Love Hotel

Das Love Hotel (jap. ラブホテル rabu hoteru) gel. auch Liebeshotel ist eine besondere Art des Stundenhotels in Japan und gleichzeitig ein wichtiges Element der modernen japanischen Alltagskultur.

Die Zimmer-Love-Hotels sind meistens geräumiger als die normaler Hotels und im Vergleich zu diesen geradezu pompös ausgestattet. Sie bieten fast immer ein großes Bett mit einem eingebauten Reglungssystem für Licht, Radio und Fernsehen und ein luxuriöses Bad beispielsweise mit eingebautem Whirlpool. Daneben haben viele Zimmer Karaoke-Anlagen, Videospiele und große Minibars und sind oft thematisch gestaltet (Disney-Stil, als Grotte, mit SM-Werkzeugen).

Die Zimmer im gleichen Love Hotel sind oft alle unterschiedlich. Der Gast kann sie am Eingang auf Fotos betrachten und auch gleich erkennen, welche Zimmer noch frei sind. Die Bezahlung erfolgt heute im ländlichen Raum meist „vollautomatisch” ohne den als „peinlich” erachteten Kontakt mit einem Hotelangestellten, um die Anonymität zu wahren. In Tokio zum Beispiel versteckt sich die Person an der Kasse wie früher hinter einer Art Blende, so dass nur die Hände sichtbar sind, die das Geld entgegennehmen. Es gibt auch Love Hotels ganz ohne Kontakt zu Bediensteten. Dort wird die Zimmertür nach dem Buchen automatisch aufgeschlossen, nach dem Betreten aber automatisch verriegelt. Um den Raum zu verlassen, muss dann über eine Art Rohrpostsystem die Zimmermiete an die Rezeption geschickt werden, die dann das Schloss freigibt.

In Japan sind Love Hotels so verbreitet, dass sich der allgemeine Ausdruck Hotel (hoteru) in der japanischen Umgangssprache eher auf ein Love Hotel bezieht als auf ein „normales” Übernachtungshotel. Um klarzustellen, dass man ein normales Hotel meint, spricht man von einem Business Hotel.

Love Hotel-Zimmer mietet man im Raum Ōsaka für eine oder anderthalb Stunden, während die Standardmietzeit (休憩 kyūkei, Ruhezeit) im übrigen Japan zwei oder drei Stunden beträgt. Ab einer bestimmten Zeit am Abend sind die Zimmer dann nur noch für den ganzen Rest der Nacht (teurer) erhältlich.

Kunst

Love Hotels sind ein zentraler Schausplatz in der japanischen Literatur und den Filmen. Das Buch "Kristall-Kids" (1979) setzt mit einer 60 Seiten langen Beschreibung einer Sexszene im Love Hotel den Love Hotels ein literarisches Denkmal.

Liebeshotels in Shibuya

Der Stadtteil Shibuya in Tokio hat eine hohe Konzentration an Liebeshotels, die jeden Geschmack bedienen. Die thematische Gestaltung der Räume reicht von Harem-Extravaganza bis zu Science Fiction. Des Weiteren gibt es Zimmer mit vibrierenden Betten, Wand-zu-Wand-Spiegeln, Bondage-Ausrüstung oder Videogeräten.

Im Eingangsbereich eines Liebeshotels befindet sich normalerweise eine Anzeigetafel mit beleuchteten Abbildungen der verschiedenen vorhandenen Räume. Man wählt einen Raum, indem man die Taste unter der Abbildung eines Raumes drückt, und bezahlt danach beim Kassierer. Die Hotels werden auch von verheirateten Paaren benutzt, deren Räume zu Hause zu hellhörig sind.

Nomenklatur

Love Hotel ist eine anglizierende Wortneuschöpfung. Für Fremdwörter oder daran angelehnte Ausdrücke ist ein Teil des Japanischen Alphabets reserviert, siehe hier für Details. Sowohl Japaner wie Ausländern verstehen Love Hotel, deshalb wird es in der Regel auch von in Japan lebenden Deutschen benutzt. Der Begriff "Liebeshotel" hingegen findet nur selten oder scherzhafte Verwendung. Kategorie:Sex in Japan

See also: Love Hotel, Bett, Bondage, Disney, Grotte, Hotel, Japan, Japanische Sprache, Japanisches Schriftsystem, Karaoke