Lenni Lenape

Die Lenni Lenape (Algonkin Wir, das Volk, abegekürzt Lenape) sind ein Indianer-Stamm der Algonkin. Sie werden auch Delaware - in älterer deutscher Literatur zuweilen auch Delawaren - genannt, nach dem Delaware River, der wiederum nach dem zweiten Gouverneur (1609-1610) der ehemaligen britischen Kolonie Virginia, Lord Delaware benannt ist.

Die Lenni Lenape sind eng verwandt mit den Nanticoke, Conoy, Powhatan, Mahican und Wappinger.

Inhaltsverzeichnis

Traditionelles Stammesgebiet

Das Siedlungsgebiet der Lenni Lenape lag im 17. Jahrhundert in den waldreichen Gegenden des Delaware River und am unteren Hudson an der Atlantikküste. Sie bewohnten somit den ganzen späteren US-Bundesstaat New Jersey, das westliche Ende von Long Island sowie alle Staten- und Manhattan-Inseln. Dazu kamen Teile westlich des Hudson River und Teile vom östlichen Pennsylvania und vom nördlichen Delaware.

Die Lenni Lenape unterteilten sich in drei wesentliche Untergruppen:

Diese drei Untergruppen unterteilten sich weiter in eine Vielzahl von kleineren Gruppen.

Geschichte

Die Lenni Lenape sind bekannt für ihre Stammes-Sage, Walam Olum (rote Niederschrift), die sie in roter Bilderschrift auf Baumrinde für nachfolgende Generationen überliefert haben. Gemäß diesen Überlieferungen lag ihr Ursprung nordöstlich des traditionellen Stammesgebietes.

1609 kamen die Unami und Munsee erstmals mit Weißen, den Holländern, in Kontakt. Die Unalachtigo trafen 1637 auf die schwedischen Kolonialisten. 1664 folgten die Engländer auf die Holländer und Schweden. James Mooney schätzte 1928 ihre Bevölkerungszahl für 1600 auf 8.000.

1682 schlossen die Lenni Lenape mit dem Quäker William Penn im heutigen Germantown einen Vertrag über die Ansiedlung europäischer Kolonisten im heutigen Pennsylvania.

Bereits im 17. und 18. Jahrhundert wurden die Lenni Lenape von der Herrnhuter Brüdergemeinde missioniert.

Um 1720 begannen die Irokesen die Lenni Lenape zu dominieren. Gleichzeitig wurden sie, nach William Penns Tod, von den Weißen nach Westen gedrängt. Die Lenni Lenape schlossen eine Reihe von Verträgen mit den Weißen, die allesamt gebrochen wurden. 1724 erreichten sie den Allegheny River, 1742 lebten sie an verschiedenen Orten am Susquehanna River. 1751 bildeten sie auf Einladung der Wyandot Dörfer im östlichen Ohio. Unterstützt von den Franzosen konnten sie sich endlich der Dominanz durch die Irokesen entziehen und kämpften fortan gegen die Engländer, die mit den Irokesen befreundet waren. Die Kämpfe gegen die Engländer dauerten bis zum Vertrag von Greenville 1795.

Als Gegner der Wyandot, die auf französischer Seite kämpften, gingen sie durch die Lederstrumpf-Erzählungen J. F. Coopers in die Weltliteratur ein. J. F. Cooper nahm sich dabei unter anderem die dichterische Freiheit, den Namen des historischen Lenni-Lenape-Häuptlings Uncas zu verwenden. Ca. 100 Jahre vor Coopers Romanhandlung - um 1675 - hatte der historische Uncas die Engländer mit 500 Gewehr- und Bogenschützen bei der Niederschlagung eines Aufstands der Wampanoag, Pequot und anderer Algonkin-Stämme entscheidend unterstützt.

Im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg sympathisierten die Lenni Lenape mit den Engländern.

Um 1770 erlaubten die Miami den Lenni Lenape, sich zwischen dem Ohio River und dem White River anzusiedeln. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war der Stammesverband zerbrochen. Mehrere versprengte Gruppen zogen 1789, mit der Einwilligung der spanischen Regierung, nach Missouri und später nach Arkansas zu den Shawnee. 1820 erreichten sie schließlich Texas. Andere kamen über Ohio ins heutige Wisconsin und nach Kansas, wo sie sich den Choctaw anschlossen. 1835 sammelten sich viele Gruppen der Lenni Lenape in einer Reservation in Kansas, deren Land sie gekauft hatten. Von dort siedelte die US-Bundesregierung die meisten zwangsweise in das - angeblich nur den Indianervölkern vorbehaltene - Territorium nach Oklahoma um. Einige ließen sich in einer Ecke des Cherokee-Landes nieder, andere zogen zu den Caddo und Wichita, ebenfalls in Oklahoma. Die Vertreibung der Lenni Lenape ist ein typisches Beispiel für die Umsiedlungspolitik der USA.

Da die Indianerbehörde den Lenni Lenape den Stammes-Satus bis 1996 verweigerte, waren ihre Nachkommen gezwungen sich den Cherokee, Choctaw, Cheyenne und anderen Stämmen anzuschließen. Heute leben weniger als 4.000 Lenni Lenape unter anderem in Indianerreservationen in Oklahoma und bei den Stockbridges in Wisconsin oder in Reservaten in Ontario.

Kultur

Kulturell gehörten die Lenni Lenape zu den Waldlandindianer. Je ein Clan bewohnte ein viereckiges Langhaus aus Rinde. Die Dörfer waren meist recht klein. Die Clanältesten wählten jeweils die Häuptlinge.

Bis zur Ankunft der Weißen waren die einzelnen Siedlungen autonom. Erst hatten sie sich zu einem Stammesverband zusammengeschlossen.

Die Lenni Lenape pflanzen vor allem Mais, Kürbis und Bohnen, ergänzt durch weiteres Gemüse; daneben jagten sie und betrieben Fischfang.

Sie glaubten an eine einzige große Macht, die über verschiedene Götter und kleinere Mächte herrschte.

Siehe auch

Liste nordamerikanischer Indianerstämme

Literatur

Weblinks

See also: Lenni Lenape, 1609, 1637, 1664, 1675, 1682, 17. Jahrhundert, 1720, 1724, 1742