Lieben
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Lieben wird oft mit Liebe gleichgesetzt.
Doch bestehen wesentliche Unterschiede zwischen den zwei Wörtern:
- Unter Liebe wird eine breite Palette - vor allem an Gefühlen und körperlich-seelischem Spüren - beschrieben, welche mit der Zuneigung zwischen Personen, mit ihrer Sympathie und auch dem Schmerz bei "unerwiderter Liebe" zusammenhängen.
- Mit Lieben hingegen verbindet sich weniger die Emotion als die Haltung - die auch dann zu liebevollen Taten oder Worten führt, wenn "das Herz" nicht - oder noch nicht - mitschwingt.
Jedes Ehepaar, jede Partnerschaft, jeder Freundeskreis kennt den Unterschied, auch wenn er vielfach nicht bewusst wird:
Wer etwa nach einem heftigen Konflikt oder einem bösen Streit den ersten Schritt zur Versöhnung macht, handelt meist aus einem Entschluss - und hofft auf ein gutes Gespräch, eine erleichterte Geste der/des anderen. Das "Gefühl" der Liebe ist in solchen Momenten kaum da - allenfalls die Sehnsucht danach. Sie hilft mir, das Risiko einzugehen, dass der Partner nicht gleich positiv darauf reagiert, dass ich (nochmals) verletzt werde usw. Mein Verstand sagt: das Risiko ist es wert - denn der Wert dahinter ist víel größer.
In vielen Seminaren für Ehe- und Lebenspartner, den Encounter-Bewegungen, aber auch für junge Paare oder in der Ehevorbereitung, wird der Unterschied zwischen Liebe und Lieben durch Sinnsprüche wie diesen betont:
LiebeN ist eine Entscheidung.
Ohne solche entschiedenen Schritte gäbe es nicht nur viel mehr Scheidungen, sondern auch keine glückliche Kindheit, keine guten Krankenschwestern, keine engagierten Ärzte, Lehrer oder Seelsorger, keine Entwicklungshelfer und viel weniger glückliche Momente.
PS.: in der üblichen, dreifachen Unterscheidung der LIEBE in Sexus, Eros und Caritas nimmt i.a. der oben genannt Anteil von "liebenden Entscheidungen" zu, doch sind sie auch in erfülltem Sex vorhanden.
Das "Lieben" hat auch manche Verwandtschaft zu Tätigkeiten und Haltungen wie Elternliebe, Unter- bzw. Entscheidungskraft, Sinnstiftung, gewollter Ehelosigkeit oder Zölibat, Platonische Liebe, Hilfeleistungen und Barmherzigkeit.
