Lartigue-Einschienenbahn
Der französischen Ingenieur Charles Lartigue entwickelte um 1875 eine frühe Einschienenbahn, die als die Lartigue-Einschienenbahn bekannt wurde.
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Das Prinzip
Lartigue soll seinerzeit aus der Beobachtung von lasttragenden Kamelen auf die Idee gekommen sein, eine Bahn mit dem gleichen Lasttransport-Prinzip zu entwerfen. Das Einschienen-Prinzip mit hängenden Lasten hatte speziell in unebenem und unbefestigten Gelände Vorteile gegenüber dem Zweischienen-Prinzip.
Die Wagen hatten Behälter, die beiderseits von Fahrgestellen befestigt waren, deren Räder auf einer einzelnen Schiene liefen. Die Schiene war auf fortlaufend hintereinander angeordneten A-förmigen Stützen gelagert. An den Stützen befanden sich zusätzliche seitliche Führungsschienen.
Die Dampflokomotive dieser Bahn hatte beiderseits der auf der Schiene laufenden drei Treibräder je einen Dampfkessel mit eigenem Schornstein. Der Dampfzylinder des Antriebs befand sich mittig oberhalb der Schiene. An der Entwicklung der Lokomotive war auch der bekannte Dampflokomotivkonstrukteur Anatole Mallet beteiligt.
Geschichte
Eine erste Bahn nach diesem Prinzip baute Lartigue in Algerien über eine Strecke von 90 km zum Transport von Espartogras durch die Wüste.
1886 baute Lartigue in der Hoffnung auf einträgliche Geschäfte einen Streckenabschnitt seiner Bahn auf einer Ausstellung in London auf. Da zur gleichen Zeit ein Antrag der Bevölkerung im süd-irischen North Kerry auf eine Verlängerung der Eisenbahnlinie zwischen Listowel und Ballybunion auf einem ministeriellen Schreibtisch in Westminster vorlag, soll sich daraus die Entscheidung für den Bau der Bahn nach Lartigues Idee ergeben haben.
Die Züge beförderten Fracht, Vieh, Sand vom Strand und Passagiere, darunter auch die Schulkinder von Ballybunion zur Listowel Secondary School. Die Bevölkerung von Kerry und Limerick fuhr damit zum Strand und zu den Golfplätzen von Ballybunion, die sich später zu den größten der Welt entwickelten.
Die Listowel Ballybunion Railway war 36 Jahre in Betrieb, bis sie 1924 wegen der erheblichen Schäden aus dem Bürgerkrieg (1921 - 1923) geschlossen wurde. Neben den kriegsbedingten Schäden spielte auch eine Rolle, dass die Wirtschaftlichkeit der Bahn während ihrer gesamten Existenz gering bzw. nie gegeben war.
In Frankreich wurde 1895 eine Lartigue-Bahn zum Passagier-Transport zwischen Feurs und Panissières gebaut. Die gedeckten Wagen dieser Einschienenbahn hatten auf dem Dach weitere offene und freistehende Sitzplätze, zu denen eine Treppe an der Stirnseite hinaufführte. Später wurden Drahtkäfige auf dem Dach zum Schutz der Passagiere installiert. Es kam aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten und insbesondere von technischen Problemen zu keiner Betriebsaufnahme. Die Betriebsgesellschaft wurde am 10. April 1899 liquidiert. Die Gesamtheit des rollenden Materials und der Trasse wurde an einen Lyoner Schrotthändler für 53000 Franc verkauft.
Eine der letzten auf dem Lartigue-Prinzip basierenden Bahnen war die 1924 für die Sierra Salt Corporation gebaute Minenbahn für den Magnesium-Abbau in Kalifornien. Die Fracht wurde von den Crystal Hills zur Verladestation Trona befördert. Die Linie führte über das raue Gelände des Salinas-Tales. Die Bahn bewährte sich zwei Jahre lang, bis der Magnesium-Abbau auf modernere Methoden umgestellt wurde.
In den Ostpyrenäen wurde eine Erzbahn der Ria-Minen nach diesem Prinzip errichtet, die nach Vorschlag Werner von Siemens elektrisch angetrieben wurde. In Guatemala und Peru wurden Probestrecken gebaut. In Russland gab es Versuche mit einer Pferdebahn. Planungen, eine Lartigue-Bahn in Paris zu bauen, wurden nicht ausgeführt.
Gegenwart
Die Listowel Ballybunion Railway wird seit 2001 nach den alten Vorlagen auf etwa 1 km Streckenlänge neu aufgebaut. Die Nachbildung der seinerzeitigen Dampflokomotive wird dabei von einem Dieselmotor im Tendergehäuse angetrieben.
