Latrunculi
Latrunculi (dt.: "Soldaten, Söldner") war der Name eines römischen Brettspiels.Der lateinische Diminutiv "latrunculus" von "latro" bedeutete ursprünglich "Söldner, Soldat" und erlangte erst später die pejorative Bedeutung "Bandit". Es war ein Spiel für zwei Personen und wurde ohne Würfel gespielt. Beide Seiten erhielten die gleiche Anzahl an Spielsteinen, die sich farblich voneinander unterschieden. Die Spielsteine besaßen alle die gleiche Wertigkeit.
Es gab keine festgeschriebenen Regeln für Latrunculi, so dass man heute nicht mehr genau nachvollziehen kann, wie das Spiel gespielt wurde. Da es an einem Regelwerk mangelte, spielte man es auch auf verschieden großen Spielfeldern (8x7, 8x8 oder 9x10).
Lange Zeit schienen die Regeln ganz verloren zu sein, bis sie von dem Historiker Ulrich Schädler, dem Leiter des Musée Suisse du Jeu in La Tour-de-Peilz und Mitherausgeber der Fachzeitschrift Board Game Studies, durch sorgfältiges Quellenstudium weitgehend rekonstruiert werden konnten.
Bei Latrunculi ging es darum, alle Steine des Gegners zu schlagen oder ihn so einzusperren, daß er sich nicht mehr bewegen konnte. Wem dies zuerst gelang, hatte das Spiel gewonnen.
Zur Zeit des Kaiserreichs waren Glücksspiele in Rom verboten. Da es aber bei Latrunculi einzig und allein auf den Verstand und das Geschick ankam, durfte es auch an öffentlichen Orten gespielt werden. Noch heute finden sich daher zahlreiche Latrunculi-Spielfelder auf den Steinplatten von Plätzen oder Treppenstufen eingeritzt.
Latrunculi war das verbreiteste und beliebteste Spiel der Römer und wurde vor allem von den Legionären als Zeitvertreib sehr geschätzt. Latrunculi selbst ist keine Erfindung der Römer, sondern stammte von den Griechen, die dieses Spiel Polis (altgr.: Stadt) nannten.
Quellen
- Schädler, U. Latrunculi – ein verlorenes strategisches Brettspiel der Römer. In: Homo Ludens. Der spielende Mensch IV, 1994, p. 47-67.
- Schädler, U. Krieg der Steine. In: Spielbox 2, 1995, p. 44-46.
- Schädler, U. Latrunculi - a forgotten Roman game of strategy reconstructed. In: Abstract Games 7, 2001, p. 10-11.
- Schädler, U. Research Notes. Mai 2004.]
Weblinks
Siehe auch: Römische Spiele
