Lokativ

Der Lokativ ist ein Begriff aus der Grammatik. Er bezeichnet einen Fall (Kasus) in einigen indogermanischen Sprachen, der zum Beispiel den Ort ausdrückt. Er stammt aus dem Urindogermanischen, in dem er einen Ort ausdrückte.

Letzte Reste des Lokativ haben sich in der deutschen Sprache in ein paar feststehenden Ausdrücken erhalten:

Dass es sich nicht um Dative handelt, sieht man an zu Häupten, im Dativ müsste dies zu (den) Häuptern lauten.

Reste des Lokativ haben sich auch in anderen indoeuropäischen Sprachen erhalten. So gibt es in der lateinischen Sprache noch den Ausdruck domi meae (in meinem Haus), sonst wurde der Lokativ aber zum Ablativ. Im Russischen sind die Reste des Lokativ bei einsilbigen männlichen Substantiven nach der Präposition v (in), z.B. v snegu (im Schnee), sowie bei bestimmten einsilbigen weiblichen Substantiven, zum Beispiel v stepi (in der Steppe) erhalten geblieben, sonst wurde der Lokativ zumeist zum Präpositiv.

Ganz allgemein wird auch ein den Ort bestimmender Kasus als Lokativ bezeichnet. In diesem Sinne ist beispielsweise der Lokal (auch) ein Lokativ und es gibt dann einen Lokativ auch im Türkischen. Im Türkischen antwortet er auf die Frage "Wo?" (nerede) und wird durch die Endungen -de und -da (nach stimmlosem Konsonant erhärtet zu -te und -ta) ausgedrückt. Bei Eigennamen wird diese Endung durch einen Apostrophen abgetrennt. Die Endung unterliegt der kleinen Vokalharmonie. Beispiele: Ankara'da = in Ankara, Ürgüp'te = in Ürgüp, Bodrum'da = in Bodrum, plajda = am Strand, okulda = in der Schule, Bülent'te = bei Bülent, doktorda = beim Arzt, usw.

Auch in den Finno-ugrische Sprachen ist der Lokativ vorhanden. So wird unter anderem im Ungarischen der Lokativ durch Wortsuffixe gebildet wie zum Beispiel aus ház (Haus) wird házban (im Haus).

Weblinks

See also: Lokativ, Ablativ, Dativ, Finno-ugrische Sprachen, Glaubensbekenntnis, Grammatik, Kasus, Lateinische Sprache, Lokal (Kasus), Russische Sprache