Lesesteinhaufen

Nach dem Abschmelzen der Gletscher aus allen bisher bekannten Eiszeiten, wie zum Beispiel Elster-Saale- und Weichseleiszeit ließ das Geschiebe in großen Mengen Steine unterschiedlichster Größenordnung (Findlinge als besonders große) zurück, die zur Urbarmachung der landwirtschaftlichen Nutzflächen von den Bauern per Hand gesammelt (gelesen) und zu Haufen aufgeschichtet wurden: den Lesesteinhaufen. Die störenden Steine wurden – bisweilen über Generationen hinweg – platzsparend an den Rändern der Äcker, Wiesen und Wälder abgelagert und oft als Abgrenzung der Flächen genutzt. Linienhaft aufgestapelt ergeben sich Lesesteinriegel. In manchen Regionen wird auch von Steinrücken oder Steinriegel gesprochen, die zum Teil bewachsen sein können.

thumb|190px|right|Lesesteinhaufen, Naturlehrpfad Netzen, Brandenburg

Inhaltsverzeichnis

Lebensraum

Der Lesesteinhaufen findet sich häufig auf Endmoränen beispielsweise in der Geest. Steinhaufen sind extrem trockene und warme Lebensräume. Sie bieten ähnliche Standortfaktoren wie die Trockenmauer im Mittelgebirge: intensive Sonneneinstrahlung und geringes Wasserhaltevermögen, so dass sie von wärme- und trockenheitsliebenden Pflanzen besiedelt werden. Da die Steine die Sonnenwärme speichern und nachts wieder abgeben, sind sie auch nachts warm und Ruhe- und Jagdplatz vieler Insekten und Kriechtiere. Steinrücken, die im Zuge der Sukzession mehr oder weniger bewachsen sind, sind mit den feuchteren Knick- oder Wallhecken im Norden Deutschlands und sonnenexponierten (natürlichen und teilweise anthropogenen) Schutthalden oder Schotterflächen der Mittelgebirge oder der Alpen verwandt. Die Kleinstrukturen bieten in ihren geschützten Hohlräumen und Nischen vielen Pflanzen und kleineren Tieren Schutz und Unterschlupf.

Fauna

Als typische Fauna sind anzutreffen:

thumb|190px|right|Naturlehrpfad Netzen, Brandenburg

Flora

Schutz und Gefährdung

Als wertvolles Biotop werden Lesesteinhaufen heute zunehmend, wie beispielsweise in Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen geschützt. Im Biotopverbund mit einer Hecke wird ein räumlicher Kontakt zu weiteren Arten hergestellt und die wertvolle ökologische Wirkung noch verstärkt. Um eine Überwucherung zu verhindern, sollten sie nicht höher als einen Meter aufgeschichtet und mit kleineren Steinen abgeschlossen werden.

Siehe auch

Literatur


Kategorie:Biotop

See also: Lesesteinhaufen, Acker, Ackerhummel, Alpen, Ameisen, Amphibien, Anthropogen, Benjeshecke, Bergahorn, Biotop