Leutkirch im Allgäu
| Wappen | Karte |
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| 140px|Wappen fehlt Hilfe zu Wappen | 140px|Deutschlandkarte, Position von Leutkirch hervorgehoben |
| Basisdaten | |
| Bundesland: | Baden-Württemberg |
| Regierungsbezirk: | Tübingen |
| Landkreis: | Ravensburg |
| Fläche: | 174,95 km² |
| Einwohner: | 22.578 (31.03.2004) |
| Bevölkerungsdichte: | 129 Einwohner je km² |
| Höhe: | 670 m ü. NN |
| Postleitzahl: | 88291-88299 |
| Vorwahl: | 07561 |
| Geografische Lage: | 47° 50' n. Br. 10° 01' ö. L. |
| Kfz-Kennzeichen: | RV |
| Gemeindeschlüssel: | 08 4 36 055 |
| Stadtgliederung: | 9 Stadtteile |
| Adresse der Stadtverwaltung: | Marktstraße 26 88299 Leutkirch im Allgäu |
| Offizielle Website: | www.leutkirch.de |
| E-Mail-Adresse: | info@leutkirch.de |
| Politik | |
| Oberbürgermeister: | Elmar Stegmann |
| thumb|none|280px|Leutkirch 1918 | |
Leutkirch im Allgäu ist eine Große Kreisstadt im Landkreis Ravensburg. Das Mittelzentrum Leutkirch liegt im westlichen Allgäu zwischen Memmingen und Wangen im Allgäu an der A 96. Aufgrund der Eingemeindung umliegender Ortschaften ist Leutkirch mit 175 km² die flächenmäßig viertgrößte Stadt Baden-Württembergs, nach Stuttgart, Bad Wurzach und Ehingen (Donau).
| Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Vor- und frühgeschichtliche Siedlungsspuren sind im Allgäu selten, um so mehr fällt auf, dass aus Leutkirch ein Grabfund der Völkerwanderungszeit bekannt ist (namengebend für Fibeln vom Typ Leutkirch). Offenbar ließen sich im Vorfeld des Donau-Iller-Rhein-Limes, zu dem das nahe Kastell Isny gehört, frühe Alamannen nieder.
Eine Besiedlung des Westallgäuer Hügellandes während der Merowingerzeit ist archäologisch bisher kaum nachweisbar, ist jedoch aufgrund historischer Quellen – frühe Nennungen, Patrozinien und Ortsnamenformen – anzunehmen. Bei angeblich alamannischen Funden aus Leutkirch, wo gleichwohl eine schriftliche Nennung des 8. Jahrhunderts vorliegt, handelt es sich aufgrund der Nennung von Hufeisen wahrscheinlich jedoch um Funde jüngerer Zeit.
Die Stadt enstand durch das zusammenwachsen zweier Dörfer, Ufhofen und Mittelhofen, die zu Füßen der Leutekirche St. Martin lagen. Die Namensgeberin der späteren Stadt, die Leutekirche ist heute im Wappen der Stadt abgebildet. Eine erste urkundliche Erwähnung des alten Kirch- und Gerichtsortes des Nibelgaus findet sich in einer St. Gallener Urkunde aus dem Jahr 766, in der das Gebiet nach dem Aussterben der Udalrichinger an die Grafen von Bregenz und im Weitern an die Grafen von Montfort. Während deren Regentschaft entstand zwischen Ufhofen und Mittelhofen eine Marktsiedlung.
Im Jahr 1293 wurde Leutkirch von König Adolf von Nassau die Rechte der Stadt Lindau verliehen und wurde so zur Freien Reichsstadt. Frühere Urkunden lassen aber auch schon auf eine städtische Siedlung mit dem Begriff "in burgo" schließen. Das Hauptgewerbe der der Stadt wurde der Leinwandhandel, die größte Zunft mit bis zu 200 Mitgliedern waren die Weber, deren Erzeugnisse bis nach Italien und Spanien gehandelt wurden. 1488 wurde Leutkirch Mitglied im Schwäbischen Bund und erlangte Sitz und Stimme auf dem Reichstag und im Schwäbischen Kreis. 1546 wurde Leutkirch reformiert, eine katholische Minderheit wurde aber, abgesichert durch einen Vertrag, geduldet. Die Martinskirche verblieb beim alten Glauben. In den Jahren 1613 - 1615 wurde die Dreifaltigkeitskirche als Predigtsaal ohne Chor erbaut.
Der Dreißigjährige Krieg setzte der Stadt schwer zu. Zahlreiche Häuser wurden zerstört, die Zahl der Bürger sank auf 184. Auch die Zeit nach 1648 war keine Blühtezeit für die Stadt, deren Verschuldung weiter zunahm. Trotz dieser wirtschaftlich schlechten Zeiten wurde 1740 das barocke Rathaus erbaut. Die Stuckdecke von Johannes schütz zählt heute zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt.
Bei der Mediatisierung 1803 wurde Leutkirch zunächst bayerisch, 1810 kam die Stadt zum Königreich Württemberg und wurde Sitz des Oberamtes Leutkirch bis zu dessen Auflösung 1938. Anschließend gehörte Leutkirch zum Landkreis Wangen im Allgäu. Die Entscheidung Wangen im Allgäu zur Kreisstadt zu machen, wurde in Leutkirch mit Verstörung zur Kenntnis genommen.
Im 19. Jahrhundert setzte zögernd eine Industrialisierung ein. Die eher handwerklich geprägte traditionelle Glasindustrie im heutigen Ortsteil Schmidsfelden beispielsweise ging jedoch um 1900 wieder zugrunde. 1872 erhielt wurde die Bahnstrecke Kißlegg - Leutkirch eröffnet, 1874 die Bahnlinie nach Isny und 1889 nach Memmingen.
Im Zuge der Gebietsreform schlossen sich 1972 die Gemeinden Leutkirch, Diepoldshofen, Friesenhofen, Gebrazhofen, Herlazhofen, Hofs mit Ausnang, Reichenhofen, Winterstetten und Wuchzenhofen zusammen. 1974 wurde die Stadt Leutkirch Große Kreisstadt, und ihr Name wurde entsprechend dem Antrag der Stadt durch das Innenministerium geändert. Seither lautet die offizielle Bezeichnung Leutkirch im Allgäu.
Wirtschaft
Verkehr
Leutkirch liegt an der Bundesautobahn A 96, die von Lindau (Bodensee) nach München führt.
Per Bahn ist Leutkirch täglich im Zwei-Stundentakt erreichbar. Es halten die Züge der Linie Augsburg-Lindau.
1872 wurde die Bahnstrecke Kißlegg - Leutkirch und damit der Anschluss nach Aulendorf fertiggestellt (Württembergische Allgäubahn). 1874 wurde die Bahnlinie Leutkirch - Isny, 1889 die Strecke Leutkirch - Memmingen eröffnet.
Die Stadt ist mit einigen Buslinien u. a. mit Isny und Bad Wurzach verbunden und gehört dem Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund (bodo) an.
Der seit 1955 existierende Verkehrslandeplatz Leutkirch-Unterzeil erfreut sich großer Beliebtheit.
Ansässige Unternehmen
- Schwäbische Zeitung Seit ihrer Gründung 1945 befinden sich Verlag und Zentralredaktion der Schwäbischen Zeitung in Leutkirch.
- Thermopal (Spanplatten)
- KaVo-Werk Leutkirch (Laboreinrichtungen für Zahntechniker)
- Myonic (Miniatur-Kugellager)
- EKL AG (Elektronik Kühlsysteme)
- APP Rupert GmbH (Fassaden aus Glas und Metall)
- BOS GmbH & Co. (Automobil-Zulieferer)
- ELO (Elektrotechnik Sensoren)
- ABL-Technic Wagenseil GmbH (Entlacken von Holz und Metallen)
- Härle (Brauerei)
- UDORA (Sportartikelfabrik, Fahrradtaschen)
- Novoplast Verpackungs GmbH & Co. KG (Kunststoffverpackungen)
Städtepartnerschaften
- Lamalou-les-Bains, Hérépian und Bédarieux (Frankreich) - seit 1982
- Castiglione delle Stiviere südlich des Gardasees (Italien) - seit 1995
Kultur und Sehenswürdigkeiten
thumb|280px|Leutkirch und Schloss Zeil 1907
- Historische Altstadt
- Das Rathaus der ehemaligen Reichsstadt wurde 1740/41 erbaut. Der historische Sitzungssaal im Rathaus mit Stuckdecke stammt von Johann Schütz.
- Heimatmuseum "Museum im Bock"
- Schloss Zeil: Das imposante Renaissance-Bauwerk auf einem Hügel über Leutkirch kann nur von außen besichtigt werden.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
- Der spätmittelalterliche Bildhauer Hans Multscher wurde um das Jahr 1400 im heute zu Leutkirch gehörenden Reichenhofen geboren († 1467 in Ulm).
- Johann Fabri, der eigentlich Johann Hegerlin hieß, wurde 1478 in Leutkirch geboren und war von 1530 bis 1541 Bischof von Wien.
- Die als Anführerin der "Weiber von Schorndorf" berühmt gewordene Anna Barbara Walch-Künkelin wurde 1651 in Leutkirch geboren und starb 1741 in Schorndorf. Sie war es, die nach der Überlieferung 1688 an der Spitze der "Weiber von Schorndorf" sich den Befehlen der Stuttgarter Regierung widersetzte und so die Übergabe der Festung Schorndorf an den französischen Feldherrn Mélac verhinderte.
- Der Lyriker und Schriftsteller Hans Erich Blaich wurde 1873 in Leutkirch geboren († 1945). Er wurde unter dem Pseudonym Dr. Owlglass vor allem als Autor in der satirischen Zeitschrift Simplicissimus berühmt.
- Georg Moser, 1975 bis 1988 Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart wurde 1923 in Leutkirch geboren.
- Die evangelische Theologin Marie-Luise Kling-de Lazzer wurde 1947 in Leutkirch geboren und kandidierte 2005 als erste Frau für das Amt der Landesbischöfin in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Sonstige Persönlichkeiten
- Der als "Segenspfarrer vom Allgäu" bekannt gewordene Augustinus Hieber war 31 Jahre lang bis zu seinem Tod 1968 katholischer Pfarrer des heutigen Leutkircher Ortsteils Merazhofen.
- Nach seiner Rückkehr aus englischer Kriegesgefangenschaft lebte der Maler Erwin Henning (* 1901; † 1993) in Leutkirch.
- Der Gestalter Otl Aicher lebte von 1972 bis zu seinem Tod 1991 zusammen mit seiner Frau Inge Aicher-Scholl (der älteren Schwester der Geschwister Scholl) im Leutkircher Ortsteil Rotis und entwickelte hier die heute weit verbreitete Rotis-Schriftenfamilie.
Literatur
- R. Roeren: Ein frühalamannischer Grabfund aus Oberschwaben. In: Festschrift für Peter Goessler. Tübinger Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte. Stuttgart1954, S. 137-141
- Emil Vogler: Leutkirch im Allgäu. Geschichte, Wirtschaft und Kultur im Spiegel der Jahrhunderte. Stadt Leutkirch, Leutkirch 1963
- Nicola Siegloch: Leutkirch im Allgäu. Stadt und Land. Reihe Archivbilder. Sutton, Erfurt 2004 ISBN 3-89702-696-1
Weblinks
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