Laufzeitspeicher
Ein Laufzeitspeicher ist ein Speichermedium der Computertechnik zur flüchtigen Speicherung von Daten.
Die ersten elektrischen Rechenmaschinen, z.B. Konrad Zuses frühe Computer, waren aus einfachen Relais aufgebaut... Ihre Speichertechnik bestand ebenfalls aus Relais, die offen blieben oder aber sich schlossen und dadurch in dieser Stellung festgehalten wurden, dass ein ausreichend starker Strom durch ihre Wicklung floss.
Als elektronische Rechenmaschinen entwickelt wurden, war diese Relaistechnik zu langsam. Den ersten Fortschritt stellten Ultraschall-Quecksilberverzögerungsröhren dar, die kürzer als Verzögerungsleitung bezeichnet wurden.
Eine Verzögerungsleitung bestand aus einer Quecksilberröhre, an deren beiden Enden ein Schwingquarz angebracht war. Brachte man durch einen kurzen Stromstoß einen Schwingquarz zum Schwingen, so pflanzten sich die erzeugten Ultraschallsignale im Quecksilber mit der spezifischen Ausbreitungsgeschwindigkeit von 2 km/s fort und brachten nach entsprechender Verzögerungszeit den anderen Schwingquarz dazu, eine kleine Spannung zu erzeugen. Frischte man nun den sendenden Quarz mit Stromstößen synchron zum Takt des Rechenwerks auf (wie bei einem DRAM), so konnte man am anderen Quarz durch die entsprechende Spannung ablesen, dass ein Bit gespeichert war.
Auf diese Weise erfolgt die Speicherung allein durch die Signallaufzeit der akustischen Welle im Quecksilber.
Eine andere Variante der Verzögerungsleitung benutzte nicht Quecksilber, sondern Nickeldraht.
Solche Verzögerungsleitungen sind in der Computertechnik schon seit den 60er-Jahren überholt. Sie wurden jedoch bis vor kurzem auch in PAL-Fernsehgeräten eingesetzt, um das Farbsignal während der Laufzeit einer Bildzeile (ca. 64 Mikrosekunden) zu speichern. Bei der Bildausgabe wird dann ein Gemisch des gespeicherten und des aktuellen Farbsignals verwendet. Eine der ersten Techniken für die PAL-Verzögerungsleitung stammte aus der Radarentwicklung im Krieg, die Glasverzögerungsleitung. Sie beruht ebenfalls auf der akustischen Wandlung: über einen piezoelektrischen Wandler wird ein elektrisches Spannungssignal in ein akustisches Signal umgeformt. Dieses akustische Signal durchläuft einen Glaskörper im Vergleich zu einem elektrischen Signal relativ langsam, und wird dann verzögert am anderen Ende durch einen zweiten piezoelektrischen Wandler wieder in ein Spannungssignal umgeformt. Diese Verzögerungsleitung hatten zu Beginn der 1960er Jahre (also zu der Zeit, in der die PAL-Norm bei Telefunken entwickelt wurde) eine Länge von ca. 15 cm.
Neuere PAL-Geräte verwenden für den gleichen Zweck intern Digitaltechnik, auch bei analogem Empfang. Für Näheres hierzu siehe PAL.
