Lehm

Lehm ist ein Sediment und einer der ältesten Baustoffe der Welt. Wenn Gestein chemisch verwittert, entsteht ein Sediment, eine feine Mischung unterschiedlicher Mineralien, der Lehm. Man unterscheidet je nach Entstehung Berglehm, Gehängelehm, Geschiebelehm (Gletscher), Lößlehm (Löß) und Auenlehm (Flussablagerungen).

Er besteht im Wesentlichen aus Ton, Sand (Quarz) und Schluff (Feinstsand), dazu kommt noch Kalk. Es gibt keine klare Abgrenzung zum Ton, tonreiche Lehme nennt man fett, tonarme mager. Lehm ist nicht so plastisch wie Ton und auch nicht so wasserundurchlässig, da die Sedimente im Ton kleiner sind als im Lehm. In feuchtem Zustand ist Lehm formbar, in trockenem Zustand fest. Bei Wasserzugabe quillt Lehm, beim Trocknen schwindet er, was im Lehmbau besonders zu beachten ist.

Inhaltsverzeichnis

1 Literatur
2 Siehe auch
3 Weblinks

Als Baumaterial

Lehmbautechniken sind seit mehr als 9000 Jahren bekannt und noch heute lebt etwa ein drittel der Erdbevölkerung in Lehmhäusern (Minke 1994). In den meisten Gebäuden die hierzulande vor 1950 errichtet wurden findet sich Lehm zumindest in Innenwänden und teilweise in den Geschoßdecken. In den meisten Fachwerkhäusern ist Lehm in Form von Ziegeln vermauert oder als Gefach mit gehäckseltem Stroh o.a. vermischt, und dann auf ein Weidengeflecht oder Holztstaken aufgebracht. Daneben existiert auch die Stampflehm-Bauweise (eine erdfeuchte Lehmmischung wird in einer Schalung verdichtet), in der 1999 die Kapelle der Versöhnung in Berlin erbaut wurde.

1971 wurde die DIN 18951 vom Januar 1951, die bereits seit 1944 als „Lehmbauordnung“ in Kraft war, Ersatzlos zurückgezogen (Minke 1994).

Anfang der 80 Jahre wird Lehm als umweltfreundlicher und gesunder Baustoff langsam wiederentdeckt (Kolb 1984). Heute kann man von einer Renaissance des Lehmbaus sprechen. Oft könnte der Lehm direkt an der Baustelle aus dem Boden gewonnen werden. In den meisten Dörfern finden sich noch alte Lehmkuhlen aus denen früher der Lehm abgebaut wurde. Firmen, die auf wirtschaftliches Arbeiten angewiesen sind, greifen auf heute erhältliche Fertigprodukte zurück. Der Lehm wird hier trocken und fein gemahlen in Säcken geliefert und kann mit einem Freifallmischer wie Zement verarbeitet werden.

Gegenüber Zement hat Lehm einige sehr positive Eigenschaften die ihn für ökologisches Bauen interessant machen (Lenze 2004, Minke 1994):

So schafft Lehm ein für den Menschen angenehmes und gesundes Raumklima. Im Sommer wenn es draußen sehr heiß ist sind die Räume in einem Lehmhaus angenehm kühl. Im Winter wirkt der Lehm Luftfeuchte regulierend und schützt vor zu trockener Raumluft.

Gerne wird Lehm zum Erbauen von Öfen verwendet, da Lehm wie die meisten schweren Baustoffe gute Wärmespeichereigenschaften besitzt.

Da Lehm nur physikalisch (und nicht chemisch, wie andere Baustoffe) abbindet, kann er auch bei erhitzten Bauteilen eingesetzt werden. Dies ermöglicht beispielsweise Boden- und Wandheizungen mit hoher Vorlauftemperatur, bei denen die Heizrohre unter Arbeitstemperatur verputzt werden müssen.

Aber auch im Tierreich bauen beispielsweise Lehmwespen ihre Nester vorwiegend mit oder im Lehm.

Literatur

Siehe auch

Weblinks

Dokumentation zum Lehmbau bei der 'Kapelle der Versöhnung'

See also: Lehm, 1944, 1951, 1971, 1984, 1994, 2004, Adobe (Ziegel), Baustoff, Boden