Lu Xun
Mit dem Schriftsteller Lu Xun 鲁迅 (eigentlich: Zhou Shuren; 1881-1936) begann die moderne chinesische Literatur, und bis heute ist er ihre prägende Leitfigur geblieben. Er zählt als Begründer der baihua-Literatur (白話), das heißt der Literatur in moderner Umgangssprache. Geboren in Shaoxing, Provinz Zhejiang, hieß er ursprünglich Zhou Zhangshou, änderte später seinen Namen in Zhōu Shùrén (周樹人). Als linksorientierter Literat spielte er nach seiner Rückkehr vom Medizinstudium an der Sendai-Universität in Japan als Lektor an der Peking-Universität eine wichtige Rolle als Schriftsteller.
Entscheidung für das Schriftstellertum
Lu Xun war 1902 zum Medizinstudium nach Japan gegangen. Aus der Ferne kam er zu der Einsicht, dass China weniger eine Veränderung der Medizin als des Bewußtseins benötigte. Seinen Beitrag zu dieser Veränderung sah er in der Literatur:
"Es war lange her, seit ich irgendwelche Landsleute gesehen hatte, da wurde eines Tages ein Film abgerollt, der einige Chinesen zeigte. Einer von ihnen war gefesselt, und viele meiner Landsleute standen um ihn herum. Sie waren alle kräftige Gesellen, schienen jedoch völlig apathisch zu sein. Der Kommentar besagte, dass der eine mit den gebundenen Händen Spion im Dienste der Russen gewesen sein, wofür ihm die japanischen Soldaten - zur Warnung der anderen - nun den Kopf abschlagen würden; die Chinesen rings um ihn seien gekommen, um das Schauspiel zu genießen.
Noch vor Ende des Semesters war ich nach Tokio abgereist, weil ich nach diesem Film zu der Überzeugung gelangt war, die medizinische Wissenschaft sei gar nicht so wichtig. Ich hatte erkannt, dass Menschen eines schwachen und rückständigen Landes, wie stark und gesund sie auch sein mochten, zu nichts anderen dienten, als stumpfsinnige Zuschauer oder willenlose Objekte solch öffentlichen Schauspiels abzugeben; und das war schlimmer, als an einer Krankheit zu sterben. Am wichtigsten war es darum, ihren Geist zu ändern, und da ich Literatur für das beste Mittel zu diesem Zweck hielt, beschloss ich, eine literarische Bewegung ins Leben zu rufen."
Lyrik
Zur Lyrik nahm Lu Xun eine zwiespältige Haltung ein, denn er war der Ansicht, dass die großen Werke der chinesischen Lyrik längst geschrieben worden seien:
»Ich glaube, daß Ende der Tang-Zeit schon alle hervorragenden Gedichte geschrieben waren. Seither ist es besser, man versucht sich nicht im Schreiben von Lyrik, es sei denn man ist der Affenkönig, der von der Handfläche des Buddha sprengen kann.«
Dennoch verfasste er Gedichte, wenn auch nur aus »Gewohnheit« oder wenn er um eine Kalligrafie gebeten wurde.
Werke
- Tagebuch eines Verrückten (狂人日記, Kuangren Riji)
- Die wahre Geschichte des Ah Q (阿Q正傳, Ah Q Zhengzhuan)
- Kriegsruf (呐喊, Nahan)
- Morgentau, in der Dämmerung gesammelt 朝華夕拾 (Zhaohua Xishi)
- Wilde Gräser (野草 Yecao)
- Wanderungen 仿惶 (Panghuang, "Wandering")
- Kurze Geschichte der chinesischen Romandichtung (中国小说略史 Zhongguo Xiaoshuo Lüe Shi)
Ausgabe: Lu Xun, Werke in sechs Bänden. Hrsg. von Wolfgang Kubin, 6 Bände, Zürich : Unionsverlag 1994
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lu Xun |
| ALTERNATIVNAMEN | Zhou Zhangshou, Zhōu Shùrén, 周樹人, 鲁迅 |
| KURZBESCHREIBUNG | chinesischer Schriftsteller und Leitfigur der modernen, chinesischen Literatur |
| GEBURTSDATUM | 1881 |
| GEBURTSORT | Shaoxing, Provinz Zhejiang |
| STERBEDATUM | 1936 |
| STERBEORT | |
