Logischer Fehler
Der logische Fehler bezeichnet einen Fehler im logischen Schließen, in einer Begriffsdefinition, in einer Beweisführung oder in einer Widerlegung, der entweder hervorgerufen wird durch eine Verletzung der Gesetze der Logik oder durch eine Entstellung der Formen des Denkens. Es ist eine alte Tradition, die logischen Fehler in drei Gruppen einzuteilen:
- I. Fehler in bezug auf die Prämissen
- II. Fehler in bezug auf die These, d.h. den Schlußsatz einer Schlußfolgerung
- III. Fehler in der Argumentation
| Inhaltsverzeichnis |
Zu I. Fehler in bezug auf die Prämissen, d.h. in den Beweisgründen (principia demonstrandi)
- I.1 error fundamentalis: Es wird der Versuch unternommen, die zu beweisende These aus falschen Prämissen abzuleiten bzw. mit falschen Argumenten zu begründen
- I.2 petitio principii : Bei der Vorwegnahme des Grundes oder dem unbewiesenen Grund wird versucht, die zu beweisende These aus Prämissen abzuleiten, die zwar nicht falsch zu sein brauchen, deren Wahrheit aber selbst erst noch bewiesen werden muß. Manchmal wird dieser Fehler in der Literatur auch mit fallacia incerti medii bezeichnet.
- I.3 circulus vitiosus: Beim Zirkelschluß wird die These aus Prämissen abgeleitet und werden die Prämissen aus der These abgeleitet, so daß sich ein Zirkelschluß (Kreisschluß) ergibt, der weder die These noch die Prämissen beweist
Zu II. Fehler in bezug auf die These, d.h. auf den Gedanken, der noch bewiesen werden soll
- II.1 ignoratio elenchi : Es wird eine andere als die interessierende These abgeleitet, es wird eine These unterschoben, die der eigentlich zu beweisenden These nur äußerlich ähnlich ist
- II.2 qui ninium probat, nihil probat: Eine zu weite Beweisführung liegt vor, wenn aus den Prämissen nicht nur die zu beweisende These folgt, sondern auch eine falsche These
Zu III. Fehler in der Argumentation, d.h. in der Form des Schließens, der Folgerung
- III.1 non sequitur: Die These folgt nicht aus den Prämissen, wenn beim Beweis der These Argumente aufgestellt werden, die an und für sich wahr sind, die aber keinen zureichenden Grund für die These sind und deshalb die aufgestellte These nicht beweisen
- III.2 argumentum ad hominem: Bei der Argumentation auf den Menschen wird an Stelle einer Begründung der Wahrheit oder Falschheit mit Hilfe objektiver Argumente eine positive oder negative Charakteristik der Persönlichkeit jenes Menschen gegeben, dessen Behauptung unterstützt oder bestritten wird
- III.3 argumentum ad publicum: Bei der Argumentation auf das Publikum wird an Stelle einer Begründung der Wahrheit oder Falschheit der aufgestellten These mit Hilfe objektiver Argumente auf die Gefühle der Zuhörer eingewirkt und diese werden davon abgelenkt, sich in Ruhe und Konzentration eine objektive Meinung über den zu beurteilenden Gegenstand zu bilden.
- III. 4 fallacia fictae universalitatis: Bei der vorschnellen Verallgemeinerung wird eine Eigenschaft, die nur bei einem kleinen Teil der Elemente einer Klasse von Objekten oder Subjekten entdeckt wurde, auf alle Elemente der Klasse übertragen, als gäbe es kein Element ohne diese Eigenschaft
- III.5 post hoc ergo propter hoc: Beim Vermischen des Kausalzusammenhanges mit der einfachen zeitlichen Aufeinanderfolge wird nach der falschen Regel gefolgert "weil später, folglich".
- III.6 quaternio terminorum: bei der Konstruktion im Syllogismus tritt ein vierter Begriff auf, indem einem schon vorhandenen Mittelbegriff ein anderer Inhalt gegeben wird und es deshalb die Außenbegriffe des Syllogismus im Schlußsatz nicht verbinden kann.
Zu dieser Gruppe von Fehlern gehören auch die folgenden:
1. a dicto secumdum quid ad dictum simpliciter: vom bedingt gesagten zum schlechthin Gesagten
2. a sensu divisio ad sensum compositum: von der Distributivbedeutung zur Kollektivbedeutung
3. fallacia consequentis: Fehler bezüglich der Folge (siehe auch fallacia plurium interrogationum)
5. Fehler in der Begriffsbestimmung
Weitere Einteilungsmöglichkeit der logischen Fehler
Manchmal teilt man die logischen Fehler in
- rein logische Fehler, z.B. quaternio terminorum, die Nichtdistributiertheit des Mittelbegriffs, die unzulässige Erweiterung des Oberfbegriffs und des Unterbegriffs oder das Vorhandensein von zwei verneinenden Prämissen, und in
- halblogische Fehler ein, z.B. die Doppeldeutigkeit von Wörtern, die Doppeldeutigkeiten in Wendungen, die Einteilugsfehler, die Fehler der logischen Betonung und der Rhetorik.
Logische Fehler unterscheiden sich von sachlichen oder faktischen Fehlern, die als Entstellung der Beziehungen zwischen den Gegenständen der objektiven Realität in den Gedanken gelten. Zu den sachlichen Fehlern gehören seit Aristoteles z.B. Fehler wie der akzidentielle Fehler, der reversible akzidentielle Fehler, der nicht zutreffende Schlußsatz, der Fehler vom falschen Grund und der Fehler vieler Fragen. Während logische Fehler in der Regel ohne Kenntnis des Gegenstandes nachgewiesen und korrigiert werden können, können sachlicher Fehler nur von dem bemerkt und korrigiert werden, der den Gegenstand selbst kennt, um den es sich handelt.
siehe auch Fehler im Syllogismus, argumentum, Argument
