
