Lehmbau
Lehm ist einer der ältesten Baustoffe der Menschheit. Er ist leicht verfügbar und relativ einfach zu verarbeiten. Daher ist Lehm auch heute noch das Baumaterial der Wahl in vielen Ländern. Auch in Europa wurden in den letzten Jahren vereinzelt wieder Experimente angestellt, mit Lehm zu bauen.
Das Klima in Lehmhäusern ist angenehm, da der Lehm ein hohes Wärmespeicherungsvermögen aufweist und damit temperaturausgleichend wirkt. Auch die Luftfeuchtigkeit wird stabilisiert, da Lehm Feuchtigkeit speichert, und langsam aufnimmt oder abgibt.
| Inhaltsverzeichnis |
Zusammensetzung
Der zum Bauen verwendete Lehm ist eine Mischung aus Ton, Schluff (Feinstsand) und Sand, die feucht in Form gebracht und dann getrocknet wird. Wenn der Lehm zu viel Sand enthält, wird er bröckelig; zu viel Ton bewirkt, dass er Risse bekommt. In vielen Gegenden wird dem Lehm Stroh zugesetzt; dies ist nicht unbedingt erforderlich, bewirkt aber eine geringere Dichte des entstehenden Materials und damit bessere Wärmedämmeigenschaften. Außerdem wirkt das Stroh als Armierung der Rissbildung entgegen. Teilweise wird auch Kuhdung beigemischt.
Bauweisen
[[Bild:Fachwerk-Konstruktion-2004.jpg|thumb|Fachwerkhaus mit freigelegter Konstruktion mit Gefachen mit Holzgeflecht und Lehmbewurf und Gefachen mit Lehmziegeln in Bad Langensalza.]] Generell sind die Mauern von Lehmgebäuden massiv angelegt.
Lehmbau kann sowohl mit luftgetrockneten Ziegeln als auch im Stampflehmbau durchgeführt werden. Zum Mauern mit Ziegeln wird als Mörtel und zum Verputzen das gleiche Material wie zur Herstellung der Ziegel verwendet. Beim Stampflehmbau ist ein meist hölzerner Rahmen erforderlich.
Manchmal werden Holzbalken in die Lehmwände eingebaut, um Tür- oder Fenstersimse zu erhalten, oder um innen Befestigungen vorzunehmen. Lehmhäuser werden meistens außen mit Holz verschalt, um sie gegen Feuchtigkeit zu schützen. Zementhaltige Putze haben ein anderes Ausdehnungsverhalten bei Temperaturänderungen als Lehm und sind daher als Fassadenaußenhaut ungeeignet. Außenputze für Gefache von Lehmwänden enthalten Ziegelmehl, Kalk und nur geringe Mengen von Zement.
Neuerdings sind in Europa industriell gefertigte Lehmbausteine, unterschiedlicher Formate, Lehmwandplatten, z.T. mit Nut und Feder, und Lehmputze für den Innenausbau erhältlich.
Dämmung
Aufgrund ihrere massiven Bauweise sind Lehmwände ausgezeichnete Wärmepuffer. In warmen Gebieten sollte eine Wand so dick angelegt sein, dass sie sich im Laufe eines Tages nicht durchgängig aufwärmt, so dass es im Gebäudeinneren kühl bleibt.
In kühlen Gebieten sollte die Wärmedämmung an der Aussenwand angebracht sein. Die massive Lehmwand wirkt dann als Wärmespeicher.
Eignung
Durch Nässe wird ein Lehmbau schnell beschädigt, oberflächliche Feuchtigkeit dagegen richtet keinen Schaden an. Daher ist es in nassen Klimaten erforderlich, die Außenwände durch geeignete Schalung aus Holz oder entsprechende Dachüberstände zu schützen und für Drainage des umgebenden Geländes zu sorgen. Lehmwände sollten stets eine Steinschicht oberhalb des Erdreichs mit aufliegender Trennlage besitzen, um nicht Nässe aus dem Boden ziehen zu können.
In trockenen Gebieten sind Lehmgebäude sehr dauerhaft. Sie sind traditionell in mittleren Osten, in Nordafrika, in Spanien (Mudejar-Architektur), bei den Pueblo-bauenden Indianern Nordamerikas und in den Anden in Gebrauch.
Bekannte Lehmbauten
Das größte Lehmgebäude der Welt war die Zitadelle der iranischen Stadt Bam, die in einem Erdbeben am 26. Dezember 2003 weitgehend zerstört wurde. Zahlreiche Lehmgebäude finden sich auch in der Stadt Djenné des Staates Mali. Die Stadt zählt ebenso wie die Große Moschee von Djenné zum Weltkulturerbe.
Bekannt ist auch die Lehmarchitektur im Südwesten der arabischen Halbinsel. Sanaa als jemenitsche Hauptstadt verfügt über großflächige Stadtteile in Lehmarchitektur.
Das von der UNESCO zum Weltkulturerbe gekürte Schibam auf einer Felseninsel im Wadi Hadramaut im Südjemen wird wegen seiner teils neunstöckigen Hochhäuser gar als "Chicago der Wüste" bezeichnet. Die alte Stadt umfasst eine Fläche von 400 x 500 m und ist für ihre mehrstöckigen Wohnhäuser aus Lehmziegeln berühmt. Viele der Gebäude sind bis zu 30 m hoch und haben ein Alter von bis zu 500 Jahren. Genauer: die inneren Stützkonstruktionen aus Hölzern sind teils so alt; die Lehmhäuser werden in den oberen Etagen zwar mit einem Kalkanstrich gegen die (seltenen) Regenfälle geschützt, sie müssen jedoch wegen des natürlichen Zerfalls der Ziegel im Abstand von zehn oder fünfzehn Jahren jeweils aus frisch geformten Lehmziegeln in alter Form neu errichtet werden.
Das größte (Stampf-)Lehmgebäude in Deutschland ist ein 6-geschossiges Wohnhaus in Weilburg, ein aktuelles Beispiel dieser Bautechnik ist die 1999 errichtete Kapelle der Versöhnung in Berlin als erster öffentlicher Stampflehmbau seit 150 Jahren.
Siehe auch
Weblinks
- Universität Kassel
- Lehmbau-Online - Grundlagenwissen und Mailingliste
- Beispiel Stampflehmbau
- Dokumentation zum Lehmbau bei der 'Kapelle der Versöhnung'
