Logarithmus
thumb|Graph des Logarithmus zur Basis 2, e und 1/2 In der Mathematik ist die Logarithmusfunktion (griech.: logos = Verhältnis, arithmos = Zahl), neben der Wurzelfunktion eine von zwei Umkehrfunktionen des Potenzierens. Der Logarithmus als Ergebnis dieser Funktion ist wie folgt definiert:
- Für a > 0, a ≠ 1 gilt: Wenn y = ax dann ist x = loga(y)
Lies: x ist der Logarithmus von y zur Basis a.
- a wird als Basis oder Grundzahl bezeichnet.
- x ist der Logarithmus.
- y heißt Logarithmand, gelegentlich auch Numerus.
Der Logarithmus (zur Basis a) einer Zahl y ist also diejenige Zahl x, mit der man die Basis a potenzieren muss, um die Zahl y zu erhalten. Der Logarithmus ist also ein Exponent.
Im Sprachgebrauch wird das Wort Logarithmus häufig ungenau im Sinne von Logarithmusfunktion (Formelzeichen „log“) verwendet. Präzise gesprochen ist der Logarithmus jedoch lediglich das Ergebnis der Logarithmusfunktion.
Der oben angegebenen Definition entnimmt man, dass es verschiedene Logarithmusfunktionen gibt, die sich durch ihre Basis a unterscheiden. Die Menge aller Logarithmen zur einer konkreten Basis a nennt man das Logarithmensystem zur Basis a.
| Inhaltsverzeichnis |
Der Logarithmus als Umkehrfunktion des Potenzierens
Die Funktionen ax und loga(x) sind Umkehrfunktionen voneinander, d. h. Logarithmieren macht Potenzieren rückgängig und umgekehrt:
Der Logarithmus als Größenmaßstab
Der Logarithmus einer Zahl x zur Basis 10 (dekadischer Logarithmus) ist im Dezimalsystem ein Maß für die Größenordnung einer Zahl (= Anzahl der Zehnerpotenzen). Beispiele:
- Wenn -2 < log10(x) < -1, dann 0,01 < x <0,1
- Wenn -1 < log10(x) < 0, dann 0,1 < x <1
- Wenn 0 < log10(x) < 1, dann 1 < x <10
- Wenn 1 < log10(x) < 2, dann 10 < x <100
- Wenn 2 < log10(x) < 3, dann 100 < x <1000
- etc.
Man nennt den ganzzahligen Wert des Logarithmus auch Kennzahl.
Logarithmengesetze
Logarithmen von Produkten
Für das Rechnen mit Logarithmen von Produkten steht eine hilfreiche Rechenregel zur Verfügung:
Oder allgemeiner:
Für Potenzen mit reellem Exponent r gilt die Regel:
Logarithmen von Quotienten
Diese leiten sich direkt aus den Logarithmen von Produkten ab. Hier sei nur der einfache Fall angegeben:
Logarithmen von Wurzeln
Da Wurzeln nichts anderes sind als gebrochene Exponenten und oben bereits der Logarithmus von Potenzen angegeben wurde, sollte die folgende Rechenregel nicht mehr überraschen:
Der Logarithmus als Rechenhilfe
Im Normalfall tauchen beim Logarithmieren auch Nachkommastellen auf, die Mantisse genannt werden. So ist log10(3) ≈ 0,47712. Multipliziert man eine Zahl mit der Basis, ändert sich zwar die Kennzahl, nicht aber die Mantisse, es ist also log10(3*10) = log10(30) ≈ 1,47712. Bevor elektronische Rechenmaschinen zur Verfügung standen, nutzte man dies aus, um Multiplikationen zu Additionen und Divisionen zu Subtraktionen zu vereinfachen. Als Hilfsmittel verwendete man hierzu oftmals Rechenstäbe (John Napier) oder Logarithmentafeln. Siehe dazu die ersten beiden Rechenregeln am Ende des Artikels.
Natürlicher und andere spezielle Logarithmen
Der Logarithmus zur Basis e (der Eulerschen Zahl) wird auch als natürlicher Logarithmus bezeichnet und mit „ln“ oder auch „log“ (ohne Angabe einer Basis) abgekürzt:
- Wenn y = ex dann ist x = loge(y) = ln(y).
Die Zahl e kennzeichnet sich z.B. dadurch, dass die Ableitung der Funktion ex wieder ex selbst ist, als Formel:
Den Logarithmus zur Basis e nennt man den Natürlichen Logarithmus und seine Umkehrfunktion ex die Exponentialfunktion. Die Zahl e ist also dadurch definierbar, dass die Exponentialfunktion ihre eigene erste Ableitung ist (sich durch Differenzieren und Integrieren nicht ändert). Der Begriff Natürlicher Logarithmus wurde gewählt, weil sowohl die Exponentialfunktion als auch der Logarithmus zur Basis e in vielen Zusammenhängen (Integralrechnung, Differentialrechnung, Komplexe Zahlen, Trigonometrie) auftreten. Zudem lässt sich der natürliche Logarithmus sehr einfach Integrieren und Differenzieren.
Der Logarithmus zur Basis 10 wird oft mit „lg“ abgekürzt; er heißt dekadischer Logarithmus oder auch Briggscher Logarithmus, benannt nach dem Mathematiker Henry Briggs.
Der Logarithmus zur Basis 2 – abgekürzt mit „lb“ oder „ld“ – heißt binärer, dualer oder dyadischer Logarithmus.
Abkürzungen
- loga: allgemeiner Logarithmus mit der beliebigen Basis a (Hinweis: In manchen Programmiersprachen wird mit log() der natürliche Logarithmus berechnet, manche Taschenrechner berechnen mit log den dekadischen Logarithmus.)
- ln = loge: Natürlicher Logarithmus zur Basis e (Logarithmus naturalis)
- lg = log10: Logarithmus zur Basis 10 (dekadischer Logarithmus)
- lb = ld = log2: Logarithmus zur Basis 2, binärer Logarithmus, dualer Logarithmus, Zweierlogarithmus
Berechnung des Logarithmus, Potenzreihe
des natürlichen Logarithmus um den Entwicklungspunkt 1 konvergiert nicht sonderlich schnell.
Zur Berechnung verwendet man besser folgende Reihendarstellung, die auf der Potenzreihenentwicklung des Areatangens Hyperbolicus beruht:
mit der Restgliedabschätzung
Die Reihe zeigt für x und 1/x ähnliches Konvergenzverhalten und konvergiert um so besser, je näher x bei 1 liegt. Um dies zu erreichen, verwendet man
Durch Wahl einer geeigneten ganzen Zahl m kann man immer erreichen, dass gilt
und erhöht damit die Konvergenzgeschwindigkeit
der Reihe,
die man jetzt für
berechnet.
Allerdings braucht man dann auch eine gute Näherung für ln 2.
Für den natürlichen Logarithmus gilt zudem:
sowie
Für eine praktische Berechnung von ln x sind die beiden letzten Formeln jedoch nicht sonderlich geeignet.
Der Logarithmus von Null und den negativen Zahlen
In den reellen Zahlen ist der Logarithmus für Null und negative Zahlen nicht definiert.
Begründungen:
- x = loga(0) müsste dann 0 = ax bedeuten. Was aber nicht der Fall ist, wenn a ungleich Null ist.
- (als Beispiel die negative Zahl -1) x = loga(-1) müsste dann -1 = ax bedeuten. Was aber nicht sein kann, wenn a größer Null ist.
In der Funktionentheorie, in der Funktionen von komplexen Zahlen betrachtet werden, kann man den Logarithmus auch für negative Zahlen definieren (siehe Komplexer Logarithmus), allerdings gelten dann einige der Rechenregeln nicht mehr.
Eigenschaften des Logarithmus
- Definitionsmenge: s. oben (
)
- Wertemenge: alle reellen Zahlen
- Nullstellen bzw. Schnittpunkte mit den Koordinatenachsen: {1} bzw. (1|0)
- Gebräuchliche Limites / Verhalten im Unendlichen:
-
(wenn b > 1) bzw. (+)
(wenn b < 1)
-
(wenn b > 1) bzw.
(wenn b < 1)
-
- Erste Ableitung:
- Extrempunkte: keine
- Wendepunkte: keine
Basisumrechnung
Man kann Logarithmen zu einer Basis a in Logarithmen zu einer anderen Basis b umrechen:
oder in der suggestiven „Kürzungsform“:
Denn:
Tabellenwerke oder Taschenrechner stellen i. A. Logarithmen zur Basis 10 und natürliche Logarithmen zur Verfügung. Mit obiger Formel lassen sich daraus Logarithmen zu einer beliebigen Basis berechnen.
Beispiel
Alternative mit Hilfe des ln:
Programmiersprachen
In vielen Programmiersprachen (z.B. C, C++, BASIC) heißt die Funktion für den Natürlichen Logarithmus log. In FORTRAN heißt der Natürliche Logarithmus alog.
Rechenregeln mit Beispiel
Die Rechenregeln lassen sich mit Hilfe der Potenzgesetze begründen.
| Rechenregel | Beispiel |
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Ableitung und Integral des Logarithmus
Die natürliche Logarithmusfunktion ist die Umkehrfunktion der Exponentialfunktion. Daher erhält man die Ableitung des natürlichen Logarithmus einfach durch Anwendung der Umkehrregel (siehe Beispiel dort).
Es ergibt sich
Für allgemeine Logarithmen gilt:
Das unbestimmte Integral des natürlichen Logarithmus erhält man mit partieller Integration:
Ist bei einem bestimmten Integral des natürlichen Logarithmus eine der Grenzen Null, so kann die Regel von L'Hospital angewendet werden (Beispiel):
,
da
Komplexer Logarithmus
right|thumb|Betrag von ln(z) right|thumb|Realanteil von ln(z) right|thumb|Imaginäranteil von ln(z) Analog zur reellen Definition heißt jede komplexe Zahl w, die die Gleichung
- ew = z
erfüllt, ein natürlicher Logarithmus von z. Dies ist im Unterschied zum reellen Logarithmus jedoch nicht eindeutig, da gilt:
Hat man also einen Logarithmus w0 von z gefunden, so ist auch
- w = w0 + 2kπi
ein Logarithmus von z, da gilt:
Um Eindeutigkeit erreichen, schränkt man w auf einen Streifen in der komplexen Zahlenebene ein. Man kann z.B. den Streifen
verwenden. Ein w aus diesem Streifen heißt Hauptwert des Logarithmus und man schreibt w = ln(z). Stellt man z in Polarkoordinaten dar, so erhält man eine einfache Darstellung des k-ten Zweigs der Logarithmusfunktion:
Für k = 0 hat man dann den Hauptzweig des Logarithmus:
ln(z) ist nicht stetig auf
. Entfernt man jedoch die negative reelle Achse, so ist ln(z) auf dem Gebiet
stetig und sogar holomorph.
Mit dem Hauptzweig des komplexen Logarithmus kann man den Logarithmus von negativen, reellen Zahlen bestimmen:
Man muss jedoch beachten, dass im komplexen die Rechenregeln für Logarithmen nicht immer gelten:
- Beispiel:
- Beispiel:
- Beispiel:
- Beispiel:
Anwendungen des Logarithmus
Anwendungen des Logarithmus finden sich vielfach in der Wissenschaft, wenn der Wertebereich viele Größenordnungen umfasst. Daten werden entweder direkt mit einer logarithmischen Skala dargestellt, oder die Einheiten selbst, wie
- Berechnung der Anzahl der Stellen, die zur Darstellung einer Zahl benötigt werden. Als Basis des Logarithmus wird dient Basis des Zahlensystems (z.B. 10, 2, 8 oder 16), dem die Zahl, deren Länge berechnet werden soll, zugeordnet ist. (Siehe auch „bit“ im nächsten Punkt.)
- bit = Informationseinheit = Messung der Informationsmenge.
- pH-Wert (Säurewert von chemischen Lösungen) (Anmerkung: In der Chemie kann man logarithmische Skalen i. A. am vorangestellten p erkennen, z. B. beim pKs- oder pKb-Wert)
- dB (Dezibel) z. B. Messung von Lautstärke, elektronischer Dämpfung
- In der belebten Natur finden sich zahlreiche Beispiele logarithmischer Spiralen, so z. B das Wachstum von Schneckenhäusern oder die Anordnung der Kerne auf der Sonnenblume.
- Die Empfindlichkeit von Sinnesorganen folgt dem logarithmischen Weber-Fechner-Gesetz der Psychophysik, wonach eine Vervielfachung der Reizstärke nur eine lineare Zunahme des wahrgenommenen Reizes bewirkt.
- Sternhelligkeiten werden in astronomischen Größenklassen angegeben, die ein logarithmisches Maß der tatsächlichen Strahlungsstärke darstellt.
- Logarithmische Zeitskalen finden sich in der Geschichte der Technologie ebenso wie in der geologischen Zeitskala.
- Zur graphischen Darstellung von bestimmten mathematischen Funktionen werden spezielle mathematische Papiere verwendet, wie z. B. einfachlogarithmisches Papier oder doppeltlogarithmisches Papier.
Exponential- und logarithmische Gleichungen
Der Begriff des Logarithmus erlaubt die Lösung von Aufgabenstellungen, die bei Wachstums- oder Zerfallsprozessen typischerweise auftreten.
