Leitzins
Unter Leitzins versteht man den von einer Zentralbank festgelegten Mindestzinssatz des Hauptrefinanzierungsinstruments.
Das Hauptrefinanzierungsinstrument gehört zu den Offenmarktgeschäften und ist eine der Möglichkeiten für Geschäftsbanken, sich Geld von der Zentralbank auszuleihen. Da die Geschäftsbanken in der Regel den größten Teil ihres Geldes aus dieser Quelle beziehen, ist der Leitzins ausschlaggebend für die Zinsen bei Krediten. Die Höhe dieses Zinssatzes ist Teil der Geldpolitik der Zentralbank und hängt von der aktuellen Konjunktur sowie den Zielen der Zentralbank ab. Der Leitzins gehört wegen seiner Abhängigkeit von der Konjunktur zu den Indikatoren.
Wichtigste Leitzinsen sind die der Europäischen Zentralbank (zur Zeit 2,0 % 22. März 2005) und der amerikanischen Fed (2,75 % 22. März 2005; 3,00 % 04.Mai 2005).
Die Europäische Zentralbank in Frankfurt (EZB) steuert die Geld- und Zinspolitik im Euroland. Dies geschieht unter anderem über die so genannten Leitzinsen.
Der EZB-Rat betrachtet die durchschnittliche Geld- und Wirtschaftsentwicklung im gesamten Euroraum. Aufgrund dieser Indikatoren wird dann entschieden, ob der Leitzins angehoben, abgesenkt, oder beibehalten wird.
Das System funktioniert stark vereinfacht folgendermaßen: Wenn eine europäische Bank Geld braucht, leiht sie sich dieses bei der EZB. Dafür zahlt die Bank einen so genannten Leitzins. Diesen sollen die Banken dann an die Privatkunden weitergeben. Das heißt in der Theorie: Je geringer der Leitzins, desto günstiger ist auch der Bankkredit für den Privatkunden. Aber: Niedrige Leitzinsen können zwar die Wirtschaft ankurbeln, aber die Gefahr einer Inflation wächst. Wenn Geld wenig kostet, erhöht sich die Nachfrage nach Krediten und über die Geldschöpfung der Geschäftsbanken auch die Geldmenge. Um in der Folge inflationären Tendenzen vorzubeugen, wird die Zentralbank die Zinsen wieder anheben.
In der Praxis spielen die Leitzinsen allerdings eher eine psychologische Rolle, da sich die Geschäftsbanken nur zu einem relativ geringen Anteil über die Zentralbank refinanzieren. In der Hauptsache refinanzieren sich die Geschäftsbanken über den Interbankenhandel am Geldmarkt. Die relevanten Zinssätze sind hier LIBOR und EURIBOR. Man Vergleiche in diesem Zusammenhang die Differenz zwischen Zentralbankgeld und der Geldmenge M3.
Historisch relevante Leitzinssätze waren der Diskontsatz zu dem die Geschäftsbanken Wechsel bei der Zentralbank rediskontieren konnten, sowie der Lombardsatz, zu dem die Geschäftsbanken Wertpapiere bei der Zentralbank verpfänden konnte. Die Rediskontierung spielte mit Abnahme des traditionellen Handelswechselgeschäftes jedoch zunehmend eine untergeordnete Rolle wodurch der Lombardsatz in den Vordergrund rückte. Spätestens mit Übernahme der Zentralbankgeschäfte durch die EZB setzten sich die Offenmarktgeschäfte im Euroraum durch und lösten damit den Lombardsatz als wichtigsten Leitzins ab.
